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wegzerren

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wegzerren

Bd. 27, Sp. 3069
wegzerren, gewaltsam wegziehen: wie derselbe ... ihm auch noch den mantel wegzerren wollte, rief er unwillig: ist's noch nicht genug? Scheffel Ekkeh. 214; ein böses altes weib ... hatte die Marischka gepackt und weggezerrt Fontane i, 4, 183. wegziehen. 11) trans. zur seite, zurück oder hinauf ziehen. 1@aa) etwas wegziehen z. b. etwas verhüllendes: kaum ist sein ach! entflogen, so wird in einem blitz ein vorhang weggezogen. Wieland 23, 231 (Oberon 11, 47, 8); ein heil'ger schleier, den die götter selbst nicht wegzuziehen wagen, liegt auf den geheimnissen des geisterreichs. 26, 69 (Alceste 5, 7); die sonne zieht den schleier vor ihm weg. Göthe 7, 247 Weim. ausg.; geöffnet war des himmels thor und jede hülle weggezogen. Uhland ged. (1898) 1, 315; nur einen einzigen blick! bat die maske dringend. Rosa zog ihre larve weg und sah den bittenden lächelnd an v. Eichendorff 2, 113. von körpertheilen: ziehen sie die hand nicht weg, graf Piccolomini. Schiller 12, 83 (Piccol. 1, 4); du freundliche Lisilis soll ich dich küssen, so zeug doch nicht das mündchen weg. Ch. Weise der grün. jugend überfl. ged. 33 neudr. ferner: meine kinder pflegten zuweilen unserer katze ein stück brod vorzuhalten und es wieder wegzuziehen, wenn sie darnach schnappte Gotthelf 5, 2; wie ich hinaussteigen wollte, war die leiter weggezogen Schiller 4, 221; so hat' inzwischen ihm die lose nymphen-schaar den scharff-gespitzten pfeil und aufgespannten bogen durch gantz geschwinde list entrückt und weggezogen. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 2, 54; im schachspiel: wenn dann der schwarze den angegriffnen laufer wegzieht Heinse 6, 320 Schüddekopf. mit localen best.: der edelmann ... hielt den anlauff dieses ... reuters auff, welcher ... das visir vom gesicht wegzog Prätorius Blockesberges verrichtung 353; da geschah ihm, als ob eine unsichtbare hand die seinige von der stirn wegzöge v. Holtei 20, 96; warum denn lieszest du noch deinen liebreitz fühlen, wenn du dein labsal mir zeuchst für dem munde weg? v. Lohenstein Agrippina 44; man verspricht offte einen freund zu erhöhen und zieht ihm doch inmittelst die leiter unter den füszen weg Winckler 2000 gutte gedancken D 8b; die ehe soll dem menschen einen boden unter die füsze geben, nicht den boden unter den füszen wegziehen Immermann Münchh.2 4, 109; eine hand, die ihm das kissen unterm kopfe wegzieht Gutzkow 4, 347. übertragen das auge, den geist wegziehen: ihr gewand ist so ... einfach schön, dasz es nicht das auge wegzieht von dem schönen seelenvollen kopfe G. Forster tagebücher 196 Leitzmann; so oft er in Joachimens zimmer die prospekte von Maienthal ... zu gesichte bekam: so zog er mitten im schmerzen das auge von ihnem mit einem seufzen weg J. Paul Hesp. 2, 194; der geist wird weggezogen unvermerkt vom einzelnen zum allgemeinen F. H. Jacobi 1, 258. geld wegziehen 'woher an sich ziehen': er wird indessen eine gute menge geldes hier wegziehen Lichtenberg briefe 1, 273; indem ich die aussicht habe nunmehro den rest meines vermögens von Frankfurt wegzuziehen Göthe briefe 28, 303. 1@bb) jemand wegziehen: siehe da rannt' Äneias mit schild und ragendem speer an, sorgend, ob weg ihm zögen den todten freund die Achaier. Voss Ilias 5, 298; bey gott! ich will den betrüger bey den haaren wegziehen, er macht die leute unglücklich Klinger 1, 117 (falsche spieler 2, 1). übertragen: tändeleien ... zogen ach! das leichte mädchen weg von hier. Herder 25, 337 Suphan; ein süszes zärtliches gurren zog mich von ihnen weg Fr. Müller 1, 84; Riemern wird man über kurz oder lang wegziehn (von Weimar) Göthe gespräche 2, 10 v. Biedermann. von heeresmassen: als ... die legionen von dem Rheinstrom weggezogen wurden Arndt schriften 2, 21; welchen zweck es haben sollte, die streitkräfte von Paris wegzuziehen Moltke 3, 152. 22) intrans. von einem orte sich nach einer richtung hin entfernen (besonders von der zurücklegung gröszerer entfernungen, peregre abire Stieler 2642) 2@aa) abscedere, wegezihen, -ziehin Diefenbach gl. 4; wanne her enweg zôch, sô was si betrubet mystiker 1, 244, 1 (Herm. v. Fritslar); da er wegzoch, fand in ein lewe auff dem wege und tödtet in 1.n. 13, 24; als er von im weggezogen war ein feldwegs auff dem lande 2.n. 5, 19; der könig ... brach auff, zoch weg, und keret wider heim Jes. 37, 37; da aber die feinde sahen, das Jonathas zur schlacht gerüst war, kam sie eine furcht an, das sie auffbrachen, und wegzogen 1. Macc. 12, 28; wann der gast am liebsten ist, soll er wegkziehen sprichw. (1548) 9a; doch wolte Medor nicht wegziehen von der stett', eh dann er seinen printz und herrn begraben hett. D. v. d. Werder ras. Roland 237. vom hirsch (vgl. v. Heppe wohlred. jäger 342a): die hirsche ... ziehen mit der nase auf dem boden weg, wie ein hund der suchet Döbel jägerpract. 1, 4. jetzt besonders für 'in einem zuge weggehen': man sieht während der musik soldaten über den hintergrund schnell wegziehen Schiller 13, 270 (jungf. v. Orl. 3, 6 bühnenanw.) 2@bb) vom dauernden verlassen eines ortes, wo man länger geweilt, einer stellung, die man innegehabt hat: das sie ettliche (prediger) unter yhn wegzuzihen vermaneten Luther 23, 342, 7 Weim. ausg.; welcher knecht ... ausz ehehafftiger ursachen begerte ab- oder wegzuziehen Fronsperger kriegsbuch 1, F 2a; da seyen die gesellen ungedultig worden und haben sich resolviret wegzuziehen Schupp schriften 298; ich hatte zu Königsberg einen guten bekanten, welcher zwantzig jahr daselbst ein student gewesen war. als er wegziehen wollen, hatte der magnificus zu ihm gesagt ... 788; itzt wohnt sie hier in diesem hause; allein auf Michael zieht sie weg Detharding bei Gottsched d. schaubühne 3, 282; (ich bin) schon oft auf den gedanken gekommen, so weit als möglich von hier wegzuziehen Wieland Lucian 1, 225; es stehet ein regenbogen wohl über jenem haus! sie aber ist weggezogen, und weit in das land hinaus. Göthe 1, 85 Weim. ausg. vom sterben: du (die verstorbene) zeuchst weg, wo ich jetzt bin, ich wo du bist, kumme hin. Logau 1, 8, 69 (s. 177 Eitner). vom jährlichen wegfliegen der vögel: der einige gott ... lehret die störche zur füglichen frist, die schwalben schon zeitiger und später, theils wegziehen, theils wiederkommen Prätorius winterflucht d. sommervögel vorr. B 6a; wenn aber der winter nahte, die kleinen vögel wegzogen, die wiese fahl wurde Freytag 17, 515 (bilder 1, 11). 2@cc) von den gestirnen und andern naturerscheinungen: ach die sonn' ist weggezogen. G. Keller 9, 59; nu beginnt mein glück zu blühen und der winter wegzuziehen. geharnschte Venus 64; dasz das gewitter über ihren kopf wegziehen kann, ohne sie zu beschädigen Bode Montaigne 5, 12; gab dabei zu verstehen, die oberste hand bedeute eigentlich den himmel, die andre hingegen die wolken, die darunter wegziehen G. Forster 2, 222. 33) refl. woher die richtung nach einem andern ort nehmen: er hatte ... sich von dort weggezogen und ... fluszaufwärts eine verdeckte stellung eingenommen Mommsen m. gesch. 2, 235; ey, ey, seit ein paar jahren ist so viel geräusch im garten, dasz die nachtigallen sich ganz weggezogen haben Kotzebue dram. werke 6, 10 (falsche schaam 1, 5). gern von unbelebtem: unter dem fusze des eilenden zog sich flüchtige dämmrung wallend weg (1748 hinweg). Klopstock Messias 1, 618; der lip verlúrt all sin kraft, und zúhet sich das bluot alles enweg S. Georgener prediger 99, 7; man kan auch schon zum voraus darauf bedacht seyn, gute furchen und gräben zu machen, damit es (das schneewasser) sich also von selbsten hernach dahin ableiten und aus den äckern wegziehen könne allg. haushaltlex. 1, a 1a; die jünglinge gingen bereits auf der schiefen fläche, die sich von dem platze wegzieht, empor Stifter 3, 260; damit nicht ... die leute mit untüchtiger wahre betrogen werden, auch die nahrung sich aus dem orte wegziehet Ch. Wolff vern. ged. v. d. gesellsch. leben (1725) 260; der handel zog sich (von Ancona) plötzlich weg Ranke 37, 281. auch nur für 'weggezogen werden': was zieht sich vor ein vorhang weg? ich seh den schauplatz später zeiten. Günther ged. 132; es hat sich vor meiner seele wie ein vorhang weggezogen Göthe 19, 75 Weim. ausg.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wégzèrren

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Wégzèrren , verb. regul. act. von einem Orte zerren.

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Komposita & Ableitungen mit wegzerren

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