unsinnlich,
adj. adv. ,
gth. v. sinnlich.
mhd. unsinnlich;
mnl. onsinnlijc, -like;
nl. onzinnelijk
und onzindelijk (
unreinlich).
nicht mehr bei Frisch
und Adelung;
erst wieder bei Campe.
vgl. unsinnig, auszer-, unbe-, über-, widersinnlich. 11)
veraltete bedeutungen: a) sinnig 1, unsinnig 1
entsprechend, insanus, vesanus, lunaticus Diefenbach
gl. 300
b; 339
b;
mnl. wb. 5, 930.
insensatus, inanimatus (
vgl. unsinnig 1
am ende): das gefesz desz döpffers ist ein unsinlich dingk und kan nicht reden C. Bockshirn
krefftige erweisung des freien willens (1524) e 2
b. unsinnig 2
entsprechend: einen u. (
von sinnen) machen (
bringen) A. Gryphius
lyr. ged. 444, 106
P. individuell: ich bin seit 24 stunden ... nicht bey sinnen, das heiszt bey zu vielen sinnen über- und unsinnlich Göthe IV 3, 46, 21
W. (1776
an Carl August). b)
wie unsinnig 4: von unvernünfftiger, unsinnlicher natur W. H. Ryff
anatomi (1541) l 1
b; ich weisz nicht, ob ihr nicht allein der vernunfft abgedanket; sondern gar blöder augen und unsinnlicher sinnen worden seid, in dem ir lästern und straffen dürffet, was alle menschen rühmen Buchholtz
Herkules (1666) 2, 41. c)
insensibilis, insensualis: damit alle sinnliche oder unsinnliche leibe hievon abgeschlossen werden J. zu Wege
confession (1555) 109
a; u. deutlich
M. C. Curtius
krit. abh. u. gedichte (1760) 194;
mit einschlag von 2: dem spiritualistischen, durchaus unsinnlichen wesen des protestantismus Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1866) 1, 34. d) in ainer unsinnlicher weisze (
ohne lust und freude) Tauler
serm. (1508) 51
a;
predigten 286, 18
V. e)
wie nl. onzindelijk: eine unsinnliche (
die eine köstliche salbe unsauber macht) mücke Butschky
Pathmos 283;
übertragen: der grobe, irrdische, unsinnliche thiermensch G. Arnold
geheimnis der göttlichen sophia (1700) 1, 40. Pansner
schimpfwb. 74
a. 22) sinnlich 3/4
entsprechend; erst in n. sprache ausgebildet. 2@aa)
wie sinnlich 3 a
ff.: die unsinnlichsten begriffe Herder 15, 18, religion, philosophie 3, 413, system 5, 633; eine unsinnlichere wahrheit C. G. Brinckmann
filos. ansichten (1806) 149; abgötterey
F. H. Jacobi 3, 51. eine unsinnlichere, sich gleichere menschheit Herder 5, 575; unsern unsinnlichen philosophen (
die das theolog. bild nicht lieben) Lavater
physiognom. fragm. 3, 12; E.
M. Arndt (1845) 2, 350. dieser stoff ist u. und also ein gegenstand des verstandes Eberhard
bei Campe
u. d. w. vollkommenheit; unsinnliche gegenstände W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 28; nun liegt die wundersame sinnliche und unsinnliche natur rund um uns her Novalis 4, 11
M.; welt Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 267; die musik ... als sinnlich-unsinnliche kunst Fr. Th. Vischer
ästhetik 3, 1, 148; ausdrücke, schilderungen, bilder W. v. Humboldt
an Welcker 126; G. Keller 1, 119; Treitschke
d. gesch. 3, 710; die blosze andeutung eines lebens in zerknirschung und reue ist u., daher undramatisch
jahrb. d. Grillparzerges. 8, 50. wenn sie (
d. vernunft) das unsinnliche mit hülfe des sinnlichen ausmiszt Schiller 4, 54. u. reden, sich ausdrücken, schildern
u. s. w. 2@bb)
wie sinnlich 4: unserer unsinnlichsten freuden
F. H. Jacobi 5, 190; erholungen, vorstellungen; tugend Herder 5, 576. unsinnliche (
platonische) liebe, neigung, gefühle; wir steigen um so höher, um so idealischer, unsinnlicher unsre liebe ist Tieck
novellenkranz 4, 127; ein unsinnlicher mensch; du kamest mir bisher gänzlich u. nach dieser richtung hin vor H. Löns
d. zweite gesicht (1912) 26; ein unsinnliches gesicht
quelle bei Sanders
erg. wb. 483
c;
vgl. Treitschke
unter 1 c.
dazu unsinnlichkeit, f., mangel u. gth. der sinnlichkeit.
mnl. onsinlijcheit (
amentia);
nl. onzindelijkheid (
unsauberkeit). unsinnlich 1 a
entsprechend, übertragen: amentia Terenz (1499) 92
a; die werden dester ee truncken und haben grosze unruog und unsinnlicheit von der trunckenheit
M. Hero
schachtafeln d. gesuntheit (1533) b b 2
a.
thorheit, unvernunft (unsinnlich 1 b): welchs so du nit magst herfürbringen, ists am tag dein unsinnlicheit Joh. Lonicerus
berichtbüchlin i 2
b; die u. hingegen stellt sich vor ... E. Weigel
wienerischer tugendspiegel (1687) 86.
insensualitas (unsinnlich 1 c): unsyndlikait B. v. Chiemsee 177.
nach unsinnlich 2, sinnlichkeit 2
ff.: das daseyn gottes ist nicht das natürliche nur sinnliche als solches, sondern das sinnliche zur u., zur geistigen subjektivität gebracht Hegel II 10, 123; u. des begriffes, der vorstellung, des bildes, der schilderung
u. s. w. Hebbel
briefe 4, 22. u. der liebe, neigung, gefühle.