unüberwindlich,
adj. adv.,
gth. v. überwindlich.
vgl. unüberwindbar.
spätmhd. unüberwindelich, -wintlich;
nl. onoverwinlijk;
dän. uovervindelig;
schwed. oöfvervinnelig.
veraltete formen: unüberwindelich, -denlich A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1519) A 4
b; O 3
a;
acc. unüberwindling H. Sachs 2, 107, 11
K.; unuberwündlich A. Freitag
architectura milit. (1631) 120; Blumauer
ged. (1782) 6; wiewole das slos unuwerwynlichen was Wigand Gerstenberg
chron. 97
Diemar. insuperabilis, invincibilis, inexpugnabilis, irrefragabilis gemma (1508) n 2
b; m 4
b; n 4
b;
invictus Diefenbach
gl. 306
b; Alberus (1540) 60
b; das nit ze überhöhen ist, unüberwindtlich, das man nit überwinden oder übersteygen mag Frisius 714
a;
indomitus 684
a;
δυσκολόμητος H. Decimator
thes.; insurmontable Wiederhold (1669) 394
b;
imprenable Spanutius (1720) 285; Apinus (1728) 282; Kinderling (1795) 134. a)
von personen α)
in kampf u. herrschaft; mhd. wb. 3, 680
b: dem unuberwintlichen volck
erste d. bibel 3, 21, 2;
bibel (1483) 466
a (
Makkab. 11, 13); Luther 19, 383
W.; die Sachsen seint alle zeit frey gewest, alle zeit u. Hutten 1, 389
B.; sie unüberwindtlichen Teutschen S. Franck
chron. Germ. (1538) 10
a; Schill
ehrenkranz (1644) 151; im fechten sind sie u. Vieth
leibesübungen (1793) 1, 220;
von Olofernes erste d. bibel 7, 38, 27; du unüberwindlicher überwinder Opitz
opera (1690) 3, 261; der unüberwindliche held, ritter
u. s. w. Gottsched
das neueste 1, 285; J. G. Forster 2, 295; ich weisz wohl, dasz Plinius eines achats gedenkt ... der, von ringern getragen, sie u. mache Lessing 10, 309
M.; das unüberwindtlich hör, kriegsheer Xylander
Polybius (1574) 25; Wieland
Lucian 4, 57; die unüberwindliche flotte, armada (
nl. de onoverwinnelijke vloot, nl. wb. 10, 1759) Schiller 4, 91
G.; 4, 110
G.; J. G. Forster 4, 97;
hwb. d. staatswiss. 5
2, 1031; das unüberwindliche Rom Schiller 3, 54
G.; Niebuhr
röm. gesch. 1, 14.
β)
in weiterem sinne: hast du jemals eine unüberwindliche frau gefunden?
theater d. Deutschen (1768
ff.) 5, 342; sobald über natur die rede gieng, war er u. Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 3, 174; ihm war kein weiblich herz unüberwindlich Schiller 13, 193
G.; nur wo du bist, sei alles, immer kindlich, so bist du alles, bist unüberwindlich Göthe 3, 24
W.; wie sie mir sich zeigen mag, mir unüberwindlich blieb sie bis auf diesen tag Rückert 1, 462; Sokrates, der im trunke u. war Körte
sprichwörter (1837) 523; persönlich u. Ranke
s. w. 37, 6; etwas unüberwindliches Eichendorf 3, 270; Hegel, der unüberwindliche Ruge
briefwechsel 2, 326
Nerrlich. γ)
in fürstlichen titulaturen: dem allerdurchluchtigisten, hochmechtigisten und unüberwintlichisten fürsten und herren, herrn Maximilian
urk. z. gesch. Max. I. 38
Chmel; Augsburger konfession 17
Kolde; nomenclator hamburg. (1634) 501; Kramer (1702) 2, 1355
b; v. Fleming
soldat (1726)
widmung; v. kaiser Ahasverus: unüberwindlichster! hier lieg ich, bitte gnad! Göthe 16, 26
W.; groszmächtigster! unüberwindlichster! Grillparzer 6, 26
S., von dem allerunüberwintlichisten künig zu Engelandt Luther 10, 2, 176
W.; der königin, der unuberwindlichsten von Niemandshausen
engl. comedien (1624) H h 6
b; an Napoleon, den unüberwundenen und unüberwindlichen Immermann 18, 68
B.; mythologisch: o Pluto, gewaltigister herr, unüberwintlichster herscher Schade
satiren 1, 114; Rist
das friedejauchzende Teutschland (1653) 11.
δ)
von gott: o allerheiligister, allmächtigster, erschrecklichster und unüberwindlichster gott J. Ayrer
processus juris (1600) 24; Jesus ware ein starcker, unuberwindlicher gott Spee
tugendb. (1649) 560.
ε)
von der kirche und ihren bekennern: Cristus hat die heilig kilch geteilt ... in die unuberwintleich (
die triumphierende) und in die stritbar kilchen Keisersberg
evangelia (1515) 99
c; woltet ihr starck sein und u. Luther 34, 2, 375
W.; die unuberwindlichen martyrer Hedio
chron. germ. (1530) F 6
a; eine unüberwindliche gemeine Herder 19, 112
S. b)
von thieren und ungeheuern: ein starck, sigenhaft und unuberwindtlich thier Paracelsus (1616) 1, 918 C
H.; den unüberwindtlichen löuwen Heyden
Plinius (1565)
vorr. 6
a;
von der Scylla J. H. Voss
Odyssee 220
B. c)
von hindernissen, festungen, waffen u. dgl.: und als der könig achtet, wolt er den wegk, der von eygner natuor hart zuo gewinnen wer, mit solchem werck durch alle genge unüberwintlich und unzuostürmen machen Carbach
Livius 216
a; denselbigen unüberwindtlichen klausen 229
a;
das land wirt ... von ... hohen und unwägsamen gebirgen als unuberwindtlichen ringkmauren umbzogen Stumpf
Schweizerchron. 469
a;
von basteien, felsen Kirchhof
milit. disciplina (1602) 12; Happel
ak. roman 401; ein kugelfreyer wall, mit bäumen unterstützet, mit mann und waffen voll, den sumpf und flut umschleuszt, und alles, was man sonst unuberwindlich heiszt Pietsch
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 3, 49; schranke zaun H. v. Barth
Kalkalpen 43; Hans Grimm
volk ohne raum 2, 603; stadt, schlosz, ort, vestung Münster
cosmographey vorrede 1; Stumpf
Schweizerchron. 113
b; Duez
nomencl. (1652) 219; Gugger
christl. herrnpredigten (1590) 1, 14. Fäsch
kriegs-, ingenieur-, seelexicon (1735) 264
a; vertheidigungswerke, waffen, vierpfünder Ranke
s. w. 25, 86; H. v. Cronberg 1
ndr.; J. G. Forster 2, 52; unüberwindliches hindernis,
eigentlich: die unüberwindlichen hindernisse, welche die natur in dieser gegend der schiffahrt entgegensetzt J. G. Forster 4, 39;
gern übertragen: ist die verschiedenheit der sprachen einem Franzosen ein unüberwindliches hindernisz in solchem vorhaben Gottsched
das neueste 8, 51; Schiller 3, 428
G.; Göthe 25, 216
W.; die unüberwindlichsten hindernisse legte ihm sein mitkönig ... in den weg
F. H. Jacobi 5, 394. d)
von abstractis, meist den begriff steigernd, nach dem vorbild der lat. verbb. von insuperabilis. α)
von positiven begriffen: H. ist gewesen ... fast schOen und unüberwintlicher lieby gegen ierem man Steinhöwel
ber. frauen 242
Dr.; gehorsam, stärke, gerechtigkeit, wahrheit, glauben, gottes wort, gezeugnüsz, namen Jhesu, neigung zum schlafen, standmut, gnade, sanftmut, geduld, beharrlichkeit, keuschheit, wunsch, meinung, nothwendigkeit, rückhalt
u. s. w. Luther 2, 691
W.; 29, 277
W.; 7, 26
W.; 7, 627
W.; 24, 568
W.; Hutten 2, 125
B.; kampf der schwärmer gegen Luther 19
ndr.; Ringwaldt
lauter warheit A 7
b; Wirsung
arzneib. (1588) 143
b; Fischart
Garg. 20
ndr.; Kramer (1702) 2, 1355
b; Lessing 3, 189
M.; Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 220; Schiller 4, 102
G.; Bode
Montaigne 3, 9; Göthe 46, 14
W.; Bürger 1, 180
B.; Ranke
s. w. 3, 74; 4, 134; unüberwindliche mächte
roman von Herm. Grimm (1867);
rein steigernd: mit unüberwindlichen reizen Sal. Geszner 1, 115; einer groszen, unüberwindlichen zukunft Bettine
dies buch gehört dem könig 2, 445; die tugendt ist ... unüberwindlich A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) A 4
b; wie zittern mir durch die gebeine freud und hoffnung, dem schmerz unüberwindlich, dahin Klopstock
oden 1, 32
M.-P.; schwer zu besiegen ist schon die neigung, gesellet sich aber gar die gewohnheit zu ihr unüberwindlich ist sie Schiller 11, 164
G.; das verlangen, sie wiederzusehen, war u. Göthe 27, 357
W. β)
von negativen begriffen: unüberwintliche fyntschaft Steinhöwel
Äsop 75
Ö.; scham, blodickeyt, sunde, stricke, übel, not, straff, last, arbeit, unwissenheit, abneigung, abscheu, hasz, widerwillen, schwierigkeit, schwachheit, zweifel, fehler, schmerz, leid
u. s. f. Luther 10, 1, 1, 663
W.; 15, 297
W.; Jac. Strausz
beichtpüchlin (1523) A 2
b; Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 51
b;
sch. w. klugreden (1548) 62
b; H. Sachs 18, 240, 21
G.; Moscherosch
insomnis cura 42
ndr.; Wolff
v. d. menschen thun u. lassen (1720) 92; Kramer (1702) 2, 1355
b; Gottsched
das neueste 7, 29;
theater der Deutschen (1768
ff.) 17, 51; Sturz (1779) 1, 138; Schubart
briefe 1, 202
Str.; Göthe 23, 237
W.; J. G. Forster 7, 356; Herder 12, 253
S.; Immermann 5, 137
B.; Jean Paul 1, 265
H.; Auerbach 6, 5; ist dieses vorurtheil nun bey meinen glaubensgenossen u., so ... Lessing 6, 161
M.; bey u. scheinenden widerwärtigkeiten Zimmermann
einsamkeit 1, vi.
insbesondere unüberwindlicher schade(n): Fischer
schwäb. wb. 6, 263;
Fierrabras F 4; zu meinem unüberwintlichen schaden Luther 18, 90
W.; zween unüberwindliche schaden 18, 331
W.; B. v. Chiemsee 92; H. Sachs 2, 107, 11
K.; Micrälius
Pommerland (1640) 4, 27; J. G. Schmidt
rockenphilosophie (1706) 1, 11; Ranke
s. w. 2, 170;
prädicativ: Brockes
ird. vergnügen (1721
ff.) 4, 365.
γ)
von sonstigen begriffen: ain starckes, unüberwintlichs gemüt
N. v. Wyle
transl. 106, 20
K; gründe Rist
rettung der edlen t. hauptsprache (1642) 2
b; ursachen El. Charlotte v. Orleans 4, 243; beweisthümer Kant 8, 54
H.; stoffe Göthe IV 12, 450
W.; thatsache Mörike 3, 65; majorität G. Freytag 15, 9; gottes gebot seind alle u. Jac. Strausz
wider den wucher (1523) 2
a; freilich sind die trüben tage und langen abende hier fast u. Göthe IV 19, 464
W.; einen dichter zu bilden, die absicht wär ihm (
dem schicksal) gelungen, hätte die sprache sich nicht unüberwindlich gezeigt I 1, 325
W. e)
adv.: welche ... unüberwintlich gefochten ... haben Dietenberger
ob s. Peter zu Rom sei gewesen B 4
b; u. beschlieszen Urbanus Regius
widder den neuen irsal d. A. Karlstad A 6
a, schreiben Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 194; wogegen die philosophie u. ihre absolute autonomie behauptete Hegel 1, 3; D ... redete u. für sein vaterland Justi
Winckelmann 2, 2, 218; u. fest, ungeheuer, schwer, stark, zähe Treuer
d. Dädalus (1675) 1, 21; Göthe 10, 270
W.; J. G. Forster 9, 214; Gries
verl. Roland 1, 16; Stifter 1, 175.
dazu unüberwindlichkeit, f.: unüberwindtlichait ires globens Keszler
sabbata 30; Zinkgref
apophthegmata (1628) 421. S. v. Birken
ostländ. lorbeerhain 389; darum ist der wille eines weisen, gottliebenden menschen eine u. in dem menschen Schottel
ethica (1669) 268; der römischen u. Lohenstein
Arm. 2, 251
a; dem ruf der u. Wieland
Agathon (1767) 2, 235; die absolute u. des zusammenhanges der materie in den grundkörperchen Kant 8, 527
H.; die u. solcher schutz- und trutzgebäude Göthe 41, 2, 141
W., der steinklippe Tieck (1828) 13, 25, der armee Häuszer
d. geschichte 2, 758;
plural: hinter unüberwindlichkeiten verschanzt Tieck (1828) 11, 343. —