weg(e)fahrt,
f. fahrt, reise. vom ahd. bis ins ältere nhd. üblich (
auch mndl. wegevaert Verdam 686
b): der heilant was giweigit fon dero wegeverti (
fatigatus ex itinere)
Tatian 87, 1; des dritten tages sich erbot deme gesinde groʒe not, da an ir wegeverte. dit waʒ ein wuste herte, ein unfruchtig durre lant.
Passional 29, 74
Hahn; ir dochter si bereite nach kintlicher zerte zu dirre wegeferte.
heil. Elisabeth 496
Rieger; sî nâmen golt und silber herte zuo der langen wegeverte.
bruder Philipp
Marienleben 2511
Rückert; passagium, wegwart (
l. -vart) Diefenbach
gl. 415
a; wegfart,
iter Dasypodius 453
a; swâ dî brûdere an ir wegeverte sîn
statuten d. d. ordens 50, 3
Perlbach; sô sie ûffe der wegeverte sint varende von steten zu steten 50, 23; ich kan uch yre wegefart nit benennen, dan sy riden des nachtes so vaste und sere ...
Huge Scheppel 55
e, 29
neudr.; ir solt nicht gold, noch silber, noch ertz in ewren gürteln haben, auch keine taschen zur wegfart (
εἰς ὁδόν)
Matth. 10, 10; er wirt trincken in seiner wegfart von dem wasserstrom Luther 1, 706, 37
Weim. ausg. (
ps. 110, 7,
in der bibel: auff dem wege); gold und silber nimm damit, dasz du keinen gebresten nit auff der wegfart msztest hon. Murner
Aeneis (1549) 14
a; will rüsten mich auff die wegfart, von disem volck gotloser art. H. Sachs 10, 226, 5
Keller; dein schiff das will ich dir begaben, was du auff die wegfart must haben. 12, 84, 5; dasz ich vor lengst verheiszen hab ein wegfart zum heiligen grab. 17, 112, 10
var. (
text: walfart); ich dacht: wes leg ich mirs so hart, dasz ich nit rhw auff der wegfahrt (
wanderschaft). 17, 337, 12; drum zeig mir deine wegfart an, vileicht machstu ein gferten han an mir auff ettlich tag und zeit. Thurneiszer
erklärung d. archidoxen 60; alle ding zuo der wegfart gerüst Schaidenraiszer
Odyssea 8
b; sein wegfart oder reys von Nimeck ghen Marpurg Alberus
widder Jörg Witzeln Mammeluken H 3
b; itinerarien, die wegfert beschreiben S. Münster
cosmographia vorr. 8; wie ich nun vermeinte, dasz es genug wär ... rüste ich mich wieder zur wegfahrt v. Schweinichen
denkwürd. 124; ein becher, darin fünfferley bey einander waren, nenneten sie auff ihre sprach pentaploon, die fünffgefüllete wegefahrt Spangenberg
anm. weiszheit lustg. 134.
übertragen von den sternen: denn die kometen lauffen, weder bei dem eingange ihrer trajection oder wegfahrt, noch bei dem ende, am schnellsten Francisci
das eröffnete lust-haus (1676) 1270.
vom menschlichen leben: ein kluger und verständiger mann bereit ihm zum leben, gleich als zu einer wegfahrt, nicht köstliche zehrung, sondern was am meisten nohtwendig ist. Lehman (1662) 4, 186; dieses ist also auch das geistliche itinerarium, die geistliche wall- und wegfahrt Dannhawer
catechismusmilch 4, 123.
im folg. ist die bed. '
viaticum'
entwickelt, vgl. wegfertigung: damit wir ausz disem ellenden leben ein rechte gute zerung und wegfart mit uns davon bringen Huberinus
mancherlei form zu predigen (1557) 156
a; dise lebendige speisz (
sakrament) ... sey mir auch ain wegfart in dissem jamertal Keisersberg
granatapfel E 8
d. wegfahrt
kommt im 17.
jahrh. auszer gebrauch und verschwindet in den wörterbüchern (Stieler 409
hat es noch als wegefart,
iter, peregrinatio),
doch liesz das vorkommen bei Luther
das wort nicht ganz veralten (Kinderling
reinigkeit d. d. spr. 142
empfiehlt es für passage): fand ... den Euphrat so breit aber seicht, dasz sie arabische piloten zur wegfahrt gebrauchten Ritter
erdkunde 11, 693; der herzog Lumbus lärmte und sang unaufhörlich bei der wegfahrt (
zug der auswanderer) Auerbach 18, 266; brüder (
des ordens) auf der wegefahrt sollen gutes beispiel geben; herbergen von bösem leumund sollen sie meiden Freytag 18, 186 (
bilder 2, i, 6); doch ihre wegefahrt, gespräch und thaten will ich euch erst im nächsten sang verrathen. Regis
Bojardo's verliebter Roland 108.
bergmännisch '
fahrstrecke': alle bergwerke ... sammt allen ... andern hochheiten, wasserflüssen ... wegfahrten und andern zugehörigkeiten Schwappach
handb. d. forst- u. jagdgesch. 1, 488
anm. 13. —