versplittern,
verb. das stammwort ist splitter,
eine schwachstufige oder intensivbildung zu spleiszen
mit r-
suffix, das die lautverschiebung verhindert (Kluge
wb. 7 434
b).
die vorsilbe verstärkt noch den im einfachen verb. liegenden sinn des vernichtens. überwiegt bei diesem der intrans. gebrauch, so herrscht im compositum der transitive vor (
th. 10, 1,
sp. 2667).
mundartlich ist es nur im ndd. nachzuweisen. in der heutigen schriftsprache ist versplittern
ganz vor dem stärkeren zersplittern
zurückgewichen. mnd. vorspleteren, -splitteren,
zersplittern, zerstückeln Lübben-Walther
hdwb. 524
a;
mnld. versplitteren,
in stukken deelen, een goed Verdam
hdwb. 637
b;
ostfries. fersplittern,
versplittern, zersplittern, vergeuden Ten Doornkaat Koolman 1, 466
b. versplittern,
einzeln und unnütz verwenden Adelung;
eigentlich in splitter verwandeln;
uneigentlich in kleine theile zertheilen, welche sich leicht verlieren können, und in kleinen theilen, einzeln unnütz verwenden Campe. AA.
trans. gebrauch. A@11)
ein ganzes in theile zerschlagen, zerstückeln: ostfries. de balk is fersplitterd Ten Doornkaat Koolman 1, 466
b; dein mann, mein vater, versplitterte oft das beste stck bauholz, woraus ein anderer eine kirchensttze gehauen hAette, wenn ers im gemeinen leben brauchte Hippel
lebensläufe in aufsteig. linie 2, 149.
viel häufiger ist übertragener gebrauch: mnd. hie en sall ouch dat guit ... noch vorkoepen, versetten, verspleteren, verwesselen, verhouwen noch verwoisten
quelle v. 1483
bei Schiller-Lübben
wb. 5, 455
a;
mnld. versplitteren ... een goed Verdam
hdwb. 637
b; ein capital versplittern Adelung. von nun an durfte .. keiner von ihnen sein gut mit schulden beschweren, versäumen oder versplittern Möser
patriot. phantasien (1820) 1, 327; der walt und die wercke vmb Duderstadt, weil solche sehr weitleufftig, und mit weinigem volcke nicht recht zumainteniren, auch man, das volck zuversplittern, vor unrathsam geachtet, liesz hertzog Georg ... einreissen Chemnitz
schwed. krieg. (1648) 406, 2.
mit präp. in: ist es nun erklAerbar, wie zulezt mehrere protestantische theologen ... auf den wunderlichen gedanken verfielen, .. die eine grosze christliche kirche in so viele kirchlein zu versplittern K. L. v. Haller
restaurat. d. staatswiss. (1816) 1, 94, 18. A@22)
einzeln, unnütz verwenden. geld und zeit versplittern Campe.
brauchbares material verschwenden: denn wenn er (
der backofen) zu klein, mszte man denselben desto Oefter heitzen, und wrde solcher gestalt das holtz eben so vergeblich versplittert, als mit einem allzu grossen backofen
allgem. haushalt.-lex. (1749) 1, 159
a.
kosten: das kostet geld und zeit, und ich habe deren keines viel zu versplittern Lessing
schriften 3 13, 205, 14; was für zeit und geld werden wir indessen versplittern! Göthe 22, 32, 27
Weim.; die einkünfte seines landes vertut er nicht unnütz, denn sein hof ist eben nicht gross, und festins, auf denen in einem abend oft viel geld versplittert wird, kommen selten vor Novalis
schriften 2, 60; um sich vor seinen feinden zu sichern, hetzte er (
der sultan) einen tribus gegen den andern durch bestechungen auf, und versplitterte so seine schätze Ritter
erdkunde 12, 705.
mit präp. an: dasz der aufwand für kunstzwecke jetzt an unbedeutende .. dinge versplittert werde Göthe 47, 333, 14
Weim. die zeit versplittern Adelung.
mit präpos. bestimmung: ostfries. hê fersplitterd sîn tîd mit allerhand malligheid Ten Doornkaat Koolman 1, 466
b; grosse herren .., die mit mssigen worten nicht viel zeit zu versplittern haben Harsdörffer
secretarius (1656) I EeV
b; wenn ich mir nicht den vorwurf zu machen hätte, dass ich seit kurzem schon zu viel zeit in Braunschweig versplittert Lessing
schriften 3 18, 99; Göthe
s. oben. körper- und geisteskräfte zersplittern: da die kräfte des reichs ... zu sehr versplittert seien Varnhagen v. Ense
biograph. denkmale 4, 238; bei solchem vielfachen, nur auf sein vaterland berechneten streben, welches kraft und zeit versplitterte, konnte er in nebenstunden für wissenschaft und kunst nichts ausgezeichneteres leisten Zschokke
schriften 1, 55;
mit präp. in: jene schwAeche der menschlichen natur .., die nur allzuleicht .. das talent in's mannigfaltige und dessen kraft in das kleine versplittert Tieck
schriften (1828) 6, XXI; das wäre wohl ein vortreflich studium, aber versplittere deine kräfte nicht Caroline
briefe 2, 49; wrdest du wohl zeit und witz, Aemsig, nur damit versplittern, einen recht bequemen sitz in den logen auszuwittern? Goekingk
ged. (1780) 2, 54. BB.
der reflex. gebrauch schlieszt sich dem sinn nach hieran an: soll die kraft der begeisterung auch in der poesie sich immerfort einzeln versplittern? Fr. Schlegel im
Athenäum 3, 95.
mit präpos. ich kann ihnen nicht rathen, sich durch zeitblätter zu versplittern, bewundere indessen ihre literarische thätigkeit H. Heine
werke (1861) 19, 28; es war ... ein unglück für die entwickelung ihres charakters, dasz so viel geist und streben .. sich in müsziggang, ... unreife träume und frivole lebenshoffnungen versplittern sollten Holtei
erzähl. schriften 13, 84. CC.
adj. verwendung des part. präs. C@11)
absolut, die kräfte zersplittern: wo nun dazu aber zeit her? wenn der .. mann bey .. versplitternden .. amtsverrichtungen noch .. vortrAege halten soll
allg. d. bibliothek (1765
ff.) 79, 378. C@22)
geld: durch eine cabinets-ordre vom 24
ten aug. wurden alle geld versplitternde freudenbezeugungen ausdrcklich verboten Hamann
schriften 7, 341; geldversplitternde und kostenspillige kindereien Joh. G. Müller
Siegfried von Lindenberg (1790) 3, 43. C@33)
zeit: was man zum vortheil der zeichenschule dem hofrath Meyer übergebe ohne ihn gerade zu einer sehr zeit versplitternden custodie zu verpflichten Göthe IV 22, 383
Weim. vgl. verspleiszen,
versplinten,
für die bedeutung auch verspilden.