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Westfalen

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Westfalen

Bd. 20, Sp. 558
Westfalen, ehemaliges Königreich (s. »Geschichtskarte von Deutschland V«), Vasallenstaat des franz. Kaiserreichs, von Napoleon I. dem Tilsiter Frieden gemäß durch Dekret vom 18. Aug. 1807 aus dem Herzogtum Braunschweig, Kurhessen (ohne Hanau, Schmalkalden und Nieder-Katzenelnbogen), den preußischen Gebietsteilen Altmark, Magdeburg, Halberstadt, Hohnstein, Hildesheim, Goslar, Quedlinburg, Eichsfeld, Mühlhausen, Nordhausen, Paderborn, Minden, Ravensberg, Münster und Stolberg-Wernigerode, den hannoverschen Gebieten Göttingen, Grubenhagen, den Harzdistrikten und Osnabrück, dem sächsischen Anteil an der Grafschaft Mansfeld und den sächsischen Ämtern Gommern, Querfurt, Barby und Treffurt, dem Gebiet von Korvei und der Grafschaft Kaunitz-Rietberg gebildet, im ganzen 37,883 qkm (688 QM.) mit fast 2 Mill. Einw. Napoleon I. gab das Königreich, dessen Einkünfte 9,250,000 Tlr. betrugen, und das zum Heere des Rheinbundes ein Kontingent von 25,000 Mann stellte, seinem jüngsten Bruder, Hieronymus (Jérôme, s. Bonaparte 4), der am 10. Dez. 1807 in seiner Residenz Kassel eintraf und dem Land eine vom 15. Nov. datierte, der französischen nachgebildete Verfassung verlieh. Die Reichsstände bestanden aus 100 Mitgliedern, nämlich 70 Vertretern des Grundeigentums, 15 der Kaufleute oder Fabrikanten und 15 des gelehrten Standes. Die Verfassung enthielt viele liberale Grundsätze und verhieß wichtige Reformen. Indes eine durchaus bureaukratische, von drei Franzosen (Jollivet, Siméon und Beugnot) geleitete Verwaltung organisierte das Land in kurzer Frist nach französischem Muster, und Napoleon schritt jederzeit aus polizeilichen oder militärischen Gründen nach Belieben ein. Die Hälfte aller Domänen behielt er sich zur Belohnung seiner Generale vor, und das Land mußte eine 12,500 Mann starke französische Besatzung in Magdeburg unterhalten. Außerdem waren noch bedeutende Reste der den einzelnen Provinzen auferlegten Kriegssteuer (35 Mill.) an Frankreich zu zahlen. Die Finanzlage des Königreichs war daher von Anfang an schlecht, und die beiden verdienstvollen deutschen Finanzminister v. Bülow und Malchus konnten bei den hohen Anforderungen nichts leisten. Die Reichsstände waren nur ein Schein; die Landeskultur lag danieder. Vor allem erregte den Unmut des Volkes das wüste Treiben des üppigen Hofes, an dem sich um den gutmütigen, aber schwachen und leichtsinnigen König unwürdige französische Abenteurer drängten, die das Volk aussogen. Kattes und Dörnbergs Unternehmen 1809 sowie Schills Streifzug, der Aufstand des hessischen Obersten Emmerich 24. Juni im Marburgischen und der Zug des Herzogs von Braunschweig zeigten, obwohl erfolglos, von der im Volke herrschenden Mißstimmung. Die Vereinigung des größten Teils von Hannover außer Lauenburg (14. Jan. 1810), wodurch dem Königreich W. 25,769 qkm (468 QM.) mit 647,000 Menschen zufielen, brachte diesem keinen Gewinn, denn Hannover war seit 1806 methodisch von den Franzosen ausgesogen. Ende 1810 ward alles Land zwischen der Nordsee und einer von dem Einfluß der Lippe in den Rhein zur Ems oberhalb Telgte, sodann zum Einfluß der Westfälischen Werre in die Weser und endlich zur Elbe oberhalb des Einflusses der Stecknitz in dieselbe gezogenen Linie mit Frankreich vereinigt, so daß W. von nun an nur 45,427 qkm (825 QM.) mit 2,065,970 Seelen enthielt. Dazu kam, daß W. die Verpflegung von noch 6000 Franzosen übernehmen und sein Rheinbundskontingent erhöhen mußte. 1813 mußten die Bewohner Westfalens die größten Opfer bringen, um das in Rußland vernichtete Heer und Armeematerial wieder neu herzustellen; die Todesstrafe wurde für jede Desertion und dreijährige Zwangsarbeit jedem widerspenstigen Konskribierten angedroht. Bereits im August ging ein Teil der westfälischen Reiterei an der böhmischen Grenze zu den Österreichern über. Schon 25. Sept. wurde Braunschweig von dem Marwitzschen Freikorps überfallen, Tschernyschew erschien 28. Sept. vor Kassel, während der König schnell flüchtete. Der General Alix kapitulierte 30. Sept., überließ die Stadt den Kosaken und zog mit der schwachen Besatzung ab. Tschernyschew erklärte 1. Okt. das Königreich für aufgelöst, zog aber am 3. wieder von Kassel ab und an die Elbe zurück, worauf Alix die Hauptstadt mit einigen Truppen wieder besetzte. Am 16. Okt. kam der König nach Kassel zurück, verließ aber 26. Okt. Residenz und Land auf immer. Das Königreich fiel auseinander. Vgl. Göcke, Das Königreich W. (vollendet von Ilgen, Düsseld. 1888); Kleinschmidt, Geschichte des Königreichs W. (Gotha 1893); Holzapfel, Das Königreich W. (Magdeb. 1895); Servières, L'Allemagne française sous Napoleon I. (Par. 1904).
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Westfalen

    Campe (1807–1813)

    Westfalen , — s , der Name 1) eines ehemahls zum Erzbisthum Kölln und zum niederrheinschen Kreise gehörenden Herzogthums…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Westfalen

    Goethe-Wörterbuch

    Westfalen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Westfalen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +5 Parallelbelege

    Westfalen , im frühesten Mittelalter der Theil des alten Herzogthums Sachsen zwischen Rhein und Weser, im Gegensatz zu d…

  4. modern
    Dialekt
    Westfalen

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Westfalen wie im Hd.: Rheinland un Westfalen Reut. 3, 371.

  5. Sprichwörter
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    Wander (Sprichwörter)

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Cotta, M. (2026). „westfalen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/westfalen/meyers
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Cotta, Marcel. „westfalen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/westfalen/meyers. Abgerufen 20. May 2026.
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Cotta, Marcel. „westfalen". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/westfalen/meyers.
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