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unscheinbar

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unscheinbar adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1322
unscheinbar, adj. adv. , gth. v. scheinbar. bei uns seit dem 15. jh. bezeugt; mnl. onschijnbaar non apparens, obscurus Kilian, Plantijn, nl. onschijnbaar (bed. 3). verbale betonung (sp. 29) besonders in bed. 1 b und 4. vgl. unscheinbarlich, -scheinend, -scheinig, -scheinlich, -scheinsam; unanscheinlich; unansehnlich. 11) gth. v. scheinbar 1; 'was keinen glanz hat, nicht hervorstrahlt, nicht hervorleuchtet, sich nur matt zeigt' Krünitz 199, 236. a) scheinbar 1 a entsprechend: dise farben nun sind desto scheinbarer, wann die luft hell und von dem sonnenliecht wol erleuchtet, unscheinbarer aber, wann die luft finster Scheuchzer physica (1711) 1, 92; farben so u. auffgetragen Chr. Weise erznarren 16 ndr.; ... farbige ränder entstehen, welche mit der fläche entweder gleichnamig oder ungleichnamig sind, in dem ersten falle aber die farbe der fläche begünstigen, in dem andern sie beschmutzen und u. machen Göthe II 2, 25 W.; bildlich u. machen anschwärzen Knittel sinnenfrüchte 1; bilder, so doch alt und u. waren, hat er vernewert J. Bentzius päbstl. chronica (1604) 148; für die einigermaszen u. gewordenen kirchbilder Göthe IV 32, 194 W.; 49, 214 W.; u. werden 'in der malerey eben so viel als den glanz, das frische verlieren, nachdunkeln, nachfärben, ermatten' Jacobsson 4, 487a; von steinen Wittichius bericht v. d. bezoardischen steinen (1589) 50, tafeln des fensterglimmers Zappe miner. handl. 1, 386, stickerei, dinte, tressen, wein Krünitz a. a. o.; ein dicker, trüber, bleicher und unscheinbarer wein Hohberg georgica 3, 288a; v. spiegeln, silber Mozin; wo liegt der ring? tief in dem chaos, dünn, unscheinbar, schwer umwölkt von nächten Grabbe 2, 472; vgl.c. b) scheinbar 1 b entsprechend, vom licht der gestirne, wetter, feuer u. dgl.: dasz aber .. der mond, als wenn er blasz und u. were, von uns angesehen wird, ist die ursach ... E. Weigel fortsetzung des himmelsspiegels (1665) 39; Francisci lusthaus (1676) 513; trübe vom wetter Staub-Tobler 8, 817, 1; wie fackeln und feuerwerk vor der sonne blasz und u. werden, so wird geist, ja genie überstrahlt und verdunkelt von der güte des herzens Schopenhauer 2, 270 Gr.; in düstern, unscheinbaren gluten Knebel Lukrez 226; übertragen vom aufstrahlen der freude Schleiermacher I 4, 178. c) gth. v. scheinbar 1 c, invenustus Stieler 1753, nicht schön, nicht prächtig, für sinnliche beobachtung. unerheblich u. unbedeutend: wenn man sie darzu (zur ehe) zwingen wolte, so wolt sie sich in ihrem angesichte also zurichten und u. machen, das sie wol solte ungefreiet bleiben J. Zader der braut ehrenkron (1610) 230; u. aussehen (von einer toten) Chr. Reuter Schlamp. krankheit u. tod 132 ndr.; Brentano 7, 98; Schmidt rockenphilos. 1, 200; ein hässliche und unscheinbare haut hervorspielen lassen Amaranthes frauenzimmerlex. 3 a; in unscheinbarer gestalt einhergehen Göthe 33, 129 W.; von personen Staub-Tobler 8, 818, 2; els. wb. 2, 417; Follmann 520b; ein alter, unscheinbarer mann Nicolai literaturbriefe (1759) 7, 5; Schiller 4, 65; Marienbild Alexis hosen 1, 311; vom anzug obers. wb. 2, 600a; Werthers frack ward aber zuletzt gar u. Göthe 19, 119, 25 W.; 'u. würde noch vor 25 jahren kaum für hd. durchgegangen sein; seitdem aber Werthers durch die länge der zeit u. gewordener rock so viel lärm und aufsehen gemacht hat, ist es ziemlich zu ehren gekommen u. wird vielleicht etwas zu häufig gebraucht. wer das wort noch nicht kennt, aber doch von scheinbaren gründen gehört hat, wird gleich wissen, was ein unscheinbarer grund sein soll, und in dieser bed. darf man es also gewisz sicher gebrauchen. unscheinbare röcke aber, unscheinbare häuser u. s. w. wird manchem noch immer unverständlich sein' Heynatz antibarbarus (1797) 2, 527; in unscheinbarer kleidung A. v. Arnim 11, 30; u. gekleidet Gutzkow ritter vom geiste 3, 431; Tieck 3, 259; von thieren und gegenständen der natur und gebilden der menschenhand: kuh, 'nicht glatt in den haaren, ungefüttert u., weil sie erst geworfen hat, leer, zusammengefallen' Staub-Tobler 8, 818; pferden, vögeln, insecten u. s. w. Fontane I 1, 4; Holtei erz. schr. 17, 26; J. A. Schlegel verm. ged. 1, 74; v. pflanzen, steinen J. H. Voss ged. 1, 24; Fouqué zauberring 1, 51; mineralien Göthe IV 28, 236 W.; kein unscheinbarer bach G. Freytag 9, 22; töpfe Rückert 2, 132, lichtchen Stifter 51, 364 u. s. w. adv.: das gedicht .. ist .. u. (anspruchslos) gedruckt A. W. Schlegel schr. d. Götheges. 13, 13. von gebäuden (vgl. oben Heynatz) und ortsvorstellungen: ir schOen gebuw, so vormaln als ein stern und spiegel gelcht hat, gantz zerrissen und unschinbar gemacht ist Riederer rhetoric (1493) j 1a; H. Kilian res publica Venetum (1557) b 4a; Göthe 26, 329 W.; ich schleiche noch manchmal aus meiner unscheinbarsten hütte in den botanischen garten IV 35, 140 W.; niedrige hütten lagen u. am strande Chamisso 2, 1; dach Wieland (1853) 7, 135, fenster Gutzkow 6, 384, winkel Schleiermacher I 5, 275 u. s. w.; wie enge und u. auch der schauplatz war Ranke 2, 22; welche (berge) zwar zimlich grosz, doch wegen der ferne gar u. waren Harsdörffer Diana 1, 236; mit .. ganz unscheinbarer relativer erhebung Ritter erdk. 1, 69; klumpen Holtei erz. schr. 3, 182; splitter Scheffel 2, 8 u. s. f. d) gth. v. scheinbar 1 d, für geistige wahrnehmung unbedeutend, geringgeschätzt u. dgl.: wie lang ist sie (die kirche) ... u. unter der banck gestocken? Calvins anweisung (1572) vorr. 1a; wiewohl mir nicht zweiffelt, es werde keines (der apophthegmata) so u. fallen, das nicht irgend zu etwas nutz ... sein werde Zinkgref apophthegmata (1628) b 5; Chr. Weise polit. redner 133; so u. mein geschäft sey, es geschieht um gottes und der pflicht willen Fichte 5, 227; Ranke 37, 4; ein streben .. das ... vielleicht unscheinbarer, aber werthvoller ... wäre Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 625; Mommsen reden u. aufs. 5. ein unscheinbarer titel Herder 17, 412, anfänge Göthe II 4, 6 W., handlung Schiller 6, 81, reiz F. Schlegel Athenäum 1, 148, büchelchen Europa 2, 7, rolle Schleiermacher an Gasz 45, wirkung Solger nachgel. schr. 1, 767, zug Laube 1, 70, aufgabe G. Keller 1, 270, mittel Scherer litgesch. 113 u. s. w.; die unscheinbarsten gewohnheiten Treitschke aufsätze 1, 315, keime Fr. L. Jahn 2, 768, regungen u. s. f.; ein unscheinbares äuszere kann nach b (non venustum) u. c (das nach nichts besonderem aussieht, auf sonderliche bedeutung nicht schlieszen läszt u. ä.) verstanden werden; nicht von rang u. ansehen Göthe 421, 180 W.; 22, 188 W.; subst.: J. H. Voss antisymb. 2, 134; den unscheinbaren spielen E. M. Arndt 1 (1892), 112; adv.: eine opposition, die noch u. aussah Ranke 1, 215; Holtei erz. schr. 8, 167; zu u. sonst ists mit deiner kunst O. Ludwig 3, 354. 22) gth. v. scheinbar 2, nicht in die augen fallend, nicht wahrnehmbar, undeutlich, unauffällig. scheinbar 2 b entsprechend: die schrift (der volumina Herculanensia) wurde theils verworren, theils gänzlich u. Winckelmann bei Justi 21, 178; einfalt, wodurch der geist ... u. wird (worin er sich verbirgt) E. M. Arndt 1 (1892), 206; u. anstehender graueisenkies Muspratt chemie 7, 1161; unscheinbare türen H. Grimm Michelangelo 1, 314, punkte Luschin v. Ebengreuth münzk. 58; für ἀφανής Martin pflanzennamen 12 (vgl. unscheinlich Krünitz). scheinbar 2 b/c entsprechend: von da sind unzeigbar und u. die zarten und geheimen geister des deutschen wesens in alle lande ausgeflossen E. M. Arndt (1845) 2, 52; W. v. Humboldt 4, 51; die vorsprünge der bedachung zogen sich ins unscheinbare zurück L. Steub wanderungen im bayr. gebirge 110; die bleifeder ist sehr u. (undeutlich) Kosegarten Ewalds rosenmonde 216. scheinbar 2 f entsprechend: das gedicht, u. an L. M. überschrieben Varnhagen v. Ense tageb. 4, 35. u. machen verdecken, unsichtbar, undeutlich machen: Fischart ehzuchtb. 150, 23 H.; mediz. maulaffe 264; Brentano 5, 295; unscheinbarmachung des leibes G. Arnold myst. theologie (1703) 147. nicht allgemein üblich und heute mit bedeutung 1 c, d vermengt. 33) gth. v. scheinbar 3: unscheinbare gründe Heynatz oben 1 b; Bettine d. buch geh. d. könig 2, 395; unwahrscheinlich Kramer-Moerbeek 369a; nl. wb. 10, 1785. veraltet. 44) selten als gth. v. scheinbar 4; 'ohne dasz es wirklich so zu sein scheint': charaktere, wovon die kopien, wenn auch u., in der ganzen welt herumlaufen O. Ludwig 5, 142. —
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unscheinbar

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Unscheinbar , -er, -ste, adj. et adv. der Gegensatz von scheinbar, doch nur in der engern Bedeutung, keinen Glanz, kein …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unscheinbar

    Goethe-Wörterbuch

    unscheinbar [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unscheinbarAdj.

    Pfälzisches Wb.

    un-scheinbar Adj. : 'klein, wenig auffallend, unansehnlich', ounschembeʳ (ounšembəʳ) [ WD-Niedkch ]; vgl. unschämig ; o.…

  4. Spezial
    unscheinbar

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|schein|bar adj. 1 (einfach) scëmpl (-i, -a) 2 discret (-ec, -a) 3 (unbedeutend) insignificant (-nc, -a), da nia 4 (be…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unscheinbar

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unscheinbar 3 Analysen

un- + scheinbar

unscheinbar leitet sich vom Lemma scheinbar ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+schein+-bar unschein+-bar

unscheinbar‑ als Erstglied (2 von 2)

unscheinbarkeit

DWB

unscheinbar·keit

unscheinbarkeit , f. , gth. der scheinbarkeit. Kramer (1702) 2, 492 b . wie unscheinbar 1 a: u. der farbe, stickerei, dinte u. s. f. 1 b: du…

unscheinbarlich

DWB

unscheinbar·lich

unscheinbarlich , adj. adv. , gth. v. scheinbarlich. veraltet. unscheinbar 1 c entsprechend: man sich wol verwundern ... sol, ... dasz so in…