verwidern,
v. ,
ahd. ferwideron Graff 1, 643;
mhd. verwideren
mhd. wb. 3, 623; Lexer 3, 306.
nhd. nur noch in eingeschränktem gebrauch, in neuerer zeit ausgestorben. mundartwbb. haben nur ältere belege: Schmeller-Fr. 2, 861; Fischer
schwäb. wb. 2, 1415. 11)
gewöhnlich ablehnen, sich weigern; ahd.: verwiderod
renuistis Graff 1, 643;
abnuo, ih verwider
glossen 4, 232
a. 1@aa)
nur mhd. etwas verwidern,
etwas nicht haben wollen, nicht annehmen: daz er in so ne leidigete, daz er sine gebe firwiderete
Wiener genesis 3140
D.; man muost uch (
den Juden) aller erst kuondigen daz gotis wort, wane aber irz vorwidert, seht, so kere wir zu den heiden, wane irne sit niht wirdich des ewigen libes Schönbach
altd. predigten 1, 362.
mit satzergänzung verhindern, sich gegen etwas wehren: von sin selbis muotwillen verhancte er des, daz er an ein holz erhenchit wart, noch virwidireti daz nie, daz sin lib durchstochin wart mit isininen nagilin
spec. ecclesiae 66
K. frühnhd. vereinzelt etwas bestreiten, nicht wahr haben wollen: widerspänig leut verwidern zway: ains daz Petrus kain sonder nachkommen Cristi sey Berthold v. Chiemsee 640
R. 1@bb)
bis ins 18.
jh. hält sich etwas verwidern,
abschlagen, versagen, verweigern, mhd. den zins, daz recht verwideren Lexer; swaz ir gebietet, daz geschiht, nieman verwidert des niht
Mai u. Beaflor 217, 2
lesart. nhd.: doch het man den Ampelspachern aus guetter nachbarschaft auch nit verwidert, das si anderweilen über den Clampach ... mit irem vieh gefaren (1534)
tirol. weist. 1, 161; der die kost (
die beköstigung des hirten) verwidert hat (1642) 3, 193; wenn auch der mann schon zu zeiten dem weibe etwas ungebührlichs befiehlt, soll sie es thun und nicht verwiedern
schauplatz der bösen weiber (1752) 91.
im 17.
jh. besonders häufig schlesisch und in nachbargebieten: so haben wir doch gleichwol die gebetene intercession ihnen darumb auch nicht verwiedern mögen
acta publica 1, 70
P.; du machst dir mit deinen liedern hell und himmel untertan, dasz dir keines nichts verwiedern, keines nichts versagen kan P. Fleming
ged. 352
L.; kein begehrtes nie verwiedern, kein verwiederts nie begehren Logau
sinnged. 175
E. sucht sie die sinnen mir zu zwingen? unvonnöthen! wann sie die Chloris mir verwidert, kan sie tödten A. Gryphius
lustspiele 255
P. 1@cc)
nur vereinzelt intrans., sich weigern: als der hencker verwidert, hand an den könig zu legen A. Gryphius
trauerspiele 472
P. 1@dd)
frühnhd. ist das reflexivum häufig: ich hab ew berueft und ir habt ew verwidert Berthold v. Chiemsee 689
R. 1@d@aα)
mit dem genitiv: sich eins dings verwidern oder ungehorsam erzeigen Schwartzenbach
syn. form. (1564) 97
a; desz soll sich niemandts verwidern Sattler
phraseologey 397; im fall sich aber ainer solches verwidert und vermaint, nit so hoch oder nichts strafper zu sein (16.
jh.)
tirol. weist. 4, 683; gegen denen, die sich des vertrags verwidern (
Augsburg, 16.
jh.)
chron. d. d. städte 23, 229; da sie sich aber dessen verwiedert (
ihrem herren zu huldigen), were dem büttel befohlen worden, sie auf dem platze für schelmen auszzuschreien und zu publiciren
acta publ. 1, 64
P.; derwegen sich auch billich solcher anlag niemands verwiedern ... sol Neumayer
von schatzungen und steuer (1632) 547. 1@d@bβ)
mit abhängigem infintiv: so verr aber etlich aus den glaubigern abschreiben und sich disen vertrag ... villeicht anzunemen verwidern wurden (
Augsburg, 16.
jh.)
chron. d. d. städte 23, 229; ir sehet den gestorbnen Christum, warum verwidert und förchtet ir euch dann zu sterben? Albertinus
zeitkürzer (1603) 41; von straf deren, so sich pfand zu geben verwidern (1694) Lori
baier. bergrecht 578. 22)
sonstige gebrauchsarten. 2@aa)
nur mhd. schädigen, beeinträchtigen, zu nichte machen, zerstören: alsô wirt der mensch verwidert, wan in daz alter hât genidert, daz sîn nieman mê geniuzet Teichner 73, 230
Kar.; ze dem staden der wase swam; Gawein er ûf sich nam, daz er an ime, daz ist wâr niht verwidert umb ein hâr, und brâht in sanfte über hin Heinrich v.
d. Türlin
krone 17357; des wurden si genidert unde ir werch in verwidert
passional 115, 16
H. 2@bb)
erwidern, mhd.: der aneboz in smitten mac der hamer stozze niht verwideren
jüng. Titurel 4272.
nhd. verwidern,
erwiedern, ... vergelten Rädlein (1711) 954
a. 2@cc)
verdienen Rädlein; sie suchten schlupfwinckel und aussfluchten, dass sie die verwiderte straff mit ihrer ubertrettung vermiden Nigrinus
von zäuberern (1592) 293;
im zusammenhang damit wohl auch: verwidern, sündigen,
pecher, peccare Hulsius-Ravellus (1616) 361
a.