wohnsitz,
m. ,
dauernder aufenthaltsort, domizil. stanza, domicilio Kramer
dict. (1700) 2, 824
a: wer sich an einem ort ständig niederläszt, begründet an diesem ort seinen wohnsitz
bürgerl. gesetzb. § 7; der wohnsitz einer person befindet sich an dem orte, wo sie sich mit der absicht dauernden verbleibens aufhält
Schweiz. ziv. gesetzb. art. 23.
der begriff der dauer ist im freien gebrauch relativ, vgl.: hier (
im waldhäuschen) nimmt der jäger sein nachtquartier, wenn ein später gang ihm die rückkehr nach seiner heimath nicht mehr erlaubt, oder er schlägt wohl auch für mehrere tage seinen wohnsitz dort auf H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 357; wandernde schauspielergesellschaften haben bald da, bald dort ihren aufenthalt ohne eigentlichen wohnsitz Weigand
synon. 1, 104. 11)
wohnsitz, stammsitz, residenz: an der Güntz liegt ein städtlein ..., vorzeiten der grafen von Güntz wohnsitz S. v. Birken
Donaustrand (1684) 52; der verwitibten gräfin wohnsitz oder leibgeding Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2517; von je her hielt es die familie so, dasz die neuen sprossen in dem wohnsitze des senioris familiae intabuliert wurden Hippel
kreuz- u. querzüge (1783) 1, 154; auf dem wohnsitze des herrn von Hohenauf Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 165; herr Jenkins ... bewohnte ... ein sehr stattliches gebäude, den ehemaligen wohnsitz des jesuitengenerals Göthe I 32, 119
W.; zur erhebung dieses geldes (
war) ein fester wohnsitz in Preuszen nothwendig Hoffmann v. Fallersleben
ges. w. 8, 13
Gerstenberg; bleibender wohnsitz O. Jahn
Mozart (1856) 2, 218; mit stolz wies man den gästen das ... land, die reichen wohnsitze und ortschaften G. Keller
ges. w. (1889) 5, 255.
als '
siedlungsgebiet',
meist pl.: sie streiften durch die wohnsitze eines reichen ... volkes A. v. Haller
Usong (1771) 13; Attila brach ... mit seinem volk aus ihren wohnsitzen auf J. P. Hebel
w. 2, 363
B.; die wohnsitze der Siculer K. O. Müller
die Etrusker (1828) 1, 57.
von der erde als wohnsitz der menschen: alles, was auf der oberfläche des planeten, dem wohnsitze des menschengeschlechts, abwechslung der formen ... erzeugt A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 317.
von göttern und geistern: (
es hatten) in einer nahangräntzenden höle die drei parcen ihren wohnsitz S. v. Birken
Pegnitzschäferei (1645) 47; die musen ... haben ... ihren wohnsitz auf universitäten Th. Abbt
verm. w. (1768) 4, 29; Herkules wird von Minerva nach dem wohnsitz der götter gebracht H. Meyer
gesch. d. bild. kunst (1824) 2, 20; J. H. Voss
Odyssee 103
B.; Solger
nachgelass. schr. (1826) 1, 41.
von tieren uud pflanzen im sinne von '
nest, lager, heimat': (
ein) eichenwald, in welchem ... ackerraben ihren horstenden wohnsitz zu haben pflegten E.
M. Arndt
s. w. 1 (1892) 9
R.-M.; Platen
w. 1, 258
H.; Naumann
vögel (1822) 1, 338; v. Sömmerring
menschl. körper (1839) 8, 1, 421; (
die alpenkugelblume) hat (
den) eigentlichen wohnsitz in den Alpen Schlechtendal
flora von Deutschland5 18, 75. 22)
übliche verbalverbindungen: Andreas Hofer hatte in der hofburg zu Innsbruck seinen wohnsitz aufgeschlagen Häusser
dtsche gesch. (1854) 3, 553; Göthe IV 35, 44
W.; Eichendorff
s. w. (1864) 2, 151; die schwedische königin ... hatte hier ... einst monatelang ihren wohnsitz genommen E.
M. Arndt
s. w. 1, 61
R.-M.; Ranke
s. w. (1867) 17, 179; Bennigsen
nationallib. partei (1892) 149; die Ubier hatten ... neue wohnsitze suchen müssen Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 23; den wohnsitz verlassen Göthe I 41, 1, 330
W.; Voigt
hwb. f. geschäftsführung (1807) 2, 548;
[] M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 39; den wohnsitz ändern H. Grimm
Michelangelo (1890) 2, 426; (
die mitteilung), dasz ich meinen wohnsitz definitiv aufgegeben hätte Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 441; Napoleon (
hatte) von ihm gefordert, seinen wohnsitz nach Paris zu verlegen Thomas Mann
Lotte in Weimar (1946) 188. 33)
in bildlicher verwendung für sitz, ort der wirksamkeit, besonders im 18.
jh. häufig: alle diese tugenden (
haben) in ihnen (
anrede) ihren wohnsitz genommen
Holberg dän. schaubühne (1743) 1, 150; bey ihm bleiben die eindrücke der leidenschaften nicht blosz auf der oberfläche, sondern dringen durch bis zum wohnsitze seiner vernunft Bode
M. Montaigne (1793) 1, 88; so ist der wohnsitz der tugend allein das innere der seele W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 64; (
die) herzenseinfalt, worin alles mächtige und göttliche seinen wohnsitz hat E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Dtschen (1845) 2, 359; Göthe I 37, 351
W.