wehne,
f. '
geschwulst',
ein nd. wort, zu trennen von hd. wahne '
fehlen des fleisches unter der haut' (
ahd. *wana, wanî)
oben 13, 648
f.,
vielmehr mit ags. wenn
m. f. '
impetigo, tumour' Bosworth-Toller 1190, Sweet 203,
mengl. wen '
verruca' Stratman 677,
engl. wen '
auswuchs, warze, überbein, knorren',
nl. wen
f. '
warze' Kramer (1759) 1, 2034,
wfläm. wan
m. '
kropf, auswuchs am baum' De Bo 1180,
mnd. wene
f. '
struma' Schiller-Lübben 5, 670, Lübben-Walther 572
aus wgerm. *wanja- Kluge-Lutz 224.
dies zum idg. stamme *ven '
verletzen',
zu dem als part. pass. got. wunds,
ags. asächs. nhd. wund
gehören Fick
4 3, 388
f. Feist 324.
was wehne
von diesen verwandten trennt, dasz es nicht die offene, sondern die geschwollene verletzung der haut bedeutet, vereinigt die verschiedenen gebrauchweisen des wortes unter sich. 11)
dabei scheidet sich ein gröszeres ostnd. gebiet von einem kleineren westlichen. in Lübeck setzt die überlieferung ein mit der glosse: struma, wene,
est in flacco corpore brevilogus von 1403
bei Schiller-Lübben 5, 670. '
beule, geschwulst'
in übertragenem sinne ist wehne
im 16.
jahrh. in Stralsund: verbinden sich Niclas und Johannes von der Werle, Wislaffen beizustehen, bis das er seine stat Stral-Sund widderkriege. Wislaff gesagt, der sund were eine bose wehne in seinem lande Kantzow
chronik von Pommern 184
anm. Gäbel. Wizlaw 3.
von Rügen † 1325,
sein krieg mit Stralsund endete 1317,
in die zeit vorher gehört das wort, wenn es authentisch ist. aus Kantzow
oder seiner quelle: folgendes ist gemelter Witzlaff ... mit seinen unterthanen, den strallsundischen, die er pflag eine böse wehne in seinem lande nennen, wegen jhrer privilegien, als wenn sie dieselbe nicht rechtmeszig solten von seinen vorfahren erlanget haben, in uneinigkeit gerathen Micrälius
altes Pommerl. (1640) 3, 371.
für Mecklenburg bucht Sanders 2 II 1457
c: wähne, wehne 'fleischiger oder schwieliger auswuchs, balg-, fettgeschwulst, überbein'
und kommt damit den altmärkischen gebrauchsweisen nahe: wn 'eine erhöhung, beule in der haut, überbein' Danneil 243.
hier überall ist wehne,
im eigentlichen oder übertragenen sinne, eine geschwulst am menschen. darüber hinaus weist im ostgebiet einzig eine volksmedicinische angabe aus Ruppin: hat ein vieh wenen, so nimmt man vor sonnenaufgang einen stein aus der dachtraufe, bestreicht den schaden dreimal kreuzweis und spricht ...
zs. des vereins für volksk. 8, 393. 22)
im westnd. ist zunächst möglich eine engere bedeutung '
gewächs am auge'.
wol für die alte grafschaft Mark gilt: wên '
kleines geschwür am auge' Woeste 320,
in jene gegend möchte man die notiz des gloss. latino-saxon. von 1420
setzen: egillopa en wene Diefenbach
gloss. 196
c,
dort mag der vielreisende Obersachse Bartisch
das wort gehört haben: wenns denn (
die wassergalle am auge) also harte wird, so nennet mans ein wehnen, grützknoten, oder atheroma, die gemeinen leute heiszens auch ein vberbein
augendienst (1583) 150
a. 33)
ins 17.
jahrh. reicht die bedeutung '
geschwulst am vieh'
zurück: niemant soll auch ein beist schlachten und verkaufen, welches eine wenne hat Krumbholtz
gewerbe der stadt Münster 200; ein scheues pferd ... so ein fusz verbellet, schwamm, wehnen, welches eine grüne ferse hat J.
F. Behamb
roszteuscherrecht (1715) 55
b.
woher der östreichische jurist diese bedeutung kennen mag, zeigt ihr heutiges gebiet: wiene 'warze bei pferden oder im holz' Jellinghaus
nd. corresp.-bl. 19, 51
aus Heepen bei Bielefeld; wiəne '
auswuchs, geschwulst an pferden und rindvieh' Woeste 323; win
e '
auswuchs an der bauchhaut des rindviehs' Bauer-Collitz
Waldeck 114;
vom vieh wol auch viənə 'harte fleischgeschwulst' Holthausen
Soester ma. § 60,
dort auch die erklärung des westf. iə
aus umlauts-e
in isolirten wortformen.