waidasche,
f. 11)
eine aus gebrannten weinhefen hergestellte lauge, deren sich die färber bei herstellung der waidküpe bedienten: clavillatum, weydasse. Diefenbach
gl. 126
a;
sandix, widase, widast, weidaschen. 510
c;
sandix, waidesch.
nov. gl. 326
a; weidasche,
lixivium clavellatum. Stieler 60; weidasche oder weidenasche,
weed-ashes. spanische weidasche, davon seiffe gemacht wird,
barillia of Alicant. Ludwig 2422; waidasche,
cinis tinctorius, ad praeparandum colorem coeruleum guasti, combustis vini fecibus. Frisch 2, 417
a; weidasche,
lixivium clavellatum. Steinbach 1, 42; waidasche,
alun catin. Rondeau. Adelung.
das wort lautet in nd. form wēdaske.
brem. wb. 5, 207.
es ist auch ins franz. als vaidasse
oder védasse
und ins engl. als weed-ashes
gedrungen. die frühere hd. form ist weitasche: den fervern uff dem wenigen marcte sal man dar uff sehen, dasz sie die weitaschen und sinder nicht in die molgraben schotten, dan es thut groszen schaden.
Erfurtische wasserordnung bei Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 128. waidasche
war im mittelalter und bis in die neuere zeit ein wichtiger handelsartikel, von dem abgaben erhoben wurden: aluyn, roede, weytessche, van 100 marck 1 marck.
akten z. gesch. d. stadt Köln 2, 94, 8 (1399)
Stein; 18 leste weydasschen, d last vor 4 minus 1 fr.
handelsrechnungen des deutschen ordens 142, 32 (1400)
Sattler; item von eim iglichen pferde das weidaschen zewhet 6 dn.
deutsche reichstagsacten 7, 210, 35 (1414); der Prünster hat einen zu uns pracht von Kronach, der het im waydaschen pracht.
d. städtechron. 2, 89, 22 (
Nürnberg 1444); 9 last 1 tonne weidaschen.
hanseat. urkundenb. 9, 417 (1468); nusz, knobloch, zwibel, tücherkarten, waidäschen, von jedem pferdt 1
β.
würtemb. zolltafel (1651) 32; kam ein graff von Ortenburg mit etzlich kleinen schifflein bey Elbing an, brachte 28 lederne geschütz ... mit, neben viel Dantzker wahr an wedasch, pottasch, klapholtz. Isr. Hoppe
gesch. d. ersten schwed.-poln. krieges 246
Töppen; alle zu wasser und lande, es sey zu welcher jahres-zeit es wolle, in die stadt kommende pott- und weed-asche soll nirgends wohin anders, als auf den asch-hof gebracht werden.
Danziger neue willkühr (1783) 179; die aus Pohlen kommende blaue weed-asche, welche unter dem nahmen des biertonnenguts hier ankommt ... soll auf dem asch-hof gewogen werden.
ebenda. waidasche
wurde auch zur klärung des weins verwendet, was aber als unerlaubt galt: ich main, man deht ym (
dem weine) sunst we gnugk, mit schwebel und ausz dem milchkrugk, senff weidasch eyerclar und thaen, an was man thut mit wasser tzwagen. Foltz
von allem hausrat A 4
b Hampe; weydesch, senff, milch, vil krut unreyn stost man zuom puncten in das fasz. Brant
narrensch. 102, 16; sy sllent kein schedlich ding in den wine tuon, alʒ wideschen (
var. weideschen) und ander schdlich ding.
stadtrecht v. Arau 59, 9
Merz (1410); ir sOellend ouch kein schAedlich ding in den win duon, alsz weidAeschen oder anders. 163, 2 (1510); swelher gast Neckerwein herfürt, darinn man waidaschen vindet.
Münchener stadtrecht 383
Auer; weyn ... mit eynichen gefarlichen oder schedlichen dingen und gemechten, als mit schmyer, gepranntem weyn, waydaschen, speck, senff ... gemacht und bereyt.
Nürnberger polizeiordnungen 262
Baader; das nieman dehainerlai wins hie fail haben oder verkoufen sol, darinne dehainerlai gemAehts weder von waidAeschen, von kalk, von snf ... sie.
württemb. geschichtsquellen 8, 200, 23 (
das rote buch der stadt Ulm art. 387)
Mollwo. andre verwendungen: alt decken und däfferwerck mit weidäschen abzuwischen und wider zu fürneissen.
würtemb. revid. bawordnung (1654) 149; weidasche soll gut werck geben, ob sie wol der fettigkeit halber nit so gar weisz glasz gibt. Mathesius
Sarepta 195
a. 22) waidasche
wird auch vielfach in dem sinne von pottasche
gebraucht, eine aus holz oder thierischen knochen gebrannte lauge, die ähnlich verwendet wird. Frisch 2, 417
b. Hübner
5 1493. Ludovici
kaufmannslex. (1756) 5, 606.
F. B. Weber
ökon. lex. (1838) 628
b. Schmeller
2 2, 850; weedasschen, weydasschen,
cineres ex ossibus animalium combustis, cineres ex pinu, abiete, aut simili arbore resinifera. Kilian 658; waidäschen brennen. das soll in wälden ... an keinem orth gestattet ... werden.
würtemb. ernew. vorst-ordnung (1651) 83; nur aus diesem baume (
ulmus pumila, zwergulme, siberische rüster) und aus anderen in Ruszland wachsenden ulmenarten wird die im handel bekannte waidasche gebrannt. Nemnich 4, 1521.