zerführen,
verb.,
dieses im ahd. und mhd. reich bezeugte verbum reicht nur noch in ausläufern in die nhd. periode hinein; weder Luther
noch die wbb. (Stieler, Adelung, Campe)
kennen es; zerstreuen: heiz sie ... zefuoren after allero werlte Notker
ps. 16, 14;
ps. 88, 42; Christus, de de grôten dusternisse tovôren solde
bei Schiller-L. 4, 601
b;
so noch ganz vereinzelt: den leichten rauch zerführt der wind Geibel
w. 3, 32;
zerzausen, verwirren, in unordnung bringen: dô rang er nâch ir minneund zerfuorte ir diu kleit
Nibel. 587, 1; 618, 2
L.; Wolfdietrich A 157, 3
Schn.; een grôth wyndt ... tovôrde alle ere telte
bei Schiller-L. 4, 601
b;
modern noch in der schweiz. mda. lebendig: der wind het das dach, die spreiti werch zerfüert
schweiz. id. 1, 983; gras, heu z.
es zertreten, darin sich wälzen ebda; nicht im nhd. gebrauch erhalten ist die mhd. bedeutung beenden, beilegen, schlichten (
noth, krieg),
s. Lexer 3, 1093;
mhd. wb. 3, 262
b;
zerreiszen: Vorauer sündenklage 721; so ward Brunhild mit einem wilden rosz zerfhrt Stumpf
Schweizerchron. 310
a;
zerbeiszen, zerfetzen: (
der hirsch hat) die stauden geschlagen und das laub zerfrt Sebiz
feldbau 583; min schOene lip wart ... von dien ... geiselschlegen zerfret und zermústet Seuse
d. schr. 204
B.; Hätzlerin
liederb. 226;
zertheilen: entiansafft ... zertheilt und zerferet das gerunnen blut T. Schnellenberg
experimenta (1552) 21
b; das schweinefleisch wird wol verdauet und im leib wol zerfhret Rätel
Curäi chron. 292;
vgl.: s häd mi leid zerfüert
hat stark abgeführt, purgiert schweiz. id. 1, 983;
am meisten in der bedeutung zerstören, verwüsten belegt, mhd.: Wirnt v. Gravenberg
Wig. 2715; Lexer 3, 1093; Schmeller-Fr. 1, 750; H. Fischer 6, 1132; Scherz-Ob. 2096; 2100; Frisch 1, 305
a; Schiller-L. 4, 601
b;
schweiz. id. 1, 983; Ch. Schmidt
els. 436
b; de bruggen tovôrde dat water (
Magdeburg)
chron. d. st. 7, 242; do Jerusalem wart zerfret
Lucidarius 51, 29; do er die stat sahe zerfret
hist. v. d. statt Troia (1499) 19
d; er betrubet und zerfuret (
var. verruret, verrütt, zuruttet) dir alle dein irdische herschaft
ackermann aus Böhm. 33
B.; S. Brant
narrensch. 5;
mhd. auch mit gen., z. b. der êren z. (Hartmann v. Aue
Gregor 2266
P.),
daraus die bedeutung trennen, sondern: woferne man der Juthen namen und uhrsprung von den Gothen in Schweden ... z. wolte C. Danckwerth
Schlesw. u. Holst. (1652) 125
a; —
andere zss.: ab-, an-, auf-, aus-, durch-, ein-, ent-, fort-, heim-, mit-, nach-, über-, ver-, zuführen. —