wüterisch,
adj. , '
grausam, wild, gewalttätig',
zu wüter.
etwas später und länger bezeugt als wüterig,
s. d. umlautlosigkeit und schreibung mit -tt-
bleiben vereinzelt. 11)
von tyrannischen herrschern und kriegerischen mächten: das der Turck ... seiner wutterischen art nach vill christenlichs bluts grymlich vergossen (
Wien 1522)
bei Diefenbach-Wülcker 910; der wütterische kayser Decius Neander
menschenspiegel (1560) 80; er (
könig Georg v. Böhmen) war zwar etwas ... verschlagen, aber doch nicht blutgierig noch wüterisch Rätel
Curaei chronica (1607) 183; und alsz die Hunnen ... insbesondere Thüringen wüterisch angefallen, hat der keiser ... jhnen nachgeeilet Peccenstein
theatrum Saxonicum (1608) 3, 202; anno 1441 schickte der grosz-Türck einen wüterischen, beynebens kriegserfahrnen bassa ... in Sibenbürgen, welcher daselbst nach art seiner tyrannischen dollsinnigkeit grausam gehaust Abr. a
s. Clara
auff, auff ihr christen (1683) 66
ndr. nur vereinzelt vom rücksichtslosen vorgehen aufrührerischer gruppen: ir wuterische auffruren seind zu letst so grausam worden das Johannes Husz irer sect erfinder nachmals ... verbrant ward H. Gholtz
lebendige bilder (1557) B 2
b.
fest sind wüterische tyrannei: wie er (
der papst) mit gewalt, zu erhalten ... seine grewel, viel unser lieben kinder ... mit ... allerley mörderischer und wüterische tyranney zubedrengen ... sich unter stehet (1535) Luther 38, 285
W.; denn jhr heslich wüterische tyrannei ist gegen den heiligen und der rechten christlichen kirchen J. Jonas
wilch die rechte kirche ist (1534) E 1
b. wüterischer weise: wenn er erzürnt, so braucht er seine macht und stercke also, das er alles tirannischer und wüterischer weise zureisset und zerknirschet
F. Rhot
Jesus Sirach (1587) 1, 85
a; das reich, welches er wühterischer weise den erben entnommen hatte Zesen
Sofonisbe (1647) 345.
in abgeleiteter, freierer verwendung: von dem (
Saturn) werden sie (
angehörige bestimmter berufe) geregiert, also dz sie eygennützig, wüterisch, gewinsüchtig sein werden Paracelsus
opera 2, 648
Huser; dasz der sehr wütrisch und verrucht, der lust bei grosser straffe sucht Haganäus
von unterweisung zum weltl. regiment (1599) 159; das er in sein eignes nest, wie er ehmals wühtrisch pflag, als bei Filomelen er, seiner frauen schwester, lag, selbsten stanck und unflaht trägt Ph. Zesen
Prirau (1680) 343. 22)
darüber hinaus in vielfacher übertragung: wer hatt yhe lesterlicher, gifftiger, hellischer, ketzrischer, wüttrischer, unsynniger wort gehört, denn die Emszer ausz seynem gifftigen hellrachen yn den hymel treybt unnd stinckt? Luther 7, 668
W; (
von den krampfadern: nach der heilung einer schwärenden wunde sollen) alle jahr etliche mal die varices geöffnet werden vnd die wüterischen adern in waden oder in knochen ... du solt auch ein gute auffmerckung haben, dieweil du heylest, wie die wüterischen adern sich erzeigen: sind sie faul, aussätzig, so lasz in der heylung öffnen Paracelsus
chirurg. bücher u. schr. 111
A Huser; o wüterisch zeit. o des erbärmlichen ... tags. o verfluchts glück ..., ausz was vrsach wilt du mich also ausztilgen? (1569)
Amadis 1, 227
lit. ver.; der kirschbaum, als der sturm so wüterisch gehandelt, hat seine grüne frucht in rothes blut verwandelt
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 2, 229
Neukirch; die wüterische tyranney des winters, welcher sonder gleichen, war selbst der sonnen ungehorsam, und wegerte sich, ihr zu weichen Brockes
ird. vergnügen (1721) 8, 344; wüthrische stürme E. v. Kleist
w. 1, 176
Sauer; nie wird mein leid versüszt, ich bin ein raub von wüterischen schmerzen Gentzkow
ged. (1771) 90.