warner,
m. nomen agentis zu warnen,
im mhd. und ältern nhd. auch mit der nebenform werner (Herm. v. Sachsenheim
mörin 1342. 1457.
oberrhein. stadtrechte 1, 36. Knapp
die zenten des hochstifts Würzburg 1, 1, 656.
weisth. 3, 523.
weisth. der Rheinprovinz 1, 1, 294),
die aber nicht in den wörterbüchern angeführt wird. 11)
zu sich warnen '
sich hüten'
gehört nur warner
in dem sprichwort: warners haus steht am längsten Albrecht
fluchspiegel 31; wol dem der trewe warnung annimpt, denn warners hause stehet am lengsten Mathesius
Sarepta (1571) 153
b; man sagt im sprichwort und ist wahr: das warners hausz steht hundert jahr und lenger als eins sichern thut, der alls veracht mit stoltzem muth.
geschichtl. volksdichtung Braunschweigs (1606),
zeitschrift des Harzvereins 35, 68. 22)
auf warnen '
beschützen, bewahren'
führt zurück: munientor (
l. munitor?), warner Diefenbach
gl. 371
c. 33)
sonst schlieszt es sich an warnen '
zu etwas ermahnen, auf etwas hinweisen'
an: warner, maner, der einem ernstlich obligt und in treybt etwas zethuon,
monitor, admonitor, cautor Maaler 484
d;
pausarius, ein warner oder anzeiger desz aufhörens, einer so die ruoderknecht warnet, es seye mit worten oder deütung, wenn sy an söllend ziehen oder aufhören Frisius 960
b; der (
Marner) was maniges warner.
minnesinger 3, 53
b Hagen; ich weisz mich nit so gescheid noch so scharpffsinnig zu sein: aber Chremes, mein gehilff, mein warner und wegweiser, übertrifft mich in dem Boltz
Terenz deutsch (1539) 82
b (
Hautontim. 5, 1,
v. 875).
überwiegend (
in der neueren sprache ausschlieszlich)
mit hinblick auf eine zu vermeidende gefahr: warner, der ein anderen vor gefaar warnet oder anzeigt gefaar und schaden zevermeyden oder fürzekommen,
cautor alieni periculi Maaler 484
d; nu ist got der warner, der allen künftigen schaden waisz ..., der warnet uns getrewlichen Marcus v.
d. Lindauwe
buch der zehen gepot (1483) 52
a; yetz verstand ich an dinen worten, das du ain getrüwer warner bist
buch der beispiele 26; des Petri buszprediger und warner schwerer sünden G. Treuer
deutscher Dädalus 1, 809; propheten waren ... oft eiferer für die ehre gottes, strafer der laster an land und leuten, warner! aufmunterer! tröster! Herder 7, 185
Suphan; nach der altdeutschen sage ist der treue Eckart der warner, der vor dem wütenden heere voranschreitet
F. L. Jahn
werke 1, 428; thörichte ankläger und warner, ja verbrecher gegen euer volk, die ihr den königen und herrschern vor ihm bange macht Arndt
schriften 1, 349; was mir den scharfen warner, den einschneidenden strafredner, den unerschrockenen propheten von damals besonders ehrwürdig macht Immermann I, 1, 26
Koch; indem die briganten ... in dem landmann ... einen nachsichtigen warner und hehler fanden v. Gaudy
werke 13, 117; in Parmenion war er gewohnt einen steten warner zu haben Droysen
gesch. Alexanders d. gr. 29; der ton, in welchem er redete, glich dem eines greisen warners, der junge verirrte von einem verderblichen vorhaben abmahnt v. Moltke
schriften 1, 59; er hoffte um so sicherer, über die flüsterer und warner, die am hofe umherschlichen, noch den sieg davonzutragen Treitschke
d. gesch. 3, 98; dann erheb' aus dunkelheiten dich, ein warner in gefahr, geist des hügels! uns zu deuten, was Germanien einst war. Matthisson
schriften 3, 63.
auch der in einem bestimmten fall eine warnung ausspricht: ein hunnischer reiter ... raunte ihm leise, aber auf gut schwäbisch ins ohr: landsmann, ich thät' knieen an deiner stell', es sind gar lebensgefährliche leut. der warner hiesz eigentlich Snewelin und war von Ellwangen Scheffel
Ekkeh. 191. mein warner,
der mich warnt: und spricht, man thuo ims als zuo leit, was man im zuo guotem seit, und wil syn warner nun erstechen. Murner
narrenbeschw. 85, 23; wer wird ... wenn du fehlst, dein warner sein? Gellert 2, 42; ich hatte dich gewarnt, und jeder mensch hat seinen warner Herder 18, 377
Suphan; sein rathgeber in handlungen, und sein warner in gefahren Meiszner
Alcibiades 1, 163; du höhnst deinen warner? Schiller 3, 136 (
Fiesko 5, 1).
von thieren: dieser vogel (
der austernfischer) ... ist andern ... strandvögeln ein warner Naumann
vögel 7, 348.
übertragen von abstracten und concreten: schliech mir der teufel nach mit list und wolte mich belauren, alsdenn dein wort mein warner ist, mein schirm und feste mauren. Neumark
poet. u. mus. lustw. 11; lebensbeschreibungen wie Laukharts
u. a., die was zu ihrer zeit auf akademien als lebensweise galt unverhohlen sagen, sind die nützlichsten wecker und warner Herder 20, 378
Suphan; so ist unserm physischen leben an dem selbsterhaltungstriebe ein wachsamer hüter, diesem triebe aber an dem schmerz ein warner gegeben worden Schiller 10, 128; die sinnlichen gefühle ... sind für unsere organischen stimmungen die unmittelbaren werthbeurtheiler, sie sind als wächter und warner bei jenen vorgängen zu treuem beistande uns zugesellt Fichte
psychologie 1, 317; schien jener riesenthurm, selbst abgetragen, ein stummer warner, damals nicht zu sagen: Wien, blick' um dich! sieh deines schaffens spur! du wolltest bauen und zerstörtest nur! Halm 7, 137; die weisesten männer setzen sein goldenes bild (
des hahnen) hoch auf die spitzen der thürme über das kreuz, dasz bei dem wächter wohne der warner und wächter Brentano 5, 88; an bord ist in solchem falle auch der barometer ein vortrefflicher warner Gerstäcker
reisen2 1, 22. 44)
besondere bedeutungen. 4@aa)
im 14.
jahrh. kommt warner
als '
kundschafter'
vor: im widirlîf ein heidin, der ê was sîn warnêre, im saginde sus mêre in warnunge gewisse.
N. v. Jeroschin 16287
Strehlke. 4@bb)
im minnelied, der die liebenden beim nächtlichen zusammensein warnt: es nahent gen des tages glanz. frau, ich solt luegen auff mein schanz, das ich den warner nicht versaum, der uns ie was mit treuen. O. v. Wolkenstein 11, 43
Schatz. 4@cc)
im rechtswesen (
vgl. Haltaus 2039): warner, des gesatzes berichte leut, so allwägen kondtend den redneren ein bericht gäben was zuo ir sach dienete,
monitores Maaler 484
b; daʒ doselbst für uns kome in gerichte der erwirdig her Örtwin abbt und archidyacon zu Kempnitz ... und begert durch sinen fürsprechen als des hofgerichts recht ist, wann er ein geistlich fürst wer und ouch sin regalia und lehen von unserm herren dem kunig empfangen het, daʒ man im einen warner gebe, der bii im stünde
urkundenbuch der stadt Chemnitz 76, 11 (1420)
Ermisch; und hette einer am gerichte zu thun, das ere oder erbeguttere anrurt, der mag mit urlaube eins richters ein lusamer und ein werner haben, die mogen ine warnen uber stille und uber laude; desglichen mag der antworter auch haben
oberrhein. stadtrechte 1, 36 (
Wertheim 1466); Arnold vom Loo als procurator begert (
vor dem kaiserl. gericht) stewrer und warner, die ime nemlich graf Albig von Sulcz zu warner, und doctor Jarigen Hesslern zu steurern und lesern (
l. losern?) geschafft und gegeben wurden
monumenta Habsburgica 1, 434 (
nr. 154)
Chmel; welcher procurator als redner, lüszner, warner oder der selbstsacher ... den (
procesz) ungeverlich oder aus unverstand ein wenig ubertrit Knapp
die zenten des hochstifts Würzburg 2, 366 (1525); der kleger hat den zentgreffen gebeten umb einen fursprechen und umb einen werner 1, 1, 656 (
Karlstadt 1575); ein schultesz sal sitzen bey einem zentgreffen tzu Rienek an den gerichten daselbst als eyn werner oder losener. so der zentgraf vergeszlich wurde eyner oder merer gerechtigkeit der hern, sol der schultesz ine daran innern und gemanen
weisth. 3, 523 (
Rieneck); wann einer ... etwas übersehen, sich vor losern und warnern nicht hüten wolt Ayrer
proc. 2, 12; runer und warner sol er (
der angeklagte) houn und publicus an sinem raut, sid er aun all sin frund hie staut. H. v. Sachsenheim
Mörin 1182
Martin; diser man haut noch sin runer werner nicht, als im ertailt ist von gericht, und ettlich me zuo sinem raut. 1457. 4@dd) warner,
monitor, bey den alten kämpfen, der seinen kämpfer mit worten das beste durfte rathen und warnen, doch mit stillen worten, dasz es über den ring nicht erschalle Frisch 2, 423. Hayme
jur. lex. (1738) 1294. 4@ee) warner
beim reiterspiel Frischlin
nomencl. (1594) 485. 4@ff)
weinberghüter: wir weisen auch, dasz uns gemeinden zue herbstzeit 2 werner setzt, der soll der erwürdig herr einen willigen wie von alts
weisth. der Rheinprovinz 1, 1, 294
anm. b. 4@gg) warner
bei den schützen: der gelungene schusz macht nicht allein dem schützen spasz, die umstehenden freuen sich mit, selbst der warner ist nicht stumme amtsperson Vischer
krit. gänge 4, 34; und die sippe kommt zur stell' ... lader, warner, grad und krumm! G. Keller 9, 215. 4@hh) warner
als hirschfänger (?)
bei Schmeller 2, 1002 (
in einem volkslied aus der gegend von Landsberg).