vormalig,
adj. ,
früher auch vormahlig
geschrieben, erst im nhd. üblich geworden, von vormal,
adv. abgeleitet: vormalig,
idem quod ehemalig,
antecedens, superior, praeterlapsus Stieler 1223; vormahlig,
praeteritus Steinbach 2, 15; vormahlig, '
was vormahls war oder geschahe' Adelung; Campe. 'vormalig
und vormals
heiszen besser ehemalig
und ehemals' Heynatz
antibarbarus 2, 602. 11)
bei beobachtung des früheren und des jetzigen sprachgebrauchs zeigt es sich, dasz v.
eine gewisse einschränkung erfahren hat, indem jetzt fast immer das verhältnis zu späterem oder gegenwärtigem stärker empfunden wird, und man das wort vermeidet, wenn nur im allgemeinen die zugehörigkeit zur vergangenheit bezeichnet werden soll; mit schärfe allerdings wird dieser unterschied nicht festgehalten. man beachte folgende stellen: sich an die vormahligen zeiten erinnern Adelung; die erfindungen der vormaligen troubadours Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 409; wir werden uns besinnen, dasz wir bey vormahligem affecte dergleichen gedanken gehabt Wolff
ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 257; die vormahlige heidnische mythologie Bodmer
samml. crit. poet. schr. (1741) 2, 126; besonn mich aber bald auf des capitains vormahlige erzehlung Schnabel
insel Felsenburg 75
Ullrich; meiner vormaligen weissagung ward auch gedacht Göthe 33, 275
W.; ein bequemes haus von vormaliger bauart Novalis 4, 235
Minor; die mutter dieses mädchens habe ihr eine vormalige liebesgeschichte von mir erzählt Laube (1875) 8, 79. 22)
als attribut von personen (
oder collectiven von personen);
auch hier konnte ganz allgemein zugehörigkeit zur vergangenheit bezeichnet werden: nun haben zwar theils einige vormalige sprachlehrer, theils einige neuere ... sich bewegen lassen
u. s. w. Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 58; die vormaligen ärzte waren sehr verschieden von den heutigen Castelli (1844) 10, 44. —
gewöhnlich aber ist gemeint, dasz jemand früher etwas war, was er später nicht mehr war, oder dasz seine beziehung zu einem andern sich geändert hat: 'ex
in den zusammensetzungen exabt, exjesuit, exprofessor
u. s. w. wird durch ehemalig, vormahlig, gewesen
übersetzt' Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795) 259; zuerst vernichteten die Römer ihre vormaligen bundsgenossen, die Aetolier Haller
Fabius u. Cato (1774) 158; beim metzgermeister Steinberger, seinem vormaligen vormund Jean Paul 3, 88
H.; professor August Wilhelm Schlegel aus Jena mit seiner frau, der vormahligen verwittweten Böhmer Caroline 2, 3
Waitz; (
dasz) ein vormaliger banquier, nicht von familie, finanzminister hiesze, wollte sich nicht schicken Dahlmann
gesch. d. franz. revol. (1845) 83; in meinem hause lass ich mich von lauter vormaligen spitzbuben bedienen Bauernfeld (1871) 5, 209; den angehörigen der vormaligen schleswig-holsteinischen armee Bismarck
polit. reden 4, 41
Kohl. —
im sinne von zeitlich vorausgehend: der vormalige besitzer. 33)
auf unpersönliches bezogen, auch hier im entwickelten nhd. meist mit der oben bezeichneten einengung des sinnes: ich gebrauchte mich endlich meiner vormahligen freiheit A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 105; hat sie sich ihres vormaligen lasters niemals mehr schuldig gemacht
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 147; wie tief unter der vormahligen schönheit Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 67; das sorglich aufgefrischte lager, das vormalige breite ehebett seiner verstorbenen eltern G. Keller (1889) 6, 355; die kathedrale, eine vormalige moschee Moltke
schr. u. denkw. 6, 125.