verlachen,
verb. lachend verspotten, verbringen. in den germanischen mundarten sowie im ahd. mhd. alts. mnd. nicht nachgewiesen. frühester nachweis: ludificare verlachen
in spotterey Dief. 338
c (15.
jh.).
zusammensetzung mit lachen,
welches durch ver
transitiv gemacht und in der bedeutung verstärkt wird. 11)
nhd. deridere, irridere, eludere, risui habere, ridere. Maaler 423
b. Stieler 1051. Frisch 1, 562
b. Adelung 4, 1459; verlachen,
auslachen, bespotten, verhöhnen Kramer 2, 241.
das belachen
setzt ein geringachten, nicht ernst nehmen einer sache oder einer person voraus (wer das laster verlacht, verachtet es auch. Lessing 3, 13)
und so ist es unmöglich, den begriff des misachtens von verlachen
zu trennen. in den folgenden belegen wird daher nur in den selteneren fällen an wirkliches gelächter zu denken sein, vielmehr ist verlachen
meist schon in der allgemeineren bedeutung '
misachten'
zu nehmen; dies macht sich besonders geltend, wenn das object eine sache ist. verlachen
mit persönlichem objecte: und widerumb, das jr die weret, welche mit Esaia jhren herrn Sennacherib verlachten, er rede syrisch oder jüdisch. Luther 2, 48
b; es laut eben das wort aphki als wenn einer die nasen rümpfft und einen verlachet und verspottet. 4, 21
b; wer von seinem nehesten verlachet wird, der wird got anruffen, der wird jn erhören.
Hiob 12, 4; aber ich bin darüber zum spot worden teglich und jederman verlachet mich.
Jerem. 20, 7; und sie verlachten jn.
Matth. 9, 24; nim dise artznei des lebens hinweg, so würt zuhandt der redner mit seiner oration erkalten ... der poet mit sampt seinen musis würt verlacht. Frank
Erasm. lob der thorheit 16
b; hir (
in Mainz) ist wahr geistlichkeit verlacht. Hutten 5, 48; zu Rom verlachen uns die kinder und die alten, weiber und männer. 5, 226; (Leo Byzantius) der auff einigkeit der bürgerschafft rathen wolt, und dieweil er klein von person, verlacht wurde, sagte er ... Kirchhof
wendunm. 4, 142
Österley; denen aber die ihn deshalb verlachten, sagte er: es gefall euch disz wol oder übel, hab ich verlohren das nicht mein war. 4, 286; Febronia (
wird) von jederman verlacht und als eine geschändete dirne verachtet. Widmann
Fausts leben 407
Keller; wie sie aber nichts fanden, verlachten sie die zween, so von mir entflohen waren.
Simpl. 1, 171, 22
Kurz; dieses war eine wohlgemeinte und nachdenckliche rede, aus welcher aber diese gesellen ihren spott trieben und damit sie den vormund desto mehr verlachen möchten, verfügten sie sich .. Ernst
confecttafeln 1, 15; der gute mann muste sich zwar von diesen gecken verlachen lassen, was er ihnen aber geweissaget, wurde ... erfüllet.
ebenda; seit einiger zeit macht sie (
die zunft der rechtsgelehrten) nicht wenig schwierigkeit, wenn ein politiker will aufgenommen werden, weil die gelehrten politiker ... von den regierenden sind verlacht worden. Klopstock 12, 15; sie fürchten, dasz ich sie bedauern oder verlachen würde ... aber verlachen? wie fingen sie es denn an, dasz ich sie verlachen könnte? Lessing 12, 284; wenn man uns (
die Deutschen) verlacht und auslacht, ja wenn man uns verspottet und verachtet, danken wir unterthänig und lachen mit. Herder
lit. u. k. 12, 406 (1821); der meister aber schien mich beinahe zu verlachen Göthe 34, 279; on zahl war solcher büberey die abgottslist erdachte, und uber seiner schinderey uns Deudschen noch verlachte. Wackernagel
kirchenlied 3, 192; als aber sein burger in kürtzen zu im nausz giengen ausz der stat, zu trösten in, der gantze rat, da verlacht er sie an dem ort und hielt für torheit ire wort. H. Sachs 1, 241 (3, 105, 7
Keller); dieser fragt der thorheit ursachen, darob die götter uns verlachen. 1, 244 (3, 120, 27
Keller); schempt euch, jr lose kuttenrott, das jr die heiligen so verlachen und sie zur handwercksburs erst machen. Fischart
dicht. 1, 198, 2612
Kurz; ich wuste wol, du würdest mich verlachen, — und dasz ein kind bey dir nichts gilt. Opitz 1, 73; wollt ihr den klügsten thoren fragen: wer ist der gröszte mann? so fraget mich; ich will euch sagen: wer trunken sie verlachen kann. Lessing 1, 55; der junge gnom, der nie von menschen was gehört, verlachte mich mit meinen träumereien. Wieland 17, 132; mit keiner blumenkette mehr umschlinget die erde mich und mancher thor verlachte mich als betrügrin, welche märchen singet. Platen 289 (4, 132: 1848).
mit folgendem sächlichem objecte: (
da ihr) der erlichen Teutschen mannheit und dapfferkeit hönisch haltet, ihre auffrichtigkeit und trewe verachtet und verlachet. Luther 2, 50; in diesem handel ist das allerfeineste, das der bapst und die seinen verstockt, werden solchs nicht gleuben, sondern verlachen. 2, 66
b; sie soltens (
Christi leiden) beschönen, ehren und schmücken, so verlachen sie es und verdammens. 4, 63; (er bleibet wol) .. uns zu trost, das wir auch ein hertz und mut fassen und alle jre anschläge verlachen sollen. 5, 9; und lassen sich nichts uberal anfechten was man jnen von gottes zorn drewet, ja spotten und verlachens dazu auffs hönischt. 7, 88
b; als sy nun lang mit einander zanckten und aber der pfaff alle wort in einem gespött verlachet, hat jm der andere nicht mer in seinen sachen reden mö
gen. Wickram
rollwagenb. 14, 6
Kurz; die welt ist der thorheiten so voll, dasz sie keiner mehr acht, noch selbige verlacht oder sich darüber verwundert.
Simpl. 1, 317, 23
Kurz; für dem gemeinen mann gibt es (
die heuchelei) etwas nachdenckens und scheins; bey verständigen leuten wird es gemercket und endlich verlacht.
Philander 1, 11; da wird er ihn offt väterlich zugesprochen und gesagt haben: lieben kinder, betet nur fleiszig, es wird bald besser werden .. dieses werden die kinder wol verlacht haben. Schuppius 172; es sind auch einige wahrheiten, die einen groszen einflusz in den willen des menschen haben, aber insgemein als postillenwahrheiten verlacht werden. C. Wolff
vern. ged. § 9; ist es denn ein so groszer widerspruch, das laster verlachen und das laster beweinen? Lessing 3, 12; der ästhetische egoist ist derjenige, dem sein eigener geschmack schon genügt; es mögen nun andere seine verse, mahlereyen, musik
u. dgl. noch so schlecht finden, tadeln oder gar verlachen. Kant 10, 124; weil du mein wort nun hast veracht, sampt deim volck verspot und verlacht und hast mein wort nit wöllen hörn, so thut mein zorn sich entbörn. H. Sachs 3, 1, 138 (11, 13, 27
Keller); und das das aller schrecklichst ist, welchs an dir rech herr Jesu Christ, das du sein wort verachst, verlachst und daraus dein gelechter machst. Fischart
dicht. 1, 129, 223
Kurz; dein schnudelbüchlein und dein lügen werden doch nicht viel schaden mügen, weil auch papisten in den sachen dein schendlich lügenmaul verlachen. 1, 174, 1625
Kurz; heist das nicht d ewig freud verlacht und unser seligkeit veracht, als ob Christus solt den entwiechten ein sonder testament auffriechten. 1, 207, 2977
Kurz; der pusch ... wo manche Drias gehet und durch ihr kühnes lob den starcken sinn erhöhet, der alle liebesbrunst getrost verlachen kan. Opitz 1, 61; der verlacht gefahr und tod, welcher treulich pflegt zu lieben. 2, 184; erlernet mit gedult verlachen angst, trübsal, unlust, kercker, wachen, müh, auffruhr, schläge, hungersnoth, und wo was nicht mehr ist als tod. 3, 109; als ich .. gewaget durch meiner oden süszigkeit die torheit derer kund zu machen, die mit schimpf und unsinnigkeit die teutsche poesei verlachen. Weckherlin
ged. 36, 9
Gödeke; viel haben (
bei der folter) streich und brand und schraub und stein verlacht. A. Gryphius 1, 32 (1698); du liebe unschuld du, wie schlecht wirst du gelacht, wie oftmals wird dein thun von aller welt verlacht. P. Gerhard 1, 1
Gödeke; was dir beliebt und wolgefällt, das lasz auch mich hochachten, all üppigkeit verlachen. 82, 34; in glanz und ehr und übermuth könnt ihr der menschen urtheil und gered verlachen. Schiller
hist.-krit. ausg. 12, 372 (
Wallenst. tod 5, 2).
mit zu ergänzendem objecte: es duncket mich das inn dem himel dort die götter allein verlachen und sein spötter der torheit, darmit hie auff erden die menschen umgetrieben werden. H. Sachs 1, 244 (3, 120, 22
Keller).
an die stelle des persönlichen subjects tritt oft ein unpersönliches aber personificiertes substantiv: das mein hertz nicht mehr zappelt, sondern sich wider dis argument der papisten ... aufflenet und jr drawen und stürmen verlacht. Luther 2, 3; das solt ja billich das hertz frölich machen .. das es könde freidig und trotzlich des teufels und aller welt zorn und toben verachten und dazu verlachen. 7, 116; soll ich dir alles gestehen, Fiesco? dasz nur mein laster meine tugend bewahrte? nur mein stolz deine künste verlachte? Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 124 (
Fiesco 4, 12); diese schlüssel verlachen die fürsicht der hölle. 2, 306 (
räuber 4, 16). 22)
reflexiv, sich verlachen: (
er war) so trunken von seinen hoffnungen, dasz er es nicht merkte, wie er wieder dieselben worte vor sich aussprach, über welche er sich vorhin verlachte. Tieck 17, 64. 33)
particip und participialconstructionen: verlachet
irrisus Maaler 423
b; um Rabelais' Pantagruel zu schätzen, müszten wir die Pantagruels seiner zeit kennen, und noch kennen wir genug davon, um diesen verlachten dunst zurückzuwünschen. Herder 12, 401; der gerechte und frome mus verlachet sein.
Hiob 12, 4. 44) verlachen,
unter lachen, lachend hinbringen: den tag verlachen und die nacht verweinen; ach wie viele dieser holden gestalten gibt es nicht ... die den verlachten tag mit einer verweinten nacht bezahlen. J. Paul 40, 21.