verschiedenheit,
f. andersartigkeit. das verschiedensein als abstraction: bei den vorstellungen des George Dandins lassen auch die verhärtesten ehemänner auf ihren gesichtern die bewegung spüren, die sie alsdann empfinden, wenn ihre umstände mit den umständen des originals allzusehr übereinstimmen; diese übereinstimmungen sind nicht selten, ob sie schon durch den mangel an bildung ... so vielfältig gemacht werden, als sie es durch die verschiedenheit der geburth sind. Lessing 4, 126; ich glaube es sehr gern, dasz herr Klotz vieles ungemein leicht findet, was ich für ungemein schwer halte. dieses kömmt von der verschiedenheit, entweder unserer beiderseitigen kräfte oder unseres beiderseitigen zutrauens auf uns selbst. 8, 8; wer kennet nicht die gänzliche verschiedenheit des gesangs und der rede? Herder
lit. u. kunst 2, 446 (1821); sehen sie nicht einerlei, so wird der weise über diese verschiedenheit des anblicks sich wundern. 146;
selten plur., dann aber weniger abstract und mehr den gegenstand selbst ins auge fassend, durch den das ding dem andern ungleich ist: bei allen bemerkten verschiedenheiten in zeiten und völkern ist der hauptbegriff dieser dichtung unverkennbar. 12, 134 (1821); man gehe unter den morgenländern die langen und kurzen vocale, die mancherlei hauch- und kehlkopfbuchstaben, die leichte und so mannigfaltige verwechselung der buchstaben mit allen verschiedenheiten, die sich schriftlich so schwer ausdrücken lassen ... in den elementen der sprache durch.
phil. u. gesch. 2, 138 (1820); auch die menschliche gestalt zog mich an und ihre höchst merkbaren verschiedenheiten; ich fühlte, dasz ich der welt wieder angehörte. Göthe 31, 96; so verständige, so gute menschen fingen wegen gewisser heimlicher verschiedenheiten unter einander zu schweigen an, jedes dachte seinem recht und dem unrechte des andern nach und die verhältnisse verwickelten und verhetzten sich. 16, 183; zwistigkeiten, irrungen und verschiedenheiten erregen. Hippel
lebensl. 2, 305; wären diese stämme aber ursprünglich, so liesze es sich gar nicht erklären und begreifen, warum nun in der wechselseitigen vermischung derselben unter einander der charakter ihrer verschiedenheit grade unausbleiblich anarte, wie es doch wirklich geschieht. Kant 10, 56; man kann nur eine einzige natürliche ursache anführen, nämlich: dasz sie alle zu einem einzigen stamme gehören, woraus sie, unerachtet ihrer verschiedenheiten, entsprungen sind. 26; eine thiergattung, die zugleich einen gemeinschaftlichen stamm hat, enthält unter sich nicht verschiedene arten (denn diese bedeuten eben die verschiedenheiten der abstammung).
ebenda; unter den abartungen
d. i. den erblichen verschiedenheiten der thiere, die zu einem einzigen stamme gehören, heiszen diejenigen ..
ebenda; Neger, Indianer oder Amerikaner haben auch ihre persönlichen oder familien- oder provinciellen verschiedenheiten. 51; es (
läszt sich) wenigstens nicht als unmöglich urtheilen, ihre angeerbte verschiedenheit auch in ihrem stamme uranfänglich als in blosen anlagen vereinigt und nur in der fortpflanzung allmählich entwickelt und geschieden anzusehen. 75; das übergewicht der zeugungskraft des einen oder andern theiles verehelichter personen, da bisweilen fast alle kinder in den väterlichen oder alle in den mütterlichen stamm einschlagen, kann bei der anfänglich groszen verschiedenheit der charaktere .. eine gewisse gleichförmigkeit hervorbringen. 77; überdem ist die verschiedenheit der organisation der negerhaut von der unsrigen, selbst nach dem gefühle, schon merklich. 62; von der verschiedenheit des ursprünglichen stammes kann es keine sicheren kennzeichen geben, als die unmöglichkeit durch vermischung .. fruchtbare nachkommen zu gewinnen; gelingt dieses aber, so ist die noch so grosze verschiedenheit der gestalt kein hindernisz, eine gemeinschaftliche abstammung derselben wenigstens möglich zu finden, denn so wie sie sich unerachtet dieser verschiedenheit doch durch die zeugung in ein product, das beider charakter enthält, vereinigen können, so haben sie sich aus einem stamme .. auch theilen können. 74; durch die grosze verschiedenheit der köpfe in der art, wie sie ebendieselben gegenstände ... bewirkt die natur ein sehenswürdiges schauspiel auf der bühne der beobachter und denker von unendlich verschiedener art. 246; man musz sie ihnen aber schon von früher jugend an beizubringen anfangen, dabei aber ja dahin sehen, dasz sie die menschen nicht nach ihrer religionsobservanz schätzen, denn ohngeachtet der verschiedenheit der religionen gibt es doch überall einheit der religion. 447.