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weilchen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weilchen n.

Bd. 28, Sp. 787
weilchen, n. demin. zu weile f. mnl. wijlkijn, wijlken Verdam 693b. zuerst 1529: er lest sie eyn weylichen wachsen, dornach sturczt er sie Luther 29, 455 Weim., aber bis etwa 1800 selten und zunächst ganz auf die md. heimath des suffixes -chen beschränkt: Gilhusius gramm. (Frankf. 1597) 3, 75; Eyering prov. (Eisl. 1604) 3, 109; Chr. Reuter ehrl. frau (Leipzig. 1695) 16 neudr.; Gellert 1, 215. bei einem Nd. zuerst 1682: Morhof unterr. 1, 803, dann erst wider Voss Od. (1781) 8, 315; ged. 4 (1802) 43. die ersten Obd., die das Wort brauchen, sind H. L. Wagner Evchen Humbrecht (1779) 2, 3, und Blumauer ged. (1782) 136. von den klassikern pflegt allein Göthe das Wort: Weim. I 1, 20; 4, 209; 9, 232; 11, 210, seit ihm ist es bevorzugtes schrift- und dichterwort, begünstigt durch den reim auf veilchen: es war ein herzig's veilchen ... ach! denkt das veilchen, wär' ich nur die schönste blume der natur, ach, nur ein kleines weilchen I 1, 164 Weim.; ja! besingt im gras die veilchen und am bach die alten weiden, aber gönnt mir's noch ein weilchen, mich in rauher'n stoff zu kleiden Strachwitz ged. (1850) 168; das eis zergeht, der schnee zerrinnt, dann grünt es über ein weilchen Geibel 1 (1888) 52; entspr. Overbeck verm. ged. (1794) 198; R. Z. Becker mild. liederb. (1799) 17; G. Ph. Schmidt v. Lübeck (1810) bei Böhme volksth. lieder 25; Hoffmann v. Fallersleben 1, 177; Rückert ges. ged. 4 (1837) 290; Ebner-Eschenbach 1 (1893) 209. auch in ungebundener dichtersprache wird das wort von vorangehendem veilchen angezogen: da sind so viel veilchen, man steckt sie in den busen, sie duften ein weilchen B. v. Arnim frühl. 8. seit der klass. zeit ist weilchen auch bei Österreichern möglich: Stifter 5 i 25; Lenau 699 Barthel, häufiger bei Schweizern: U. Bräker 1 (1789) 9; 2, 188; G. Keller 2, 26; 3, 52; 4, 52. 219; 5, 198; 7, 22. hier kommt auch der sonst unbezeugte plur. vor: weisz der himmel, wie ich die weilchen dazu stehlen musz Bräker 2, 217. dem wenig jüngeren weillein (s. u.) ist weilchen weit überlegen, schon weil sich das stammauslautende l zu dem -chen-suffix geläufiger fügt. aus lebender mundart wird weilchen, weil es schriftdeutsch geworden ist, selten gemeldet: iwwer e weilche Askenasy Frankf. 40; wielche Hönig Köln. 201b; wîlkn Bauer-Collitz Wald. 112b. das Luthersche -i- der endung kehrt bis 1734 wider: weilichen Zesen rosenm. 31; Steinbach 2, 962. schreibung mit g ist bis 1781 bezeugt: weilgn Corvinus fons lat. (1646) 868; weiligen Prätorius Katzenv. G 3a; weilgen anthr. 1, 43; winterfl. 273; Weise überfl. ged. 78 neudr.; Grimmelshausen 4, 767 Keller; Cronegk samml. v. schausp. 2, 35; Meiszner Alcib. 1, 21. weilchen deminuiert weile in dessen bed. 'zeitabschnitt von unbestimmter länge'. 11) der sinn einer erstreckung in der zeit tritt klar zu tage bei der häufigsten gebrauchsform, dem acc. der zeit: sie (die leiche) war von stande: lauern wir ein weilchen, und geben acht Shakespeare 3, 334; ein weilchen geht's mit hartem muth, wie noth ihn und verzweiflung leiht Droste-Hülshoff 2, 49 Cotta; sie aber liesz, zur wohlverdienten busze der wanderlust, ein weilchen dort mich liegen Rückert 3, 127; als er ein weilchen fortgegangen war, fand er einen jagdhund auf dem wege liegen Grimm märchen nr. 27; er lauschte ein weilchen auf den im gebüsch verhallenden tritt seines ehemaligen dieners Holtei erz. schr. 3, 135; was will das fünklein geistigkeit in all dem bedeuten, das hier auf der erde ein weilchen glimmend um sein dasein gekämpft hat? P. Jäger schicksal der werte (1915) 8. hier überall wird die umschreibung 'kurze zeit' dem wort gerecht, andere male greift man besser zu der umschreibung 'für kurze zeit': lasz ... den wilden knaben ein weilchen in die fremde ziehn Pfeffel poet. vers. 8, 72; nun sprach er (A. v. Humboldt) fort im abgehen von zimmer zu zimmer, auf jeder schwelle ein weilchen stehen bleibend Laube 1 (1875) 334; sie erweisen uns eine liebenswürdigkeit, wenn sie ... ein weilchen mit unserer gesellschaft fürlieb nehmen wollten Th. Mann Buddenbrooks 1, 118. ironische färbung verlangt die umschreibung 'gehörige zeit': bis einmal der ganze weltlauf abgelaufen ist ... und das wird freilich noch ein weilchen dauern Hildebrand ged. über gott (1910) 372. früh steht ein weilchen in sätzen, die ein noch enthalten: ein w. will ich's noch mit ansehn F. L. Schröder d. wankelmüthige 3, 13; ein sünder, dem der spruch geschehn, geht, um das süsze licht ein weilchen länger noch zu sehn, zum tode sachter nicht Ramler fabellese 3, 131. die formel ein weilchen noch ist fest bei Bürger 280a Bohtz; Maler Müller 1 (1811) 106; Rückert 1, 40. die weit gröszere rolle spielt noch ein weilchen in versen: Hölty ged. 4 Halm; Gries Ariost 2, 376; Fouqué altsächs. bilders. 498; Grabbe 1, 297 Blumenthal; Mittler d. volksl. 657, aber auch in prosa: Schleiermacher weihnachtsf. 3; Schopenhauer 3, 379 Grisebach; Holtei erz. schr. 1, 32; Storm 1, 221. die kürze der zeitstrecke wird mit adv. betont: da fühlt man doch, und fühlt ihn ganz, zum wenigsten ein weilchen theater d. Deutschen 12 (1770) 246; alles dauert nur ein weilchen Maler Müller 1, 178. im sinn einer einschränkung steht meist auch attr. adj. vor dem acc. der zeit: nur noch ein w., ein einziges kleines w. lasz mich hier E. Th. A. Hoffmann 6, 205 Grisebach; wärst du nur ein klein w. später kommen B. v. Arnim dies buch 1, 105; ein kleines w. Mittler d. volksl. 184; ein kurzes w. Erlach volksl. d. Deutschen 3, 557, doch auch im sinn einer ausdehnung: sprach ich mit ihm ein ganz w. B. v. Arnim Günderode 2, 73; es währte ein ganzes w. Holtei erz. schr. 24, 48; es blieb ... noch ein gutes w. still G. Keller 2, 99. gel. kann man die umschreibung 'kurze zeit' vertauschen mit 'einstweilen': der erste schöne morgen ... kann nicht besser angefangt werden, als wenn ich ihnen ein weilchen was schreibe Knebel von u. an Herder 3, 9. wenn der damit mögliche bed.-wandel in Knebels ostfränk. ma. angebahnt ist, so erscheint er in Maler Müllers rheinfr. vollzogen: musz mir da 'n weilchen den klotz zum aufhämmern zurecht stellen ... hohlt 'n weilchen die nüss' 'runter! 1, 273; will euch bald dort einhohlen ... adjes ein weilchen 3, 10. 22) in freiem gebrauch kann w. acc.-object zu wechselnden verben sein und dann auch farbige, stimmende attr. erhalten: ich ... empfinde noch jedes selige w., das ich mit meinem Ännchen zubrachte Bräker 1 (1789) 70; er ist so gelassen, hat noch seine fröhlichen w. 2, 146; jener hatte in der einen schale kaum ein frohes w., in der andern lauter wehtage 2, 167. häufig ist verbindung mit warten: wir wollen nur erst ein w. abwarten Langbein 31, 108; warte nur ein w. H. v. Kleist 1, 79 E. Schmidt; entspr. Mörike 1, 260 Göschen. aus ihr erwächst die substantivierung warteinweilchen th. 13, 2124f., vgl. beiteinweil th. 1, 1403. wie bisher überall, so waltet der sinn einer erstreckung in der zeit auch in präp. verbindungen, nam. denen mit acc.: es wird nun eine grosze herrlichkeit seyn, du kanst auf ein w. zurückstehn müssen Caroline 2, 143 Waitz; da will ich den ring schon auf ein w. kriegen Brentano 5, 136, häufiger ist hier jedoch der sinn eines zeitlichen abstands: der frosch ... tauchte ... unter, sank hinab, und über ein w. kam er wieder herauf gerudert Grimm märchen nr. 1, der in den dativischen verbindungen vollends vorherrscht: kommen sie in einem w. in mein zimmer theater d. Deutschen 8 (1769) 135; ich weisz zwar wohl, fuhr er nach einem w. mit schmunzeln fort J. J. Engel 12, 33; nach einem w. kommt, von ihr nicht bemerkt ... Streckmann Hauptmann Rose Bernd 18.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    weilchenn.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    weilchen , n. demin. zu weile f. mnl. wijlkijn, wijlken Verdam 693 b . zuerst 1529: er lest sie eyn weylichen wachsen, d…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Weilchen

    Goethe-Wörterbuch

    Weilchen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weilchen

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Ableitung von weilchen

weil + -chen

weilchen leitet sich vom Lemma weil ab mit Suffix -chen.

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