zänker,
zanker,
m., nomen agentis zu zanken
und zänken;
obd. früher ohne umlaut, heute noch landschaftlich; zäncker
und zancker Alberus
dict. (1540)
e 3
b;
selten mit e: czenker (
pl.) Tilo v. Kulm
sib. inges. (1331) 91
Ko. (
frühester beleg); diesen neidischen zenckern L. Thurneysser
alch. 82.
die wbb. übersetzen mit altercator, rixator, homo litigiosus (Steinbach 2, 1070),
disceptator (Diefenbach 184
a)
und geben die vier hauptbedeutungen richtig an: 1)
derjenige, welcher zankt, d. h. streit beginnt, schilt, mäkelt und schimpft, 2)
der, welcher sich mit einem andern in streit, im wortwechsel, rechtsstreit, disput befindet; 3)
und 4)
beide bedeutungen können für eine vorübergehende handlung wie für eine eigenschaft (
ein zu zank neigender mensch)
verwandt werden. 11)
vom einseitigen zank: tadler, mäkler; stets in singularischem sinne gebraucht. 1@aa)
von einer vorübergehenden handlung: da kostete ihr es mühe, nicht mit dem zanker zu zanken O. Ludwig
ges. schr. 2, 357; zank' o her mit meinen zánkern Schede (Melissus)
psalm. 127
ndr. 1@bb)
häufiger einen zanksüchtigen, zum streit neigenden menschen bezeichnend, als attribut gern mit sinnverwandten ausdrücken zusammengestellt: selig wird und soll sein friedfärtig, der fluchs ein zäncker ist gewertig Kirchhof
wendunmuth 2, 172
lit. ver.; aber der Belial ein grober und unverschämter zancker ist J. Ayrer
process. juris 381;
sogar noch mit verbaler construction: der zänker mit sich selbst Thümmel
reise 1, 43; wahrhaftig! du hast mich aus einem spötter zum zänker gemacht. so sehr keife ich ohne die geringste ursache J. J. Schwabe
belustigungen 1, 125; wenn ich ein zänker wäre, so würde ich sie fragen, wie es zugegangen ist, dasz ich keine (
briefe) bekommen habe Klopstock
briefe 222
Lapp.; solche falsche hofleuth, die ... in worten zucker, im hertzen zancker seynd Abraham a S. Clara
Judas (1692) 3, 278;
seit der 2.
hälfte des 17.
jhs. häufig endreimend mit stänker: dasz offt die ärgsten zäncker und stäncker denen unschul digsten und frömsten leuten überlegen seyn Chr Weise
erznarren 22
ndr.; in den ruf eines zänckers und stänckers bringen J. Mattheson
kleine generalbaszschule (1735) 32;
in verbindung mit anderen ausdrücken für menschen mit ähnlichen charakterfehlern und anlagen: man gehet immer lieber mit ihm (
einem frommen manne) um als mit einem zänker und trunkenbold J.
M. Miller
predigten 1, 79; einen buhler, einen zäncker ... hat in dem man zu erkennen, den man kan versoffen nennen Logau
sinngedichte 209, 11
lit. ver.; wobei gebiete des öffentlichen oder privaten lebens als deren nährboden erscheinen: eben dieses (
die auferlegung einer geldstrafe) soll auch von den verläumbdern, schändern, schmähern und zänckern verstanden werden, wann sie gütlichen vergleich ... ausschlagen v. Hohberg
georgica curiosa aucta 3 (1715) 41
b; die männer, welche die ehre haben sollen, euch zu führen, dürfen keine breittreter sein, keine zänker und schwätzer, wie die fortschrittler!
F. Lassalle
ausgew. red. u. schr. 1, 132;
die eigenschaftsbedeutung wird durch ein adj. hervorgehoben: ein beschwerlicher zänker, der sich aus verwandtschaft zu allen grobheiten berechtiget glaubt Lessing 10, 196
M.; von unliebsamen mahnern: die propheten musten nova tores, newling, zäncker und lermenbläser heissen Dannhawer
catechismusmilch 4, 104; klaff' um staat und kirch', o zänker! lerm vermeid' ich stiller denker J. H. Vosz
sämtl. ged. (1802) 5, 275; Voltaire ist ein nickelhafter zänker Fr. Th. Vischer
altes und neues 3, 86; wie die alten philosophen ... durch ihre subtilen vernunftschlüsse ihre schüler nicht zu ... forschern der wahrheit, sondern zu zänkern machten: so macht ein solcher künstler die liebhaber ... zu eingebildeten, windigen virtuosen Sulzer
theorie d. schönen künste 4, 727;
von politischen widersachern, aufrührern: so ist das gantze landvolck gut, das uns keins wegs verlassen thut, sonder helffn uns die zancker dempffen J. Ayrer 2, 1017
Keller; dieses gantzn kriegs redleinführer, im volck die zäncker und auffrührer
ebda 1, 182; es fehlen hier nur noch der zänker und der liberale Lichtenberg
Hogarth. kupferst. 1, 98;
als zuname für Heinrich von Bayern, kaiser Ottos I. neffen, Riezler
gesch. Bayerns 1, 359;
auf das gelehrte leben bezogen: (
den titel der juristen) giebt man der ungelehrten schaar der zänker und der rabulisten Gottsched
ged. (1751) 1, 177; es finden sich unter den herren geistlichen ja solche ... miszgönstige und tadelsüchtige zäncker J. Rist
friedejauchz. Teutschland (1653)
vorber. (:) (:) 4
b. 22)
vom wechselseitigen streit mit worten, auch wohl mit einer thätlichen zugabe, nur im plur. möglich 2@aa)
von vorübergehenden geschehnissen: damit aber das fest nicht unterbrochen würde, stellte man gleich einen andern an die trommel und jagte die beiden zänker zum hause hinaus G. Forster
schr. 1, 331; die zänker machten bald grössern lerm als der orkan Pfeffel
poet. versuche 7, 119; itzt kömmt der bischof angefahren, hört im wagen den lärm, geht in ein nahes haus, und ruft die zänker vor Ramler
fabellese 3, 191; das lustspiel die verliebten zänker ist aus den neuesten werken des ruhmvollen dr. Goldoni ... übersetzt worden
sammlung von schauspielen Wien 1764—69
bd. 7,
vorbericht s. 5;
von thieren: nicht selten flattern zwei ... zänker ... in senkrechter richtung eine kleine strecke aufwärts, ehe eins nachgiebt (
von rothkehlchen) J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 1, 404. 2@bb)
eine neigung oder eigenschaft bezeichnend: dieses volk sind gute boxer, sie sind unruhige zänker, ... durch ihre ungestümen schlägereien und ihre händel berüchtigt Ritter
erdkunde 7, 734; lasz die sonne nicht im zorn bey den zänckern untergehen B. Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1 (1740) 34. 33)
in fach- und standessprachen: zänker
gendarm, zänkerer
polizeiwachmann H. Ostwald
rinnsteinsprache 169; zancker
ein schlagwerk zum eintreiben von pfählen Cgm 2941
f. 128 (Schmeller
2 2, 1137);
name der dachshunde: dem hunde den namen Zänkerle gegeben Auerbach
schatzk. 1, 183 (Fischer 6, 1041).
dazu das femininum zänkerin, zankerin (
wofür kölnisch und hessisch zänkersch[e]),
nur in der bedeutung zanksüchtige frauensperson, keifendes weib belegt, obwohl auch alle beim masculinum vorkommenden bedeutungen denkbar wären, vgl. z. b. man konnte die beiden zänkerinnen nicht von einander fernhalten.
zuerst bei H. Sachs 20, 137, 8
lit. ver. anzutreffen: (
sie) war ja eine stoltze zankerin;
die übrigen belege aus der schauspiellitteratur des 18.
jhs.: mich eine ... zänkerinn zu nennen! das geht zu weit!
theater der Deutschen 1768
ff. 14, 139; the taming of the shrew heiszt nicht die zahmgemachte zauberinn, sondern zänkerinn Gerstenberg
recens. (
d. lit.-denkm. 128) 44, 27; nie war ich böse, bin keineswegs geschickt zur zänkerin
Shakespeare 1, 244.