watsack,
m. sack oder behältnisz für kleider und anderes, das man auf die reise mitnimmt, felleisen, auf dem rücken getragen oder zu pferd oder wagen mitgeführt. mhd. wâtsac,
entsprechend mnd. wâtsac Schiller-Lübben 5, 617,
ndrhein. waitsack
Teuthonista 180
a Verdam, ndl. waedsack, waetsack Kilian 644,
aus dem nd. entlehnt dän. vadsæk,
ält. schwed. vtsäck.
das wort tritt seit dem 13.
jahrh. auf (
daneben steht das auf wâtsac
zurückgehende, aber in der bedeutung differenzirte wätschger,
s. d., und das lautlich anklingende obd. weidsack
s. th. 14, i, 620):
mantica, watsac Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 326, 19 (14.
jahrh.). Diefenbach
gl. 84
a bulga, 127
e clitella, 244
b forulus, 347
e mantica, 506
a saccina, 507
b sagma, 512
a saramantica, 512
b sarcina, 520
b scortea, 618
c vidulum, 632
b vulga, nov. gl. 323
a saccina, 324
a sagma, 326
b saramantica, 377
a vas, watsack, wautsack, wotsack, waetsack, waitsack, watsag, watzac, waitsag, wadsack, wadtsack,
vereinzelt wassack, wandsack;
bulga, vulga, hippopera i. equestris capsa, wetschger, watsack Alberus
dict. d 3
b;
hippopera, ein mallen oder bulgen, waatsack Frisius 630
a (
darnach Maaler 479
a);
ascopera ... mantica seu pera viatoria, ein watsack, satteltaschen oder groszer wetzschker B. Faber
thes. (1587) 85;
angeführt ferner bei Emmelius
ncl. 338. Golius
onom. 200 (
neben weidsack). Calepinus 866
b. 1577
a. Zehner
ncl. (1622) 483. Hulsius 273
b und in allen späteren wörterbüchern (
als wadsack
bei Corvinus, Stieler, Dentzler, Ludwig, Kirsch, Frisch); Nieremberger
gibt wadsack
das zeichen des veralteten, doch führt noch Adelung watsack
ohne einschränkung an, wenn auch in den meisten gegenden felleisen
üblicher sei, erst Campe
bezeichnet es als dialektisch; si vurent zwene wa(t)secke rich.
fyrol u. Fridebrant E,
zeitschr. f. d. alt. 1, 17; manic soumschrîn wart zeslagen und genomen, swaʒ darinne lac, manic wolberâten wâtsac wart genomen dâ von in. Ottokar
reimchron. 17126
Seemüller; wâtseck, bulgen, soumschrî
n. 88440; futervaʒ, watsecke, darin man cleider stecke. König vom Odenwalde 6, 105
Schröder; da man ir watsach entpant, zuhant do man den copf da vant.
Passional 224, 2
Hahn; und zway schon kamelein, dar auff lag sawmschrein, watseck und veleszlein. H. v. Neustadt
Apollonius 433
Singer; silber und goldes nam er gnuog, in einen wotsag er daʒ truog. Kistener
Jakobsbrüder 1002
Euling; der bruoder wust uff zuo handt und zoch im den wotsack ab. Gengenbach 242, 425
Gödeke; durch sie sach ich wol einher-reitten in schwartz bekleidt etlich mit tecken, etlich mit velis und watsecken. H. Sachs 16, 429, 19
Götze; herein, wer stiffl und schuch pedarff! die kan ich machen guet und scharff, püchsn, armprost-halfter und watseck. 23, 285, 17; ins münichs kamer kamens paid und funden offen sein watsack, darin ein klaines ledlein stack.
fab. u. schwänke 3, 117, 21
Götze-Drescher; wirt, gang hin, bring mir min wotsack! Wickram 5, 218, 1897 (
verlorene sohn 3, 8)
Bolte; dann heiligs geists kein mangel isz bein vätern in conciliis, weil der von Rom in auff der post in watsecken kompt zugetroszt. Kirchhof
wendunm. 1, 471
Österley; der kauffman ein watsack verlor, darinn ein tausend gülden war. Eyering
prov. copia 1, 736; wir setzen ouch, swâ die brûdere werden gesant ûʒ den hûseren, daʒ der trapîr ir wâtsecke besehe unde in gebe zu eime halben jâre
statuten des deutschen ordens 141, 29
Perlbach; ouch ensal keyn unsir dyner, her sij weppener odir schutze, mit weme odir wo her gesant wirt, phlaschen odir watsag fure
rathsgesetzgebung v. Mühlhausen 137
Lambert; er (
der probst) sol ouch mit ime bringen einen knecht, der sinen watsack frt
weisth. 4, 25 (
Elsasz 1354); ouch welch knecht wandirt in vremde stete, treyt der echt in syme wotsake, dem sullen dy meyster syne wotsake ufbinden und besehen, was in deme sacke ist
Breslauer urkundenbuch 1, 228, 9 (1361)
Korn; dem sateler, daʒ he hot gebessirt eynen watzag
cod. dipl. Lusat. sup. 3, 619, 21 (
Görlitz 1410); die ross warend alle verdekt mit rotem tuoch, dero achti geladen waren mit watsecken U. v. Richental
chronik des Constanzer concils 26
Buck; so
m. gn. h. uber landt zohe gen Rome, so soll seine gnade verboden die hoeber, die sollent ihme stellen ein bonden ochssen, das er ime sein fellentz druege oder watsackh
weisth. 2, 450 (
Untermosel, Carden 1462); David der liesz die vasz die er hätt gebracht under die hand des htters czuo den wautsecken (vassen Mentel, gefesz Luther) Zainers
bibel, 1. kön. 17, 22; die weil sy bey dem fest warn, hatt er ire pulgen und watseck ersuocht
Fortunatus 51
neudr.; wie man allen blunder in ein watsack stoszt, wenn man geen baden faren wil Keisersberg
brösamlin (1517) 1, 25
d; wenn aber wir sollend zuom baden faren ..., do mszen wir einn mantel haben, do ein wandelrock, do ein wotsack, oder wetscher, und ein feurgezeügk dorinn
postill 1, 28
a; noch kommt er ... andere seelig zu machen, hat viel ablasz bei sich geschürzet und läszt ihm watsäcke und gepäcke voll facultät nachführen Hutten 5, 338
Münch; nement keinen watsack mit eüch uff den weg, auch nit zwey cleid, schuoch, noch ein stecken, dann der arbeiter ist wirdig seins lones
new Karsthans (1521) A 4
a; was bringen wyr dem man? denn das brod ist dahyn aus unszerm wadsack Luther
1. Sam. 9, 7
in der Zerbster hs. (
bibel 1, 49
Weim. ausg.),
in der gedruckten bibel bei H. Lufft: aus unserm sack,
aber Züricher bibel: aus unserem waatsack; hatt er an dem end bevolhen seinen dienern die ... cleineter herausz ausz den wetsecken und schranen zethuond Boner
Herodot 54
a (1535); darnach reiten zween mit des papsts valensen oder watsäcken Linck v. Colditz
papsts gepreng H 1; gleich als wann eines herren underthanen kurtz und unversehenlich angesagt würde ein grosze reis zuthuon, sie sorgfältig und betrübet sind, die gerädt, bündtel und wadtsecke eilendt zuorichten
Petrarche trostbücher 207
b; ir wotseckh und alles so an pferdten wasz samet Widmanns
Regensburger chronik, städtechron. 15, 300; eins abendts (
sie) zwey rossz namen, zwen watseck vol stroh darauff legten und zuo der statt auszritten Lindener
rastbüchlein 38
Lichtenstein; wie solt man ihnen (
den gartknechten) geben, da sie vor hin alle löcher und wadsäcke voll haben
theatrum diabolorum 2, 187
b; die wurden alle erschlagen, die schlitten mit den wathsecken und allem gerethe weggenommen Schütz
Preuszen 74
b; die andern (
weiber) ... seyndt mit watsäcken, mänteln, tüchern ... auch allerley plunder beladen Kirchhof
milit. discipl. 115; sie tragen ein läderen fell oder watsack uber die schultern, uber ihrem arm hangendt, darin sie ire kost haben
M. Quad
enchiridion cosmographicum (1604) 46; so seind die auszgefülleten schultern trefflich excellent gut ein carbiner-rohr oder helleparte darauff zu legen und zu tragen, oder den wadsack oder freszbeutel dran zu hengen J. Sommer
ethographia mundi 1 E 8
a; ich wil sie dir in deinen wadsack oder taschen stecken
engl. comedien u. tragedien (1624) T A 3
b; ein wadtsack oder felleisen 4 bis 5 mr.
corpus constit. prutenicarum 2, 143 (
taxe der sattler in Insterburg 1634); andere habens gar in eines Holländers gäuckel-tasche oder wadsacke gefunden und ertappet Mengering
gewissens-recht (1653) 252; wir hatten jeglicher einen rentzel oder watsack hinten auffs pferd gebunden, worin wir unser proviant führeten Olearius
oriental. reisebeschr. 116; mein schwerdt, dasz ich im munde führe, sol mir in der rückreise einen watsack voller duplonen erworben haben Ch. Weise
polit. redner 311; mir ist der wadsack auch nicht leicht zu tragen
Fuchsmundi 272, 25
neudr.; seine reisebedürfnisse waren sehr mäszig; sie bestanden in nichts weiter als in einem handfesten wanderstabe und einem dichten wadsack Musäus
volksmährchen 5 (1805) 242.
übertragen wird watsack
von einem dicken bauch gebraucht: sehet, dieser (
dicke mann) führet sein felles oder watsack vor ihm, andere ... führens hinder ihnen Kirchhof
wendunmuth 2, 111; Gastro wo er geht und steht, trägt den watsack für sich her; ob er gleich nun strutzend voll, nimmer oder selten leer, hab' ich doch noch nie gehört, dasz ihn etwa ein soldat, wann er gleich wo auszgelegt, je, wie brauch, geplundert hat. Logau 1, 177, 48 (
s. 172
Eitner).
vom körper überhaupt: ein langer ungeheurer kerle ist ein inutile terra pondus, je mehr er fleisch und blut im wadsacke führet, desto mehr unvollkommenheit hat er bey sich Ch. Weise
kl. leute (1675) 44.
vom dickbäuchigen selbst: ich habe allezeit gedacht, wenn ich dich gesehen habe, ich wolte, das der teuffel diesen dicken wathsack weg führete Heinr. Jul. v. Braunschweig 50
Holland (
Susanna 2, 1).
jetzt in Preuszen Frischbier 2, 452.
in der medizin des 16.
jahrh. '
das grosze, den magen und dünndarm mehrerer thiere wie ein sack überziehende netz' Hyrtl
kunstworte der anatomie 156.
beim damespiel: vue besace, un bissac, ein watsack, eine lucke,
bisaccia, mantica, c'est quand on peut prendre de deux costés Duez
nomencl. (1652) 162.
in redensarten tritt watsack
früher öfter auf: fremde sünde künne wir durch gründen: blint sî wir leider gein unsern sünden; der wâtsecke heiʒe wir vür uns binden: an unser grîfe wir selten hinden. Hugo v. Trimberg
Renner 14345
Ehrismann; wie vil ich sich, hör, sing und sag, den lauff der welte strieme, so ist recht an dem jüngsten tag ain watsack als ain rieme, ain glogghaus gilt ain essichkrueg. Oswald v. Wolkenstein 63, 220 (
s. 159)
Schatz; erkenn dich selbs. zih dich selbs bei der nasen. riech dir selbs inn busen. gang inn dein aigen herzkämmerlin. guck inn dein hindern wotsack. urtail dich selbs, so richt dich niman Fischart
pod. trostb. 43, 8
Hauffen; ein zweiffelhaffte red ist wie ein watsack und oraculisch auff alle sättel gerecht Lehman
florileg. (1662) 2, 954; groszer herren mahlzeiten schmecken ja wohl lieblich, aber viel lieblicher und sicherer ist, die brocken aus seinem eigenen wadsack oder rentzel gegessen
pers. rosenth. 105 (8, 110).
das wort scheint jetzt fast überall veraltet oder doch nur in bestimmten, nicht mehr recht verstandenen wendungen üblich zu sein. im östlichen Mitteldeutschland, auf welche gegend die letzten litterarischen belege (Olearius, Weise, Stranitzky, Musäus)
weisen, ist es nicht mehr im gebrauch. Bernd 345
führt es noch aus Posen und Frischbier 2, 454
aus Preuszen an. in Pommern hatte man im 18.
jahrh. die redensart dat klēd sitt as ēn wadsack '
ist zu weit' Dähnert 534.
in Mecklenburg heiszt es von der katze: vör as 'ne knüggel, hinnen as'n süggel, midden as'n waatsack Wossidlo
meckl. volksüberl. 1, 103 (
nr. 237
b).
in Hessen ist wodsack
nach Vilmar 459
bis etwa 1820
gebräuchlich gewesen. aus Baiern führt Schmeller 2, 1047
noch die wendung i brauchət e~n wàdsàk voll dint'n
aus einem neueren volkslied an. am festesten haftet das wort in der Schweiz, vgl. idiot. 7, 646 (
mit belegen vom 13.
bis 19.
jahrh.),
wo daneben wartsack,
doch ist es auch hier in den meisten gegenden auszer gebrauch gekommen (Hunziker 286 '
sack den die landleute tragen, wenn sie zu markt gehen').