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vorgängig

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorgängig adj.

Bd. 26, Sp. 1065
vorgängig, adj. , s. fürgängig th. 4, 1, 1, sp. 731; vorgongig, previus Diefenbach gl. 458c; Adelung; Campe. 11) das in der sprache der gegenwart als steif und veraltet empfundene wort wird schon von Adelung als 'oberdeutsch', d. h. nicht eigentlich schriftgemäsz und als dem kanzleistil angehörig bezeichnet. merkwürdig ist, dasz er es nur zu der bedeutung von vorläufig aufführt; die bis zur gegenwart herrschende bedeutung ist allgemeiner: zeitlich vorhergehend; zu beachten ist, dasz v. fast nur in attributiver verwendung vorkommt; Göthe braucht es oft, doch mehr im amtlichen und briefstil als in freier darstellung: on angesehen, dasz sie nit fürgengig exempel der schrifft haben Dietenberger wider d. unchristl. buch Mart. Luthers von d. miszbrauch d. messe (1526) f 4; ihro gnaden, dero frau mutter, haben mich nicht ohne vorgängige prüfung in dero dienste genommen J. E. Schlegel (1761 ff.) 3, 574; den vorwurf als braut ohne vorgängige trauung schwanger geworden zu seyn d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 261; wo es keiner vorgängigen, zweifelnden überlegung bedurfte Herder 16, 483 S.; (Franz) that, nach vorgängiger entschuldigung, eine frage Nicolai Seb. Nothanker (1773 ff.) 2, 113; nach vorgängiger untersuchung Klopstock gelehrtenrep. (1774) 63; statt einer vorgängigen kriegserklärung (vor dem einfall Friedrichs in Sachsen) folgte ein manifest Göthe 26, 70 W.; nur mit vorgängiger genehmigung IV 17, 109; auf vorgängige anfrage IV 30, 168; (empfindungen,) die aus einer vorgängigen operation des verstandes entspringen Schiller 1, 147 G.; bald nachher setzten wir uns ohne vorgängiges wunder zu tisch Immermann 2, 127 B.; jene (bereiten das blühen vor) durch vorgängige kugel- und blattbildung Ratzeburg standortgewächse (1859) 261; nach vorgängiger begrüszung rückte man ... zusammen Fontane I 1, 108; so werde die vorgängige feststellung (des budgets) vor beginn des nächsten etatsjahres nicht erfolgen können Bismarck polit. reden 2, 17 Kohl; der eigentümer kann das ablösungsrecht erst nach vorgängiger kündigung ausüben bürgerl. gesetzb. § 1202. 22) für das heutige sprachgefühl härtere wendungen und besonderes: (der dichter) wagt sich sogleich mitten in die handlung hinein ... von dort aus läuft er zu vorgängigen begebenheiten zurück Gerstenberg schlesw. lit.-br. 38 lit.-denkm.; sie muszte auch physisch durch die vorgängige scene erschöpft sein W. Alexis Isegrimm (1854) 454; 'nun, liebste, beste oberstin', hebt sie nach einigem vorgängigen mit frischem odem an Mörike 3, 224 Maync; wenn es ... von Cecrops heiszt terrae mandatus, so schlieszt das kein vorgängiges verbrennen aus J. Grimm kl. schr. 2, 225. — prädicativ mit dem dativ: (dasz) das datum des decisi dem anfang der untersuchung ohnfehlbar v. gewesen Zinzendorf reden des ordinarii (1751) 8. 33) völlig veraltet ist der gebrauch des adverbiums: die oberdeutsche mundart und mit ihr der kanzelley- und curialstyl haben deren (der präpositionen) noch weit mehrere, z. b. besage, inhalts, erwogen, vorgängig Adelung umst. lehrgeb. 2, 117; mit dem der compter vorgengig, ehe dann sie mit einander traffen, gesprech hielte Schütz hist. rer. pruss. (1592) p 4c; (will ich) doch anietzo ein und anders, obschon vorgängig, doch unvorgreiflich zu erwägen geben Leibniz dtsche schr. (1838) 1, 478; er hatte die besondere gabe, ohne v. darüber zu denken oder etwas zu papier zu bringen, geist- und lehrreiche lieder zu singen A. G. Spangenberg leben Zinzendorfs (1772) 281; einnahme von Paris. v. die schlacht von Montmartre Göthe III 10, 12 W.; der rechtserfahrne olbente setzt aber durch, dasz v. dreimal geladen werde J. Grimm Reinhart fuchs vorr. cv; dasz die knochen, wenn sie v. mit säuren erweicht und abgespült worden sind, im wasser verfaulen Sömmerring vom baue d. menschl. körpers (1839 ff.) 2, xxiv; von einer v. bei dem senate nachzusuchenden erlaubnisz abhängig Mommsen m. gesch. 2, 351. — mit dem dativ verbunden: eine jede regierung ist verbunden, nicht ohne noth sturm zu schlagen, sondern diesem allen v. mit weisheit den wahren fall der noth zu untersuchen Möser (1842 ff.) 2, 47. — hier ist einer wunderlichkeit des kanzleistils zu gedenken, auf die Vilmar idiot. v. Kurhessen 432 hinweist: nach ihm soll diesem vorgängig dem wortsinne widersprechend in der bedeutung gebraucht worden sein 'nachdem dies vorausgegangen ist, voraus hat bemerkt werden müssen, dieses vorausgesetzt'. ähnlich: vorgengig solchen berichts, nachdem solcher bericht vorher gegangen Schottel haubtspr. (1663) 767. 44) wie oben bemerkt verzeichnet Adelung allein die jetzt völlig veraltete bedeutung von 'vorläufig': ein vorgängiger bericht; etwas v. berichten, vorläufig; das verzellen bedeutet eine durch den richterlichen anspruch zuerkannte und vorgängige strafe allg. dt. bibl. 1, 2, 253; es ist leicht zu begreifen, diese zu übernehmende schwierigkeit vieler theologen müsse auch in ihren rechtschaffensten herzen einen vorgängigen widerwillen gegen neue obgleich bessere methoden erwecken Basedow method. unterricht d. jugend (1764) xxviii; als adv.: der ludimagister steckte den hieb v. trocken ein J. G. Müller Siegfried v. Lindenberg (1784) 1, 148. 55) in älterer sprache auch in verschiedenen andern bedeutungen; räumlich vorausgehend in einem buche: das vorgengige titulblatt gegenwärtiger arbeit wird bereits dem geneigten leser einen begriff meines jetzigen unternemens gemacht (haben) H. C. Arend d. gedechtnisz der ehren Albrecht Dürers (1728) a 5b; fortgang gewinnend (vgl. oben fürgängig 1): (gott werde) mildiglich verhuten, dasz ihr ungetreuer ratschlag nicht vorgengig (werde) polit. korresp. Moritz v. Sachsen 2, 553. anderem vorgehend, anderes übertreffend: röthe allen andern farben v., insonderheit der tugend leibfarbe Lohenstein Armin. 1 (1689) 1318; daher im sinne von 'vortrefflich': welche (weisheit gottes) ... klar und v. darthut und erweiset, wie viel mehr sie jene, die menschliche vernunfft nemlich, übertrifft Sturm kurtzer begriff d. phys. (1713) 26.
6030 Zeichen · 113 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorgängig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Vorgängig , adj. et adv. welches von einer veralteten Bedeutung des Hauptwortes Vorgang nur im Oberdeutschen und in den …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorgängig

    Goethe-Wörterbuch

    vorgängig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    vorgängig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    vor|gän|gig adj. prezedënt (-nc, -a), (vorhergehend) da denant.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorgaengig

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von vorgaengig

vorgang + -ig

vorgaengig leitet sich vom Lemma vorgang ab mit Suffix -ig, mit Umlaut-Wechsel.

Zerlegung von vorgaengig 2 Komponenten

vorgan+gig

vorgaengig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorgaengig‑ als Erstglied (1 von 1)

vorgängigkeit

DWB

vorgaengig·keit

vorgängigkeit , f. , ganz vereinzelt wie vorgang: ohne irgend eine der vorgängigkeiten, die sonst allenthalben der schirm der unglücklichen …