uriasbrief,
m. (
betont uríasbr.,
man hört auch úriasbr.)
brief des Uria (
2. Sam. 11, 14. 15),
ursprünglich ein brief, in dem der empfänger aufgefordert wird, den überbringer umkommen zu lassen, nach der biblischen erzählung von Uria, dem David den verderbenbringenden brief an Joab mitgibt. der sagenzug kehrt z. b. in der griechischen Bellerophonsage wieder, daher Bellerophontis literae, epistola, quam quis velut commendatitiam, sed contra sese scriptam perfert, vulgo Urias brief J. G. Seybold
lustgarten (1677) 52; Wander 4, 1496.
vgl. Hamlet 5, 2.
die bed. hat sich später zu der sehr allgemeinen eines unheilbringenden, nachtheiligen briefes abgeschwächt. 'u.
ein brief, dessen inhalt für den überbringer selbst nachtheilig ist' Voigt
hwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 529. '
ein brief, der böse tücke enthält' Brendicke 187
b.
belegt seit dem 15.
jh.; Schönsleder (1647) h 6
a; Frisch (1741) 1, 137
a; Serz
idiotismen 164
a; Büchmann
24 20. 11)
im ursprünglichen sinne: David ... bricht sein ehe und gibt seinem trewen diener ein uriasbrief Mathesius
Sarepta (1571) 114
b;
im Hamlet: den tod der beiden hofleute auf den u. Göthe 22, 159
W. 22)
allgemeiner: hab ich dann u. getragen, es ist also gar guot A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) d d 2
a; wie ihn dann der churfürst nach der zeit, als er den u. weggeworfen, gern bey ihm hatte B. Krüger
Clawerts w. hist. 25
ndr.; beamte betriegen, wenn sie denen aus ihren ämtern anderswohin ziehenden personen ihres lebens und wandels halber ein falsches attestatum geben und solche darinnen entweder über die gebühr loben oder aber mit uriasbriefen verdeckter weis versehen Hönn
betrugslex.2 45; ich weisz nicht, ob meinen lesern mit einem theil des anonymischen uriasbriefes gedient seyn werde Hippel
lebensläufe 2, 326; Bürger
br. 2, 400
Str.; Hermes
manch hermäon 1, 307; seine empfehlungsschreiben wurden uriasbriefe Jean Paul 7/10, 42
H.; Zschokke 27, 219; Fr. L. Jahn 1, 135
E.; Grabbe 4, 290
Bl.; Holtei
erz. schr. 20, 88; O. Ludwig 5, 199. 33)
unglücksbrief überhaupt: ich sehe jeden posttag dem uriasbriefe von Frommann entgegen Schleiermacher
leben 1, 351; es ist ein u. gewesen, welchen ihm das ministerium gesendet H. Laube 15, 276; mit dem paragraphen dieser abtretung ward dem Napoleon der u. eingesiegelt in die friedensdepesche 8, 216. 44)
sogar von einem briefe, der dem überbringer wirklichen nutzen bringt, aber seinen wünschen zuwiderläuft: papa will ihn (
den herumreisenden atheismusapostel Peter Gilgus) heute noch wegschicken, in ziemliche entfernung, und mit wohlmeinenden uriasbriefen dahin wirken, dasz er weiterhin versorgt und an eine vernünftige beschäftigung gebunden wird G. Keller 3, 202. 55)
bildlich: recepte, welche ... zu urias- oder frachtbriefen an Charon ... geworden Jean Paul
komet 57, 5
R.; friedensschlüsse, welche so oft die uriasbriefe der zukunft sind 35, 50
H.; dein kranz, o freund, hängt schief! du schreibst dem eignen ruhme, ach, den uriasbrief! Freiligrath 3, 23. —