Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)
- Anchors
- 4 in 4 Wb.
- Sprachstufen
- 3 von 16
- Verweise rein
- 3
- Verweise raus
- 1
zudringen, v. , mhd. zuodringen mhd. wb 1, 393b; Lexer 3, 1181. 11) zunächst rein räumlich gesehen, von personen: der gfatterman dringet dem weib zu und spricht H. Sachs 21, 97 G.: jedoch hat man vom geschälle das ausserthalben her anfieng, nichts hören noch auszrichten mögen, indem sich die zutringenden und die abgehenden unter einander vermischt Xylander Plutarch (1580) 208b; dahero entschlosz er sich fort und dem läger zuzudringen Lohenstein Armin. 1, 54b; bewaffnete leute, die auf den ort zudrangen Göthe 22, 38 W.; ich dringe zu, tret' alle sträuche nieder, die büsche fliehn, die bäume weichen mir 2, 90 W. von stofflichem: die fluth (war) nach dem fontinalischen und janiculensischen thoren zugedrungen A. U. von Braunschweig Octavia 4, 203; dasz nicht die mindeste lufft neben den röhren her zudringe Lichtenberg br. 2, 247; eben diese aus den augen sich bildenden blüthen würden, bei mehr zudringender nahrung, zweige geworden sein Göthe II 6, 76 W. übertragen in verschiedener weise: (die laien) wend selb der geschrift zuotringen N. Manuel 42 Bächtold; bei Richard Wagner eine abspringende und zudringende unruhe Nietzsche 4, 218; und unaufhaltsam dringt mein herz dir zu Göthe 10, 237 W. 22) bei mehreren personen erweckt es meist die vorstellung der groszen menge. 2@aa) von truppen: das sich reuter und knecht ... zusammen in widerstand verfügen, ... also mit hauffen den oder solchen plätzen (alarmplätzen) zugedrungen L. Fronsperger kriegsb. 1, 52a; dringet der feind auf die stücke zu und will solche gern vernageln Fleming vollk. t. soldat (1726) 290; käm' auff uns zugedrungen der hellen gantzes reich Simon Dach 864 Österley. 2@bb) von menschenmengen, die an einem vorgang theilnehmen oder an eine person heran wollen: also das ... die strassen gegen dem marckt gelegen, voll zusehender und zutringender menschen seind gewesen (bei einer hinrichtung) A. Henricpeter generalhistorien (1577) 319; zum gitter, welches den kampfplatz vor der zudringenden menge sichern sollte Fouqué zauberring 1, 183; als ... keine neuen gäste weiter zudrangen Göthe 25, 72 W. 33) das erscheint mehr oder weniger als lästig: mir geht es gut, nur wird ... der fleisz durch zudringende gesellschaft abgehalten IV 20, 80 W. gelegentlich von einzelnen: rückhalten durft' ich nicht, Antonio; doch gewisz, zudringen will ich nicht 10, 153 W. 44) lästig ist alles, was uns als sorge, gedanke, gefühl, arbeit zudringt: ... manch schweres leiden, so mir zu meinem theil offt häufig zugedrungen P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 448a; da mir aber diesz wegen vieler zudringender arbeit nicht möglich gewesen Göthe IV 35, 34 W. manchmal ist es nur das übermächtige, zwingende: ich ging in der stube auf und nieder, mein herz erstickte unter dem zudringen (der empfindungen) 19, 139 W.; da das wort charakter ausgesprochen ist, so werde einigen zudringenden betrachtungen hier platz vergönnt II 4, 98 W.; der begriff von welt drang dem menschen als ein allgemeines, unendliches, unermeszliches zu Herder 21, 210 S. 55) in der bedeutung lästigen sich auf- oder andrängens erscheint es durchweg als refl.: so oft nur cavaliere herkommen, so kann sie so schön thun und sich zudringen Gottsched deutsche schaubühne 6, 132; ohngeachtet aller dieser betrachtungen mag ich mich doch nicht zudringen und durchlaucht den erbprinz nicht unmittelbar angehen Göthe IV 24, 283 W. vereinzelt auch wie 4: jeder andern idee, die sich zudringen wollte, waren wir ... verschlossen Thümmel reise in d. mitt. prov. 1, 161. 66) selten ist miszbräuchliche anwendung als trans.: Jacob, dem seine Lea ward mit allem unrecht wider seinen willen zugedrungen Luther briefe 2, 514; sie drang mir einen überrock zu Göthe 25, 195 W. 77) der inf. als subst. zeigt alle bedeutungen des verbs: hierumben ... ward ... an der brücken ein grosz zudringen Kirchhof wendunm. 2, 41 lit. ver.; worauf denn der könig ... Wartburg besuchte, sich dort unerkannt dem zudringen bedeutender alterthümlicher betrachtungen hingab Göthe 41, 2, 332 W.; und was soll sein zudringen zu uns (Hoffmanns v. Fallersleben) Gervinus an J. Grimm 2, 71. insbesondere bezeichnet er eine dringliche bitte oder mahnung: ich widerstund ... so wol dem zudringen meiner freunde, als meiner eigenen neigung Wieland Agathon (1766) 1, 335. formelhaft auf mein, sein, ihr zudringen u. ä. mit aus: aus zudrüngen musz der bauer ihnen (den räubern) sein geld geben med. maulaffe 666. 88) zudringend als adj. ist so viel wie zudringlich: in einer verdrieszlichen stunde, wo Isabellens rath etwas zudringend wurde J. Wetzel Tob. Knaut (1770) 3, 235; ein jüngling .. bescheiden ohne ängstlich, zutraulich ohne zudringend zu sein Göthe 20, 200 W.; wenn ein begeisterter wirth im halben rausch zudringend zum trinken nöthigt Tieck 4, 68. 99) auch das part. perf. wurde früher gelegentlich als adj. gebraucht: der ein theil (der gebärmutter) wird genannt ein höle, ... mit einem engen und zugetrungenen weg und auszgang beschlossen Ruoff hebammenb. (1580) 34; diese frage .. ist nichts anders, als auf papistischer seiten, ein zugedrungne wortzancksichtigkeit Tob. Wagner evangelische censur (1640) 43.
Lautwandel-Kette
Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart
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15.–20. Jh.
NeuhochdeutschZudringenv., ntr, intrs
Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg
Zudringen , v. ntr . u. intrs . unregelm. ( s. Dringen ), mit sein , zu etwas dringen, hinzudringen. D. Zudringen .
- 18./19. Jh.
- modern
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Wortbildung
Komposita & Ableitungen mit zudringen
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Cotta, M. (2026). „zudringen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zudringen/dwb
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Cotta, Marcel. „zudringen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zudringen/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „zudringen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zudringen/dwb.
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