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unwesentlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unwesentlich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 2196
unwesentlich, adj. adv., nicht wesentlich (s. d.). merkwürdigerweise erst seit Campe regelmäszig verzeichnet. mhd. unwesenlich, -weselich, -weslich; mnd. unweselik; mnl. onweselijc, -like; nl. onwezenlik, -wezig; n. uvæsentlig; schwed. oväsendtlig. das t tritt bei u. im 15. jahrh. auf. vgl. unwesenhaft. a) nicht wesenhaft, wesenlos, unwirklich, imaginär; mnl. wb. 5, 1573, 1; nl. wb. 10, 2214: so heisz ich unweslich, dem daz lieht der tugent in entlenter ... wise lúhtet H. Seuse d. schr. 174, 22 B.; als vil ain ding die sel habend übertrift ain ding der sel mangelnde, und ain wares, wesenlich dinge übertrift ain unwesenlichs, und ain lebend ain tǒtes N. v. Wyle transl. 116, 29 K.; in im selbs ist es (das nichding) unvolkomen, ungeordent, unwesenlich, unbeständig B. v. Chiemsee 139; welches hauchen das ewige wort der ungründlichen gottheit ist als ein aussprechen ... des unwesentlichen in ein wesentliches Jac. Böhme 4, 10; von da sind sie ein nichts, unwesentlich wie schatten, die bey der sonn entstehen Dusch (1754) 74; der unwesentlich (unessential) schrecklichen nacht Zachariä 6, 153 (Milton 2, 439); Bürde verl. paradies 1, 78; Macbeth (zum geist Banquos): fort! unwesentliches blendwerk H. L. Wagner theaterstücke (1779) Macbeth 387; auf den waldhügeln lags mattschimmernd wie der flügelstaub eines nachtfalters, und doch u., traumweich Kolbenheyer Montsalvasch 2. imaginär: die unwesentliche zauberey aller dieser blendwerke Wieland Agathon 1, 124; leichte träum unwesentlicher lust 9, 309 Gr.; jeder behagliche mensch verschafft sich alsdann (beim zeitunglesen) wie bei einer wette ein willkürliches interesse, unwesentlichen gewinn und verlust Göthe 29, 66 W. b) unsre hauptbed. 'nicht zum eigentlichen wesen gehörig, nicht das wesen berührend, accessorisch, secundär, hors d'æuvre, nebensächlich, unbeträchtlich, nicht ausschlaggebend, untergeordnet' u. dgl. erscheint erst gegen ende des 18. jahrh., wohl beeinfluszt von engl. unessential, unsubstantial (fürs nl. abgelehnt, wb. 10, 2214). attributiv: keinen unwesentlichen umstand Herder 5, 212 S., ding, farbe, sache, theil, bedingung, beiwerk, flitter, ursache, episode, verschlechterung u. s. f. Herder 18, 413 S.; Göthe II 4, 196 W.; schr. d. Götheges. 21, 168; J. J. Engel 1, 180; Brinckmann filos. ansichten 283; Gaudy 13, 38; Grabbe 4, 223 Bl.; Gervinus gesch. d. d. dicht. 2, 26; 1, 347; bgb. 487, 2; die ganze Griechenkunst in ihren wesentlichen vorzügen und in ihren unwesentlichen mängeln aufzeigen Justi Winckelmann 1, 371; seltener von concretis: unwesentliche gemengteile (im basalt) Lueger 2, 29. u. für: die Berliner akademie, eine im vorigen jahrhundert für die entwicklung unserer deutschen zustände so unwesentliche anstalt Gutzkow (1872 ff.) 12, 99; ein für die entscheidung unwesentlicher gesichtspunkt, einwand u. dgl. steigerungsformen: neuere, noch unwesentlichere streitigkeiten haben dem christenthum ... nicht geschadet Herder 19, 252 S.; die neue lage hat ihre unausbleiblichen schwierigkeiten ...; ein neues cabinet dürfte wohl eines ihrer unwesentlichsten opfer (auf die es am wenigsten ankommt) werden Gutzkow (1872 ff.) 7, 339. prädicativ: details, wovon die meisten sehr u. sind F. Schlegel d. museum 1, 232; unwesentlicher ist es, dasz die trompeten häufiger gebraucht werden O. Jahn Mozart 1, 301; bei V. H. sind die stoffe ... als solche ihm u. Gutzkow (1872 ff.) 8, 434; es ist u. zu fragen: wie entstand die natur? 12, 202; diese entscheidung gilt als u. Fr. A. Lange gesch. d. materialismus 28; D. Fr. Strausz 6, 117; natürlich ist aber dieser punkt ein ziemlich unwesentlicher Boltzmann populäre schr. 139; u. für: das für die absicht ... ganz u. ist Ayrenhoff 2, 102; einiges, was für den glauben u. sei Ranke s. w. 4, 73; selten u. zu: da sie (details) zur entwicklung der geschichte durchaus u. sind Herwegh br. 153. substantiviert: das unwesentliche zu schreiben und das wesentliche auszulassen Herder 5, 13 S.; 15, 388 S.; das wesentliche von dem unwesentlichen zu unterscheiden Adelung magazin 2, 1, 134 (im wb. hat er u. nicht verzeichnet); Göthe gespr. 7, 73 B.; mehrere im unwesentlichen verschiedene vorstellungen Schopenhauer 1, 80 Gr.; nur das unwesentlichere W. v. Humboldt ges. schr. 5, 366; das sei ja das tiefsinnige in so vielen götter- und menschensagen, dasz ... das wesenhafte sich aus dem staube des unwesentlichen habe befreien müssen G. Keller 2, 224. c) die bed. b geht unmerklich in die bed. 'unbedeutend, bedeutungslos' über: ist denn das leben ein traum, ein bloszer traum, so eitel, so u., so unbedeutend als ein traum? Wieland Agathon 1, 31; nach einer kurzen, unwesentlichen konversation Bode Thomas Jones 5, 44; freundschaft war ein zu unwesentliches, ein totes gefühl für sie Heinse 3, 399 Sch.; zwischentritt des ganz unwesentlichen h Jac. Grimm kl. schr. 7, 220; abgesehen von vielen unwesentlichen bemerkungen über spaziergänge, kirchenbesuche ..., finden sich daselbst auch ... jb. d. Grillparzerges. 4, 157; B. entschuldigt sich in einem sonst unwesentlichen briefe schr. d. Götheges. 5, 26; bes. in verbindung mit der negation: ein nicht unwesentlicher vortheil F. Schlegel Europa 2, 96; eine nicht unwesentliche rolle Mommsen m. gesch. 5, 184; die besorgnis einer nicht unwesentlichen verminderung der zolleinnahmen Bismarck polit. reden 4, 58; keine unwesentliche fortschritte H. Brunn kl. schr. 3, 67; gern als adv.: sie (d. operation der analogen ausdehnung) dürfte ... nicht u. an klarheit ... gewonnen haben Jhering geist d.m. rechts 2, 2, 369; die bewohner unterscheiden sich nur u. von den insassen der benachbarten oldenburgischen marschen Allmers marschenb. 1, 2, 389; sodann wirkt auch chemisch das meerwasser als ein agens, wenn auch unwesentlicher (in geringerem grade) 1, 2, 6. d) als t. t. im gs. zu wesentlichen salzen, ölen, 'welche den geschmack, geruch u. s. f. der körper behalten, aus denen sie gezogen sind' Adelung, der aber wieder u. nicht gibt: bey dem kapitel von wesentlichen salzen erklärt derselbe ..., dasz es keine unwesentlichen gebe allg. d. bibl. 109, 474. die folg. bedd. sind veraltet und mundartlich. e) inartificialiter, unwerklich, unkünstlich, unartlich, unwäsenlich Frisius 669a; gs. wesentlich affabre, concinne, composite, ordinate Schmeller-Fr. 2, 1022; vgl. 1019; Vilmar 450; weselig artig, niedlich Seiler Basel 314a; Stalder 2, 436, 2. f) untüchtig, ungehörig, unordentlich, ungebührlich u. dgl., gs. zu weselig Fischer schwäb. wb. 6, 726; Sanders erg. wb. 633b; pravus, corruptus, confusus Haltaus 1971; mnd. wb. 5, 98b; mnl. wb. 5, 1574. von personen: Agrippina ward ainem laidlichen, schwärmütigen, unwesenlichen menschen ... ze wyb gegeben Steinhöwel ber. frauen 276 Dr.; die lychtvertigen und unwesenlichen personen quelle (1498) bei Fischer schwäb. wb. 6, 276; dieweil man untugent unweszelich(er) frawen billich straffen mus Erfurter concordata (1587) E 1a; dazu das adv.: weil sich H. so unwesentlich halte quelle (1486) bei Fischer a. a. o.; do hant sich die zyt die regenten ... gar übel und ungebürlich gehalten, unwesenlich, unerberlich, unredlich in irem regiment Keisersberg post. 2, 46b; Schlusser peurisch krieg (1573) 51. von nichtpersönlichem; Haltaus 1971 (1429): zerstörliches und unwesenliches regiment quelle (1498) bei Fischer a. a. o.; Carbach Livius 32a. g) das adv. u., gs. zu mhd. wesentlîche, frühnhd. wesen(t)lich (Lexer 3, 802; Schmeller-Fr. 2, 1022), bedeutete 'ohne ansässig zu sein, sich ständig aufzuhalten': alle die, die ireu erbrecht unwesenlich halten und nicht wesenlich besitzen weisth. 6, 111; so ain erbman sein erbgut ungepewen oder sonst zu dorf oder veld unpeulich und unwesentlich hielte ... Nürnberger reform. 141; Haltaus 1971; Fischer a. a. o. Westenrieder 606 setzt an 'nicht bewohnt oder benützt oder nicht brauchbar'. das adj. von vernachlässigtem, unordentlichen zustande: das ... weg und steg unwesentlich und unpeurlich quelle (1495) bei Fischer a. a. o.; die unwesentlich haushaltung zimmer. chron. 3, 101, 14 B.
8076 Zeichen · 257 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unwesentlichadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Unwesentlich , — er, — ste , adj . u. adv . nicht wesentlich. 1) Kein Wesen, keine Wirklichkeit habend. Leichte Träum' u…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unwesentlich

    Goethe-Wörterbuch

    unwesentlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unwesentlich

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unwesentlich 2 Analysen

un- + wesentlich

unwesentlich leitet sich vom Lemma wesentlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+wesent+-lich

unwesentlich‑ als Erstglied (1 von 1)

unwesentlichkeit

DWB

unwesentlich·keit

unwesentlichkeit , -wesenlichkeit, -weslichkeit, f., gs. der wesentlichkeit. zu unwesentlich a ( vgl. mhd. wesentlîcheit): so musz ... aller…