zanksucht,
f. ,
krankhafte neigung zu zank, sowohl die sucht zu zanken (1)
wie auch das verlangen sich mit anderen zu zanken (2);
seit 1565,
bei Kirchhof
wendunmuth 4, 175,
bezeugt und lexicalisch zuerst von Stieler (1691) 2016
erfaszt, von den lexicographen mit rixandi studium, altercandi libido (Steinbach 2, 767, Dentzler 2, 359
b)
wiedergegeben. 11)
als eigenschaft einzelner, namentlich des weiblichen geschlechtes: merkwürdig ist die z., die ordentlich zu ihrem (
Heras) charakter gehört K. W.
F. Solger
nachgel. schr. 2, 700, 1; drei dinge ... hatte er ... mit seiner frau in kauf genommen, eine harte ... gemüthsart, zanksucht und brutale leidenschaftlichkeit G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 5; wegen der feindschaft und zanksucht der Falkin mit der Zierlich v. Petrasch
lustsp. 2, 445; eine besondre gemüthsart ... ist die z. Knigge
umgang 1, 152; wo weder zwietracht, hasz noch zanksucht dich betrübet König
ged. (1745) 142;
auch von thieren: schwachen geschöpfen ... gegenüber zeigt es (
das rothkehlchen) ... unliebenswürdige z. Brehm
tierleben3 4, 55;
vom weidenlaubvogel und der misteldrossel bei J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 593; 257
berichtet; niemand sagt aber darum, dasz der erste hund eine sünde begangen habe, daher diese zanksucht seiner nachkommen entstanden sey Liscow
satir. schr. 639. 22)
neigung zu wortwechsel, meinungsstreit, zum processieren: zunächst häufig in liebesverhältnissen: gleich ist er umgekehrt, die wilde zanksucht flieht Göthe 9, 8, 87
W.; sodann als polemische sucht im schriftthum, seit der mitte des 17.
jhs. belegt: deine spiele voller lust, ohne zanksucht und verlust mich in mir so gar ergetzen Harsdörfer
frauenz. gesprechspiele 4, 439; wo nicht, so werde der der vorwurf meiner lieder, der sich als Themis rächer wies, und dessen frommes schwerdt der gift'gen zanksucht hyder nur drey von tausend köpfen liess Lessing 1, 146
M.; der kleinlichen geists und der zanksucht voll wie ein spitz an der kette gebelfert Platen
w. 2, 354
Hempel; überhaupt, bester herr Wolf! muss ihr löblicher eifer für die gute sache nicht in zanksucht ausarten! Mos. Mendelssohn
ges. schr. 5, 604;
im bürgerlichen leben: hass, zancksucht, meineyd und betrug sind stets auf deinen schaden klug Günther
ged. (1735) 143; die zanksucht und das spiel stehn an des thrones seiten Zachariae
poet. schr. 1, 135; ein mensch auss ungedult, zancksucht und bossheit seinem nächsten nur das böse ... wündschet Dannhawer
catechism.-milch (1657) 2, 194; der gedanke des vaterlandes verschwindet ... oft ... hinter ... der zanksucht Treitschke
aufs.5 2, 562;
besonders häufig vom gezänk der theologen: die zwytracht in dem stat, die zancksucht in der kirch und untreu in dem rath Gryphius
trauersp. 19
Palm; ehrgeitz ist gar ein schendlich laster, zancksucht im glauben noch des faster Kirchhof
wendunmuth 4, 175
lit. ver.; sie (
die Christen) werden von letzteren (
den Nichtchristen) an selbstgefühl, ... todesmuth ... gewöhnlich übertroffen, während sie untereinander ... das spektakel ... kleinlicher und neidischer zanksucht geben v. Holtei
erz. schr. 23, 20. 33)
gern mit zorn
verbunden: auf den zorn folgt zank,
d. i. zanksucht, beständige neigung zu widersprechen und streit anzufangen, murrisches, beleidigendes wesen J.
M. Miller
predigten fürs. landvolk 3, 173; und wer hätte dem gifftigen manne allen zorn und zancksucht nachschreiben mögen?
d. politische maulaffe (1679) 209;
mit anspielung auf den apfel der Eris: als neulich der geist der uneinigkeit den apfel der zanksucht unter sie (
die deutschen dichter) geworfen J. J. Schwabe
belustigungen 1, 49; gleich als wenn der güldene apfel in diesem liebes-streite zu ihren händen wieder kommen solte, den die zancksucht ... von ihr erborget hatte Lohenstein
Arminius 1, 1415
a.