völliglich,
volliglich,
adj. und adv. ;
schon unter völlig (
zu anfang)
ist bemerkt, dasz das volleclîch
älter ist als volles;
im ahd. ist sowohl das adj. wie das adv. belegt (Graff 3, 485): kib in tougeno in iro herzon folleclichen lôn Notker
ps. 78, 12; uuerdent an den liut folleglicho fernomen 108, 1;
bei Notker
findet sich auch ein f. folleglîchî,
plenitudo und ein verb. gîfolleglîchô
n. —
mhd. belege für das adj. und das adv. (volleclîche, -lîchen)
s. im mhd. wb. 3, 363
a und bei Lexer 3, 447;
vgl. Jelinek
mhd. wb. 881; Fischer
schwäb. wb. 2, 1629.
abgesehen von dem eintreten des umlauts ist die nasalierung des -ec
in vollec
bemerkenswerth: vollenc-, vollenglich: zu vollenglicher nutzung selbigs jars
zimm. chron. 4, 171. vollentlich
erklärt sich durch anlehnung an vollen, vollend: wär ain zaichen, das im nitt volentlich recht wäre Tauler
sermones (1508) 187
a; und trenkete si vollentlichen Bruno von Schonebeck 509;
zusammengezogen zu folcklich
quelle bei Diefenbach-Wülcker 585 (1450); das sust mit geschrift nit völlklich wer ze beschechen Niclas von Wyle
transl. 36
lit. ver. —
decoquare, folleclich kochen Diefenbach
gloss. 168
b;
plene, völlenklich
nov. gloss. 295
a; völligklich,
ubertim Dasypodius 449
b;
copiose, völligklich, überflüssigklich, reychlich Frisius
dict. (1556) 332
b; völligklicher,
uberius Maaler 471
b; fölliglichen Bellin
rechtschreibung (1657) 111; völliglich,
plenarie, purius autem omnimodo Stieler 2390; völlig, volliglich,
it. vollends,
adv., pienamente Kramer 2 (1702), 1211
c; volliglich,
copiose, ubertim, plene manu, plene; völliglich, überall,
omnino, prorsus Dentzler
clavis linguae lat. (1716) 335
b.
im 18.
jh. verschwindet das wort aus dem allgemeinen sprachgebrauch bis auf vereinzeltes vorkommen: die wange und das kinn sind rund und völliglich Heinse 8, 130
Sch.; diese wiederaufnahme ist besonders auffallend, weil der gebrauch des adj. längst aufgegeben war. 11)
adv., in fülle, reichlich, in reichem, im vollsten masze u. ä.: volliglich oder fruchtperlich,
ubertim voc. von 1482 ll 8
a;
profluenter, uberflüssigklich, reychlich, völligklich, gnugsamlich Frisius
dict. (1556) 1069
a; ich fürchte mynen herren gar ser, der mir die spis gyt, wie wol er daz nit v. tuot Steinhöwel
Äsop 221
lit. ver.; wachszt kostlich weyn ... und sonst an vilen orten mehr, so v., dasz die gantze teutsche nation an guotem weyn kein mangel hat Stumpf
Schweizerchron. (1606) 56
a; die armen tröst gar milticlich, gen in beweis dich süsziclich nach deinem vermügen völliclich Hätzlerin
s. 261 (
nr. 61); du thust mich auch nach allen maszen trencken, von deinen gnaden völliglich einschencken Wüstholz
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 157.
ausführlich (
vgl. völlig 3): weytlöuffig, völligklich und der lenge nach,
plene scribere Maaler 471
b; wie das in der urteil über den procesz geben von obegemelten abt uszgesprochen vollicklicher begriffen wird Tschudi
chron. helv. (1734
ff.) 1, 129; in guten scribenten weitläufftiger, reichlicher, auszführlicher, völliglicher Comenius
janua (1644) 318.
mit zahlvorstellungen, reichlich oder ganz (
vgl. völlig 1): sind zuo Schaffhausen v. die dreyteil der statt gar jämerlich und schädlich verbrunnen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 416
b; zweyhundert jar völligklich haben,
explere annos ducentos Maaler 471
b. 22)
mit leichtem übergang vollständig, vollkommen, ganz und gar, durchaus: ein rächtshandel v. darthuon und fürbringen,
perorare causam aliquam vel litem Maaler 471
b; ein iedes holtz von leng und grosz volliglichen hawen und pringen Tucher
baumeisterb. 37
lit. ver.; die iren lust nemen volliglich an zeitlichen dingen Tauler
sermones (1508)
register 5
a; so den solchs alles ... v. beschehen und volzogen worden ist Luther 18, 338
W.; ich mein rechnung schon volligklichen beschlossen hat Wickram
w. 1, 195
B.; so soll sie dasselbe volliglichen ohne behelff, so weit ihr gut reichet, zu zahlen schuldig sein Rätel
Curäi chron. von Schlesien (1607) 472; erst bin ich völliglich gewert was ich von hertzen hab begert H. Sachs 14, 152
K.-G.; davon sie (
meine hand) ihres leibs und höchsten schönheit gelehret völliglich die weite welt mög lehren pracht Weckherlin
ged. 2, 318
F.; wer sie (
tugend) völliglich besitzt, der hat alle schätz und güter Knittel
poet. sinnsprüche (1677) 16.
verstärkt: das ich völliclich noch gar ir schön nit kan bedeuten Hätzlerin
s. 264 (
nr. 68); werden die vorgenanten weg behalten vollicklich gentzlich bis yn das ende des leiplichen lebens
theologia deutsch 45
M.