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weinmonat

nhd. bis sprichw. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weinmonat m.

Bd. 28, Sp. 968
weinmonat, mond, m. oktober (th. 8, 1141. 1269). der zehnte monat führte in der karol. reihe den namen windumemânôth (von lat. vindemia): Einhard vita Caroli c. 29. für diesen halbfremden, nie wirklich eingebürgerten namen bieten Einhardhss. des 12./13. jahrh. winman, wynmanot, -monet: monum. Germ. hist., script. 2, 458. diese jüngeren formen bleiben dem sinn der karol. namengebung treu, insofern auch sie (entspr. Karls hewi-, aran-, witumânôth) den monat nach der ländlichen hauptarbeit nennen, die ihn beherrscht, nach traubenlese und weinkelterung. sonst fehlen wînmânôt u. ä. ahd., mhd. (trotz Lexer 3, 909) und mnd., sparsam ist die bezeugung von mnl. nl. wijnmaand, nfries. wynmoänne: Franck-v. Wijk 465; wynmaand Kramer königl. nider-hochdeutsch dict. (1749) 1, 518b; wiss. beih. z. zs. d. sprachv. 1, 103; J. Grimm gesch. d. dt. spr. (1868) 64. ganz vereinzelt bleibt westfäl. wynmaent Husemann spruchslg. (1575) B. franz. vendémiaire ist selbständige neuschöpfung, die slav. parallelen nsl. vinotok, serb. vinskimjasec Weinhold d. monatn. (1869) 60 liegen weit ab. 11) unser weinmonat wurzelt ohne erkennbaren zus.-hang mit älterer überlieferung in den maa. der obd. weingegenden. urk. zuerst Rottenburg 1397: in dem wînmônat monum. Hohenb. 781, lex. Nürnberg 1482: weinmon oder der ander herbstmon voc. theut. nn 5b. geschlossene belegreihen beginnen erst mit dem 16. jahrh., in Nürnberg 1500: in dem selben jar im weinmonet städtechr. 11, 627, in Basel 1508: (wenn die könige im kartenspiel den märz überstehen) werden sie ein rüwig leben haben bisz in winmon Gengenbach 162 Gödeke, in St. Gallen 1520: in dem volgenden jar im winmonat Kessler sabb. 64 Egli, in Regensburg 1531: im weinmonat Aventin 5, 113. 141, in Straszburg zufällig erst 1551: am ende des weinmonats Herr feldbau 16a. der damit umrissenen ältesten verbreitung entspricht die in heutiger ma.: elsäss. wįmyunet Mankel Münstert. (1883) 171; wímònət Martin-Lienhart 1, 691a, schweiz. wîmonet id. 4, 238, schwäb. weimonət Fischer 6, 624, südbair. wimɐt Bacher Lusern 229. auch in diesen maa. ist w. im absterben; in Baden gilt es nur noch im ostfränk. von Lindelbach b. Wertheim, bair.-österr. ist es tot. dabei war w. allein im kaiserl. Wien zu amtlicher geltung gelangt: Nicolai reise 3 (1784) 329, im übrigen bleibt es stets ein wort der kalender, chroniken und wörterbücher. 22) in der Lutherbibel kommt der oktober nicht vor, 1520/25 nennt ihn Luther weinmond: 17 i 76; 23, 509 W. sein sprachgebrauch greift ins ostfränk.: weinmon Schwarzenberg Cicero 151a, oberpfälz.: H. Sachs 4, 69 K. und rheinfränk.: weinmon Ryff sp. d. ges. (1544) 147b; weinmond Heyden Plin. (1565) 353; Gerstenberg chron. 315 Diemar. Luther mag vorbild sein für weinmon Bas. Faber thes. (Haina 1587) 560b; Gabr. Rollenhagen ind. reisen (1603) 26, weinmohnt Morhof unterr. 2 (1682) 147, vielleicht auch für den einzigen klassiker, der weinmond braucht: Wieland s. w. (1794) 9, 144 (noch nicht t. Merkur 1777 IV 97). andere bevorzugen die kurze form im zwang des verses: wir haben weinmond, lieben leute, und weil nicht immer weinmond ist, so sag ichs euch in versen heute, damit es keiner nicht vergiszt Novalis 1, 192 Minor; der weinmond naht so frisch und hell, er bringt uns hellen wein Schenkendorf ged. (1815) 102. Platen wechselt zwischen weinmond im vers und weinmonat in prosa: 2, 329. 3, 70 R. seit Arndt 1, 63. 3, 137 R. u. M.; Jahn 2, 460 und Rückert 2, 45 ist die kurze form nicht mehr belegt. 33) die beziehung des namens zum wein bleibt stets durchsichtig, die richtige deutung ist dennoch spät und selten: Carolus appellavit ... octobrem weinmonet, quod eo tempore vindemia fiat J. Limnäus capitulationes imperatorum (Straszb. 1651) 366; entspr. Zedler 54 (1747) 864; Adelung 4 (1801) 1460. früher und häufiger miszdeutet: der monat, in dem es neuen wein gibt: new weinmonat Paracelsus opera (1616) 2, 651 Huser; auch weinmonat a vindemia Wachter (1737) 1852 enthält eine miszdeutung. seit 1644 spielt der irrthum, Karl d. gr. habe den namen gegeben: als den januarium hat er genennet den wintermonat ... octobrem weinmonat Schill ehrenkr. 74, so noch Adelung und Campe. sittensatiriker der alten zeit umspielen die beziehung zum wein: dieweil im w. die sonn im scorpion ist, würd es manchem den magen vergifften, dasz er ausbrechen muosz Fischart prakt. 21 ndr.; im scorpionischen w. ... weinweihung dies. (1607) G 2a; unser jetziges leben ist ... ein immerwährendes wein-monath, aber nie kein christ-monath Abraham a s. Clara reimb dich (1691) 195; gleichwie in dem calender auff das wein-monath das wintermonath folget, also auff viles und ohngezämbtes weinsauffen gehet es gemainiglich kühl her Judas 1 (1686) 4; bey den schmieden ... hat kein monath mehrer tag als der w. etw. f. alle 1 (1699) 351. davon heben sich neuere anzüglichkeiten kennzeichnend ab: haben denn ... die strohköpfe droben den heurigen w. ... zum weinessigmonat (s. o.) versäuert? Jean Paul 20/23, 52 Hempel. 44) mit richtigem gefühl setzt ein württemb. geschichtl. lied von 1581 (vgl. Steiff-Mehring geschichtl. lieder u. spr. württembergs [1912] 437) october in die pros. überschrift, weinmonat in den vers. deutschgesinnte schriftsteller des 17. jahrh. begünstigen w.: Moscherosch ins. cura 27 ndr.; Harsdörfer frauenz.-gespr. 8 (1649) 125; Zesen verm. Helikon 2 (1656) 27; hel. rosent. (1669) 67; Stieler geh. Venus 4 ndr.; stammb. 1290. auch weiter spielt w. im kampf um deutsche monatnamen (Brenner zs. d. sprachv. 1898, 33) eine rolle: der weinmond? ja! nur noch vom weisen volke soll sich fortan der schöne mond oktobern lassen Klamer Schmidt poet. br. (1782) 129. Kinderling reinigk. (1795) 305 und Campe fremdwb. (1813) 444a. 603a setzen sich dafür ein, ebenso Arndt und Jahn (s. o.). schlieszlich hat doch Limnäus recht behalten: laudabilis Caroli diligentia, ad dignitatem linguae nostrae apprime faciens, per tyrannidem latinae linguae exclusa fuit, adeo, ut hodie vilissimi quique et nullam huius cognitionem habentes malint semilatinis et distortis verbis mensium nomina exprimere, quam pure germanicis capit. imp. 367. geschadet hat dem wort, dasz in groszen theilen des sprachgebiets die weinlese keine rolle spielt, und dasz in anderen schon zu ende september geherbstet wird. 55) von zus.-setzungen ist allein weinmonatstag wichtig, zuerst Zürich 1531: Liliencron hist. volksl. 4, 35. im 17. jahrh. mehrfach in daten: Neumark fortg. mus.-poet. lustw. 1, 222; ehrenweise 5; Lohenstein Arm. 1, 906b. im kanton Bern weinmonatssonntag J. Gotthelf 14, 81.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    WeinmonatDer

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Der Weinmonat , — es, Mz. — e , der Name desjenigen Monates, in welchen bei uns in der Regel die Weinernte oder Weinlese…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weinmonat

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Weinmonat , deutscher Monatsname, soviel wie Oktober.

  3. modern
    Dialekt
    Weinmonat

    Rheinisches Wb.

    Wein-monat -m:nt (s. S.) m.: 1. der Oktober Saarbg-Söst . As de W. warm on schün, kreien mer en scharfen Wanter hannend…

  4. Sprichwörter
    Weinmonat

    Wander (Sprichwörter)

    Weinmonat 1. Auf den Weinmonat folgt der Wintermonat. – Parömiakon, 4. Auf vieles ungezähmtes Weintrinken geht es gemein…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weinmonat

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Zerlegung von weinmonat 2 Komponenten

wein+monat

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Cotta, M. (2026). „weinmonat". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/weinmonat/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „weinmonat". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/weinmonat/dwb. Abgerufen 11. May 2026.
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Cotta, Marcel. „weinmonat". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/weinmonat/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_weinmonat_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„weinmonat"},
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