zerbersten,
verb. ,
in stücke bersten, platzen, zerspringen, risse bekommen; eine nd.-nordd. form (
mnd. tobersten Schiller-L. 4, 554
a;
auch ags. tóberstan),
welche seit Luther
das hd. und noch im obd. als mda. wort geltende zerbresten (
ahd. za-, zi-, zarprëstan Graff 3, 274,
mhd. ze-, zerbrësten
mhd. wb. 1, 258
b, Lexer 3, 1064;
auch as. tebrestan)
verdrängt, seinerseits aber sich vor zerbrechen
im rückzuge befindet; s. bersten
th. 1, 1527
und bresten 2, 373.
zur entwicklung der form: präs. ind. 3.
sing.: zerbirst Lohenstein
Epicharis v. 539; Gottsched
anmuth. gel. 6, 273: E.
M. Arndt 6, 79
R.-M., und modern; zerbirstet Bodmer
crit.-poet. schr. 1, 80; Schiller 2, 352
G.; zerberstet Jac. Böhme
schr. 6, 198; O. Ludwig
ges. schr. 1, 127;
prät. 3.
sing.: zerbarst Luther 10, 3, 146
W.; regelmäszig so erst wieder im 19.
jahrh.: Fr. Kind
ged. 1, 161; zerborst Luther 29, 237
W.; J. D. Falk
sat. (1800) 2, 224; zerbarste Immermann 12, 53
H.; zerborste Lohenstein
Ibrah. v. 50; Lichtwer
fab. 61; zerberstete J. v. Müller
s. w. 4, 302; zerbarstete Schupp
schr. (1663) 418;
abweichende vocalfärbung: zerbrst (
präs.) Neumark
fortgepfl. lustw. 2,
ehrenverse 7; zerbrstet (
präs.) P. Stockmann
bei Fischer-T.
ev. kirchenl. 2, 33; zerbrsten (
inf.) S. Faber
ges. krankh. (1677) 8; Harsdörfer
gesprächsp. 5, 454; zerbOerst (
präs.) Eppendorf
Plin. 11, 201; zerbOerstet (
präs.) Äg. Albertinus
zeitkürtzer 51
b; zerbOersten (
inf.)
vern. tadl. 1, 229; zerborsten (
inf.) Harsdörfer
secr. 2, 495; Stieler
geh. Ven. 43
ndr. seit der ahd. zeit und in der mhd. periode reich bezeugt, wird zerbresten, -bersten 11)
in der regel intrans. gebraucht und bedeutet a)
durch druck von innen oder unten bersten oder zerplatzen; α)
von gegenständlichem: di steine zebrâsten dar abe (
vom erdbeben)
Vor. sündenklage 837; kam aus der z-den erde ein gespenste herfr Lohenstein
Arm. 2, 1346
b; bis ... die eisdecke ... sich krachend hebt und zerbirst Gaudy
s. w. 10, 32;
freier: so bleib ich fest, und das zerbrest die welt allgar J. Sanfdorfer
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 172; die luft zerbirst H. Arent
mod. dichterchar. 286;
β)
von lebenden wesen und deren körpertheilen: der bauch zerborst Luther 29, 237
W.; Harsdörfer
gesprächsp. 5, 454; flAeugk, blatter, und nicht zubrist, das gebeut dir der herr Jesu Christ Rüdinger
proceszact. (1597)
in J. W. Wolf
s zs. f. d. myth. 1, 280; soll das gehirn ... anwachsen, so musz mein kopf ... z. Tieck
schr. 20, 397; ich zerberste Nestroy
ges. w. 1, 248;
insbes. infolge einer gemütsbewegung und deren äuszerung (
lachen u. a.): hör fort, wes ich thet lachn so ser, daz ich auch schier zuprastet wer!
sat. u. pasqu. 1, 102
Schade; fr lachen ich schier zubOerstet
engl. com. A a a 6
b;
jetzt meist vor lachen z. wollen (mögen),
so Heinse 2, 62
Sch. u. a.; in mda. und umgangssprache stellenweise dafür zerbrechen,
s. d. unt. II 2
b; von leydt wolt im sein hertz zerbOersten
Aimon D 2
b; b)
durch äuszere einwirkung, welche innere spannung erzeugt, bersten, durch schlag oder stosz zerbrechen: endi that fêha lacan tebrast an middion an twê (
scissum est in duas partes)
Hel. 5664;
schild: Nibel. 926, 3
L.; schiffe: 1. kön. 22, 49
erste bib. 5, 348 (worden zubrochen Luther);
glas vor kälte: Stieler 237; gleich einer zerborstenen glocke Jean Paul 3, 53
H.; das erdreich vor hitze: Ritter
erdk. 1, 763;
von lebenden wesen: ez (
das pferd) viel hinab, deiz gar zebrast
Parz. 444, 29; Schiller-L. 4, 554
a; sie strtzeten sie (
die gefangenen) von der spitzen des felses, das sie alle zuborsten
2. chron. 25, 12; die hirnschale zerbarst (
durch stosz) Immermann 4, 29
B.; 22)
nur vereinzelt trans.: daz newe (
stück eines gewandes) zerprist di zesamenfügung (so reiszet das newe Luther)
Luk. 5, 36
cod. tepl. 1, 82; welcher (
der feurige drache) ... also toll ist, dasz er sein leben vor boszheit zerberstet Jac. Böhme
schr. 6, 198; damit (
mit seinem hammer) er (
Donar) die berge zerbarst W. Schäfer
büch. d. deutsch. seele 9; 33)
lex.: Stieler 170; 237; Frisch 1, 86
c; Adelung
2 4, 1686; Camper 5, 840
b; H. Fischer 6, 1128;
lux. wb. 501
b. —
dazu zerberstung,
f., risz, spalte: z-en oder brche J. Barth
weiberspieg. B 5
b;
das zerbersten: der berge ... z. Hohberg
georg. 1, 21. —