vorfordern,
verb. ,
vor sich oder vor einen andern fordern, besonders vor gericht fordern Adelung;
s. fürfordern
und fürfodern
th. 4, 1, 1,
sp. 728; Lexer 3, 589;
die älteren nhd. wörter verzeichnen das wort nicht, obwohl es sich oft genug belegen läszt. 11)
über den ausfall des r
in fordern
und die '
blöde' (
th. 3,
sp. 1891)
form fodern
vgl. th. 3,
sp. 1866; für-
et vorgefodert,
präs. ich fodere vor,
voco, arcesso, cito Steinbach 1, 478;
er zieht fodern
offenbar vor, bei fordern
bemerkt er nur (1, 485):
quidam adhibent pro fodern; Adelung
hat nur vorfordern, Campe
nur vorfodern;
nd. fürfüedern Bauer-Collitz 36
b.
die form ohne r
ist bis zum ausgang des 18.
jh. noch auszerordentlich häufig: nur ward Festus wieder vorgefodert Bucholtz
Herkuliskus (1665) 8; einem einen rechtstag vor gericht ansetzen und ihn auf denselben vorfodern Breitinger
crit. dichtk. (1740) 2, 54; Judas von Iscarioth wurde hierauf vorgefodert Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 139; ein concilium ward ... berufen, Abälard vorgefodert Herder 28, 294
S.; soll die stärke es ausmachen? er (
gott) ist der stärkste ... wer will ihn vorfodern?
schlesw. litbr. forts. 322
dt. lit.-denkm.; (
sie) werden hiemit noch einmal vorgefodert Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 287; richter und schöppen, müller, bauern und einnehmer werden vorgefodert Rabener (1777) 1, 112; die ganze sittliche welt hat den verfasser als einen beleidiger der majestät vorgefodert Schiller 3, 529
G.; den sekretär Steck soll der bürgermeister Lüders zu sr. exc. dem herrn minister haben vorfodern müssen Iffland
theatr. w. (1827ff.) 11, 101; ich ward in diesen tagen eines miszverständnisses wegen von dem kapitain vorgefodert Chamisso (1836) 1, 416; man hat mich vor ein gericht von männern vorgefodert Schiller
Maria Stuart 1, 2.
zur form foddern
s. th. 3,
sp. 1865;
citare fürfoddern Schöpper
synon. 92
a ndr. — Mensing
verzeichnet eine form vörföllern
schlesw.-holst. wb. 5, 471. 22)
das verb. vorfordern
ist natürlich nicht auf den juristischen gebrauch beschränkt, in dem fordern
liegt aber immer der begriff einer gebieterischen oder nötigenden ladung, sie kann jedoch auch den zweck haben, jemandem etwas mitzutheilen, gutes zu erweisen u. ä.; am gestrigen sonntag habe die königliche majestät die fürsten und ihre botschaften vorgefordert
urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 108
Klüpfel; schicken im ein kerbholtz und lassen in v. Mathesius
Sarepta (1571) 21
b; er ward vorgefordert und hierumb zuo red gestellet Kirchhof
wendunmuth 1, 177
Ö.; den liesze der keyser unversehens v., rechnung zuthun Zinkgref
apophthegm. (1628) 83; zu welchem ende er den gefangenen Marius Celsus liesze v. A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1086; inzwischen er ..., als sie beyde wieder vorgefordert waren, ihnen diesen bescheid gab Lohenstein
Armin. (1689ff.) 2, 1548
a.
im 18.
jh. mehren sich erst in der zweiten hälfte die belege mit r, Gottsched
hatte sich für fodern
erklärt: Martin Jacob Kegler wird vorgefordert, wohl ermahnt, die reine wahrheit auszusagen Hippel
lebensl. (1778ff.) 2, 445; Hannchen ward nun vorgefordert vor der jungfer Deborah coram zu erscheinen Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786ff.) 1, 49; dasz man regierungsräthe im vorzimmer stehen liesz und mich gleich vorforderte Schubart
br. 1, 179
Str.; dieser kann nur auf seine geleistete treue gemahnet und vorgefordert werden Möser (1842
ff.) 3, 187; keiner wird euch v., keiner euch anklagen Klinger (1809
ff.) 4, 117; wenn ich vorgefordert bin, vor dem allgegenwärtigen richter Schiller
br. 1, 10
J.; ew. hochwohlgeboren fänden aber vielleicht heut oder morgen ein viertelstündchen, sie beyde vorzufordern und ihnen ... ihre plätze anzuweisen Göthe IV 9, 126
W.; mich v., mich zur rechenschaft ziehen Alexis
Roland v. Berlin (1840) 2, 53; (
er) trat in den flur, auf dem die drei vorgeforderten dienstleute schon standen Fontane I 6, 357; die vorgeforderten todten aller zeiten werden sogleich vor deinem gerichtsstuhl eilig sich stellen Zachariä
poet. schr. (1763
ff.) 6, 261; Antonius hat zur verantwortung mich vorgefordert nach Laodicea Rückert (1867
ff.) 9, 278. 33)
in der folgenden stelle geht das wort von der bedeutung '
vorladen'
in die von '
anklagen'
über: (
die homerischen briefe von Klotz) fodern ihn vor, dasz er dem leser manchmal beschwerlich falle Herder 3, 271
S. —
ganz ungewöhnlich von einer herausforderung: Golon hat er dort auf öffentlichen zweykampf vorgefodert maler Müller (1811) 3, 257;
s. vorforderer. 44)
ableitungen; vorforderer, m., fast wie herausforderer: nicht nur als gelegentlicher anwalt des teufels, sondern ebenso sehr, theologisch zu reden, als feind und v. gottes Nietzsche I 2, 3. —