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vollstimmig

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vollstimmig adj.

Bd. 26, Sp. 715
vollstimmig, adj. , symphoniacus Stieler 2169; plenis vocibus Steinbach 2, 705; mit vollen, d. i. allen gehörigen stimmen Adelung; Campe; das wort ist mehrdeutig und kann in sehr verschiedener weise gebraucht werden. 11) nicht mehr üblich in technisch-musikalischem sinne für polyphon, d. h. einem satz von selbständig geführten stimmen; oder freier (s. weiter unten) vom quartettsatz überhaupt: figural, in der tonkunst (vollstimmig) Kinderling reinigk. d. deutsch. spr. (1795) 267; die melodien waren noch simple und mehr v. als cantable Baron instrument d. lauten (1727) 64; mancher elender notenklecker (würde) wenig mühe haben, eine vollstimmige fuge zu verfertigen Scheibe d. crit. musicus (1745) 481; bei einer vollstimmigen musik aber ist dem violoncellisten ganz und gar nicht erlaubt, willkührlich etwas zuzusetzen Quantz anweisung d. flöte zu spielen 214. gewöhnlich in freierem sinne von reicher mehrstimmigkeit; es kann auch die mannigfaltigkeit der klänge betont sein oder auch die stärke der klangmasse von instrumenten, die auf mehrstimmigkeit eingerichtet sind: lieder, in ein positiv, clavicimbel, theorbe oder anderes vollstimmiges instrument zu singen gesetzt ged. d. Königsb. dichterkreises 1 ndr.; (die sonne) fieng an in ihre vollstimmige leyer nachfolgende reymen zu singen Lohenstein Arminius 1, 1397a; auf einer orgel, claviere, oder anderen vollstimmigen instrumente Sperander (1727) 275b. vollstimmiges orchester, entweder ein orchester, das alle normaler weise erforderlichen instrumente vereinigt, oder aber ein stark besetztes; das orchester ist v. besetzt. in allgemeiner anwendung auf musikalischen satz, instrumentenspiel und gesang; in älterer sprache auch im sinne von mehrstimmig oder vom quartettsatz: vollstimmige musik, musica piena, compita, à tutte le voci Kramer 2 (1702), 1211a; der musikliebende wisse, dasz dieser actus bey wehrender fürstl. tafel mit vollstimmiger musik ... abgehandelt worden Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 180; was der generalbasz sey? nichts andres als beziefferte grundnoten, die einen vollstimmigen (= harmonischen) zusammenklang andeuten Mattheson kl. generalbaszschule (1735) 40; die güte und reinigkeit der nebenstehenden vierstimmigen d. i. vollstimmigen satzes vollkomm. capellm. (1739) 267; sie (instrumente) gehörten zur vollstimmigen musik der freudenrüffe und tempelpsalmen Herder 12, 248 S.; ein vollstimmiges conzert war ... bestellt Göthe br. 5, 340 W.; in einer sehr vollstimmigen musik, worin, wie etwa in der fuge, ein gewühl von melodien gleichzeitig durcheinander fuhr Herbart 6, 144 Hartenstein; (dagegen von der energie des klanges:) ein tedeum oder doch zum wenigsten einen vollstimmigen janitscharentusch Hebbel 10, 266 W.; wie mehrstimmig: dasz wir dann ... unsere übungen v. unternehmen können ... dann können wir schon manches terzett besetzen Körner w. 4, 213 H.; auf einer einzigen geige rauscht er vollstimmig, als wie ein concert Zachariä poet. schr. (1763ff.) 3, 126. zusammenklang der glocken: von böllerschüssen und vollstimmigem glockengeläut angekündigt Hebbel br. 5, 28 W.thierstimmen: der gesang der vögel, so mit vollstimmigen zwitschern unglaublicher liebligkeit die ankunfft eines neuen tages verkündigten Bastel v. d. Sohle Harnisch aus Fleckenland (1648) 93; frei: unter vollstimmigen ästen (auf denen vögel sangen) Jean Paul 7/10, 124 H.; drauf folgt die sämtliche gemeine (frösche), und machen ein vollstimmig chor Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727ff.) 2, 138. 22) auf das sprechen bezogen; vom zusammenklingen vieler stimmen, die das gleiche sagen, besonders, soweit es sich um zustimmung, urtheil u. ä. handelt; das adj. kann dann auch auf den sinn oder die wirkung der worte bezogen werden: vollstimmige wahl, elettione à tutte voci Kramer 2 (1702), 1211a; madam verlangte ... ein vollstimmiges ja zur heirath Hippel kreuz- u. querzüge (1793ff.) 1, 87; vollstimmige meinung über d. ehe (1792) 104; das 'schuldig' ward v. ausgesprochen Holtei erz. schr. 4, 225. — von reichem klange: aus der glücklichen wahl der ausdrückungen, und aus dem vollstimmigen wohlklange aller sätze d. neuesten aus d. anm. gelehrs. 2, 78. — von einem einzelnen laut: das h als ein hauch- und kein vollstimmiger buchstab Harsdörfer poet. trichter (1647) 2, 17. — in freier übertragung: subjekte, die aus sich handeln, vollstimmige individua Herder 3, 103 S.; wenn nicht aus eignem frohen triebe die lebendigen in ihr (der welt) zusammenwirkten in ein v. leben Hölderlin ges. dicht. 2, 187 Litzmann.
4567 Zeichen · 93 Sätze

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    Neuhochdeutsch
    Vóllstimmig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Vóllstimmig , adj. et adv. in der Musik, mit vollen, d. i. allen gehörigen, Stimmen. Eine vollstimmige Musik. Wenn die H…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vollstimmig

    Goethe-Wörterbuch

    vollstimmig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vollstimmig

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von vollstimmig 2 Komponenten

voll+stimmig

vollstimmig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vollstimmig‑ als Erstglied (1 von 1)

vollstimmigkeit

DWB

vollstimmig·keit

vollstimmigkeit , f. Adelung; Campe ; zum vorhergehenden adj. gebildet und dessen bedeutungen folgend, daher in älterer sprache auch im tech…

Ableitungen von vollstimmig (1 von 1)

Unvollstimmig

Campe

Unvollstimmig , adj . u. adv . nicht vollstimmig. Davon d. — keit .

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APA
Cotta, M. (2026). „vollstimmig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vollstimmig/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „vollstimmig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vollstimmig/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „vollstimmig". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vollstimmig/dwb.
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