verspitzen,
verb. ,
denominativum. II.
vom adj. spitz
abgeleitet. mhd. wb. 2, 2, 515
b; Lexer
hdwb. 3, 245. I@AA.
trans. gebrauch. verstärktes spitzen:
ostfries. ferspitsen,
aufs neue anspitzen, spitzer machen, zuspitzen; de blêi (
bleifeder), de pâl mut ferspitsd worden Ten Doornkaat Koolman 1, 466
a;
mhd. in der form des part. prät. '
zu spitz': verstumpfet noch verspitzet was diu nase niender Konrad v. Würzburg
Engelhart 2978. I@BB.
reflex. gebrauch. I@B@11)
sich verspitzen
wie sich spitzen
zunächst '
auf eine spitze auslaufen' Lexer 3, 245.
üblich ist nur die bildliche verwendung '
sich hoffnung machen auf etwas'
; schon mhd.: ist daʒ der mensche hât sîn leben als sich verspitzet ûwer wân
passional 174, 62
Hahn. Adelung 4, 216
hält es gegen Frisch 2, 304
a mit recht für '
eine figur von dem spitzen sowohl der ohren als auch des mundes zu dem genusse einer angenehmen sache'.
th. 10, 1,
sp. 2603
f. belegt dazu die sinne, den verstand spitzen,
sp. 2606
f. sich spitzen;
ähnlich Borchardt-Wustmann
sprichw. redensarten 447.
das wort wird schon von Adelung
dem schlesischen zugeschrieben und ist im ostmitteldeutschen heimisch: verspitzet,
präs. ich verspitze (mich),
expeto; sich auf ein erbtheil verspitzen,
hœreditatem appetere Steinbach 2, 631; sich worauf verspitzen,
etwas mit hoffnung und zuversicht erwarten Weinhold
handschriftl. nachlasz S
bl. 385
a.
für Posen bezeugt von Bernd 338: sich verspitzen,
sich auf etw. rechnung machen, es zu erhalten, zu genieszen hoffen; preusz. sich verspitzen (auf eine erbschaft),
mit gewiszheit rechnen auf Frischbier 2, 442.
im lausitz. und thüring. ist sich spitzen auf
gebräuchlich Anton 13, 4; Hertel 231.
in Berlin ist sich spitzen
wie auch sich verspitzen
bekannt. auszerhalb dieses sprachgebiets taucht das compositum nur noch im ostfries. auf: sich (
auf etwas)
spitzen, hê harr' sük d'rup ferspitsd, dat hê dat wicht krêg Ten Doornkaat Koolman 1, 466
a. I@B@22)
literarisch ist es nur für das schlesische zu belegen: verspitzt euch nur (
auf ein reiches weib) ihr guten schlucker! wir sind nicht eben alle tumm Günther
ged. (1735) 433.
gewöhnlich verbindet sich damit die präpos. auf,
selten mit persönlichem object: die Themis, kömmt mir vor, verspitzt sich schon auf ihn Günther
bei Adelung 4, 216;
sonst mit sächlichem object: dasz auch die, welche sich auff eine andere ppigkeit verspitzt hatten, dennoch ihre vergngung fanden Lohenstein
Arminius (1689) 1, 1206
a; mir, der ich mich allein auf ihren trost verspitze, und mehr als unsre braut, bey ihrem reihen schwitze? Günther
ged. (1735) 788; darffst du dich doch eben nicht auf ein nettes lied verspitzen, du verstehst schon, wie es hAelt, wo ihr viel zu tische sitzen 852.
mit adverbialer bestimmung darauf: alsz nun die hoffnung drauf mich lange hiesz verspitzen, da kam die silber-zeit an goldner stadt zusitzen, und jene die verdrang; da gieng es etwan schwer und müheseeliglich, iedoch noch leidlich her Wencel Scherffer
ged. (1652) 506.
es folgt ein infinitivsatz: so kOennen sich wohl auch die unverfAelschten triebe eurer redlichwahren liebe mit sichrem grunde drauf verspitzen, dem guten glck im schoosz zu sitzen Stoppe
parnasz (1735) 412.
vgl. sich erspitzen
th. 3,
sp. 988. IIII.
mit einer spitze oder spitzen versehen. II@AA.
von spitze 2 a
α abgeleitet (
th. 10, 1,
sp. 2586): die thurmspizzen (
auf den kirchen) selbst waren mit tausend kleinen knochensplittern verziert und verspitzt Brentano
schriften 5, 173. II@BB.
von spitze 2 a
γ abgeleitet (
th. 10, 1,
sp. 2587):
mit spitzen versehen, verbrämen. verspitzen, bespitzen ... ein kleid, einen rock
etc. verspitzen Kramer
teutsch-ital. dict. 2, 875
a; verspitzt, bespitzt ... ein verspitztes kleid ... verspitzt und verfrantzt einhergehen
ebd.; es ist nicht mehr üblich und sonst nicht mehr nachzuweisen. vgl. sich erspitzen
in derselben bedeutung bei Frisch 2, 304
a und Fischer
schwäb. wb. 2, 845: wann sich die jungfrau erspitzt, erreist und zum danz aufmutzt Seb. Franck
ebd.