verkehrung,
f. umkehrung, ablenkung. unter den substantivbildungen neben dem zeitworte verkehren
die am häufigsten gebrauchte, besonders in älterer zeit. bedeutung schlieszt sich an die älteren bedeutungen von verkehren
an. mhd. verkêrunge,
mnd. vorkeringe Schiller - Lübben 5, 376;
in den glossaren der übergangszeit verkerunge
eversio Dief.
nov. gloss. 158
a. Dief.-Wülcker 557. 11)
umkehrung, umdrehung (
sinnlich): mit verkerung seines angesichts. Frank
weltbuch 111
a; verkerung,
die umkerung, inversio Maaler 422
c. 22)
verwandlung. 2@aa)
ohne schlimme nebenbedeutung (
sinnlich),
vom verwandeln der farbe: Wernhardt der dann zu allem unglück auch die verkehrung ihrer angesichter gesehen hatt.
Galmy 178; die verkehrung der rosen (
dasz sie bleicher wurde und die blätter verlor) mir das verderben meiner jungfrawen anzeigen thut. Gabriotte sprach: weyst du nicht, dasz die eygenschafft einer jeden blumen, so sie schier verderben und abreiszen wil, dasz sie zuvor ihr farb verleuret?
buch der liebe 251, 2.
verstellung der wörter: verkerung der ordnung inn zweyen worten,
anastrophe Dasyp. 9
b; die
ἀναστρόφη oder verkehrung der worte stehet bey uns sehr garstig, als 'den sieg die Venus kriegt' für 'die Venus kriegt den sieg'. Opitz
deutsche poeterey 35; brotverkehrung,
verwandlung des brodes in den leib Christi beim abendmahl, z. b. Fischart
bienenkorb 89.
übertragen: von verkerung der zeit und des glücksrads hör diese fabel. Steinhöwel 43
b (1555); disses acht ich auch nit ein kleine ursach sein die vielfältig verkörung der regiment. Frank
weltb. vorr. 2
b; aber sich belauschen zu wollen ... ist weil alsdann die principien des denkens nicht vorangehen, sondern hintennach folgen, eine verkehrung der natürlichen ordnung im erkenntniszvermö
gen. Kant 10, 129. 2@bb)
mit schlimmer nebenbedeutung (
abkehr vom christenthum): wiewol einem so verdampten, und in seiner verstockten verkerung verharten und von dem gebrauch der christlichen kirchen abgesondertem menschen und offenbarem ketzer verhör zu geben in allen rechten ausgenomen ist. Luther 1, 459; eine feinere verkehrung des sinnes und der moral, stolz, frechheit, eine vornehme insolenz gehen eben so unvermerkt über, zumal in jahren der äffischen jugend, die so gern von ihrer vergötterten denkart, styl, geberden nachahmt und sich damit selbst vergöttert dünket. Herder
lit. u. k. 12, 45 (1821).
wortverdrehung: den Schlesier geist mit seiner verkerunge las auch herkomen, der also den text .. umbkeret. Luther 3, 506
b; ja, das noch mehr, unterstunden sich auch, meine liebe landesfürsten .. mit verkehrung meiner wort und intent mir ungnädig zu machen. Kirchhof
wendunm. 4, 4
Österley; verkehrung des verstands der worte,
calumnia, cavillatio Frisch 1, 508.