2vorleggen (vorlecg[h]en, vorleckgen), -lēgen,
swv. (3. Sing. prä
s. vorlēget -lecht; Prät. vorlēgede -lēde -leyde -lachte;
Part. prät. vorlēget -leyt -legget -lecht -lacht), 1. eine andere Lage, Richtung geben, de wēge v., an einen anderen Ort schaffen, holt v., fortschaffen, in einen anderen Ort legen, verlegen, de klö̑stere v., in Quartier legen knechte in de dörper v., v. unde inquartêren; (Kleidungsstücke) ablegen, dat klê(i)t, den gȫrdel, de hûve v. an den falschen Ort legen, de ey(g)er v., (Dokumente) verlegen, van handen kōmen unde vorlecht wērden, de brêve v. unde vorlêsen; de sprâke v. nicht mehr sprechen können. vātebande v. Fässer binden, êneme gûle ên îseren v. ein Pferd beschlagen, blî in den tōren v. den Turm mit Blei verkleiden; ên lāken v. ein Tuchstück amtlich prüfen lassen. 2. zeitlich verändern, auf später verschieben, aufschieben (wente bis), (Frist) verlängern (tô auf); verzögern, verschleppen, dat recht entachteren unde v.; (Amt, Würde) niederlegen; (Streit, Prozeß) abtun, beilegen; abschaffen, aufheben, dat recht, den articul, de rente v., ausschlagen, v. unde vorslân, ablehnen, abweisen, zurückweisen, den hêren v., den man v. unde nicht hebben willen, auch mit folgendem vȫr:
[]ênen vȫr pāwest v., verwerfen, den tü̑ch, de appellâtie v., verweigern den hôrsam v.; ênen v. van jem. etw. verweigern, entziehen, benehmen, jem. ausschließen von, van (ge) tü̑ge, van klāge, van amte, des rechten v.; ênen v. ût jem. ausschließen, ausweisen, ausstoßen aus, ût der gilde, ût dēme amte v., ût der hense v. verhansen; vorlechte lü̑de verwiesene, friedlos gelegte, geächtete Leute; für unerlaubt erklären, vorlechte wâpen, als minderwertig aussondern vorlecht vlê(i)sch, in schlechten Ruf bringen, verdächtig machen, dat gelt v., verächtlich machen, schlecht machen, herabsetzen, schmähen, êneme sîne kunst v. unde vorachten, den prêsterlĩken stât v. 3. versperren, verlegen, wēge unde strâte mit mȫrderîe (rö̑verîe) v. Wegelagerei (Straßenraub) betreiben, êneme dat spôr v. jem. in den Weg treten; c. D. (A.) p. den Weg verlegen, auflauern ênem hê(i)melĩke v., abs. im Hinterhalt liegen; an der Ausübung von etw. hindern, de gesellen v. die Handwerksgesellen zur Einstellung der Arbeit zwingen; getü̑ch v. Zeugnis brechen, abschneiden, hindern; widerlegen recht mit unrechte v. 4. bezogen auf das Fortgeben, Ausgeben von Geld oder Geldeswert: a) c. A. des Betrages: auslegen, verauslagen, vorschießen, meist mit folgender präpositionaler Verbindung (an, vȫr, dörch, tô, tõ behôf, up u. ä.) zur Angabe des Ausgabezweckes, seltener c. D. p. jem. mit Geld aushelfen, Geld borgen, °aus der Gemeinschaftskasse vorweg geben (Ekenberger, Elucubr. 36). b) c. A. der Sache für die Geld verauslagt wird: Geld in eine Sache stecken durch deren Veräußerung es später wieder eingebracht wird,
z. B. bei Möbelstücken die für den Verkauf bestimmt sind, die Kosten für das Material tragen, dat holt v. c) c. A. des Empfängers: jem. die nötigen Mittel für einen Zweck zur Verfügung stellen an dem der Geldgeber persönlich oder geschäftlich interessiert ist,
z. B. jem. ein Studium, eine Berufsausbildung ermöglichen; kaufmännische Vertreter, städtische Unterhändler an fremdem Ort unterhalten; Geld in Form von Anleihen investieren,
u. a. zur Auszahlung und Unterhaltung der Söldner, dat lant, de knechte v.; einem reisenden Kaufmann Kapital und Ware vorstrecken zwecks Handelsgeschäften in eignem Auftrag; einen handwerklichen Betrieb mit dem für die Herstellung bestimmter Waren nötigen Betriebskapital, bzw. Rohmaterial versehen. °5. auseinandersetzen, dartun (Lüb. Ub 6, 262, Älterleute der Hanse zu Brügge,
vgl. mnl. verleggen, uitleggen, ontvouwen, duidelijk maken). 6. Refl. sik v. up sich beziehen, berufen auf; sik ênes dinges v. etw. widerrufen.
[]