unscheinbar,
adj. adv. ,
gth. v. scheinbar.
bei uns seit dem 15.
jh. bezeugt; mnl. onschijnbaar
non apparens, obscurus Kilian, Plantijn,
nl. onschijnbaar (
bed. 3).
verbale betonung (
sp. 29)
besonders in bed. 1 b
und 4.
vgl. unscheinbarlich, -scheinend, -scheinig, -scheinlich, -scheinsam; unanscheinlich; unansehnlich. 11)
gth. v. scheinbar 1; '
was keinen glanz hat, nicht hervorstrahlt, nicht hervorleuchtet, sich nur matt zeigt' Krünitz 199, 236. a) scheinbar 1 a
entsprechend: dise farben nun sind desto scheinbarer, wann die luft hell und von dem sonnenliecht wol erleuchtet, unscheinbarer aber, wann die luft finster Scheuchzer
physica (1711) 1, 92; farben so u. auffgetragen Chr. Weise
erznarren 16
ndr.; ... farbige ränder entstehen, welche mit der fläche entweder gleichnamig oder ungleichnamig sind, in dem ersten falle aber die farbe der fläche begünstigen, in dem andern sie beschmutzen und u. machen Göthe II 2, 25
W.; bildlich u. machen
anschwärzen Knittel
sinnenfrüchte 1; bilder, so doch alt und u. waren, hat er vernewert J. Bentzius
päbstl. chronica (1604) 148; für die einigermaszen u. gewordenen kirchbilder Göthe IV 32, 194
W.; 49, 214
W.; u. werden '
in der malerey eben so viel als den glanz, das frische verlieren, nachdunkeln, nachfärben, ermatten' Jacobsson 4, 487
a;
von steinen Wittichius
bericht v. d. bezoardischen steinen (1589) 50,
tafeln des fensterglimmers Zappe
miner. handl. 1, 386,
stickerei, dinte, tressen, wein Krünitz
a. a. o.; ein dicker, trüber, bleicher und unscheinbarer wein Hohberg
georgica 3, 288
a;
v. spiegeln, silber Mozin; wo liegt der ring? tief in dem chaos, dünn, unscheinbar, schwer umwölkt von nächten Grabbe 2, 472;
vgl.c. b) scheinbar 1 b
entsprechend, vom licht der gestirne, wetter, feuer u. dgl.: dasz aber .. der mond, als wenn er blasz und u. were, von uns angesehen wird, ist die ursach ... E. Weigel
fortsetzung des himmelsspiegels (1665) 39; Francisci
lusthaus (1676) 513;
trübe vom wetter Staub-Tobler 8, 817, 1; wie fackeln und feuerwerk vor der sonne blasz und u. werden, so wird geist, ja genie überstrahlt und verdunkelt von der güte des herzens Schopenhauer 2, 270
Gr.; in düstern, unscheinbaren gluten Knebel
Lukrez 226;
übertragen vom aufstrahlen der freude Schleiermacher I 4, 178. c)
gth. v. scheinbar 1 c,
invenustus Stieler 1753,
nicht schön, nicht prächtig, für sinnliche beobachtung. unerheblich u. unbedeutend: wenn man sie darzu (
zur ehe) zwingen wolte, so wolt sie sich in ihrem angesichte also zurichten und u. machen, das sie wol solte ungefreiet bleiben J. Zader
der braut ehrenkron (1610) 230; u. aussehen (
von einer toten) Chr. Reuter
Schlamp. krankheit u. tod 132
ndr.; Brentano 7, 98; Schmidt
rockenphilos. 1, 200; ein hässliche und unscheinbare haut hervorspielen lassen Amaranthes
frauenzimmerlex. 3 a; in unscheinbarer gestalt einhergehen Göthe 33, 129
W.; von personen Staub-Tobler 8, 818, 2;
els. wb. 2, 417; Follmann 520
b; ein alter, unscheinbarer mann Nicolai
literaturbriefe (1759) 7, 5; Schiller 4, 65; Marienbild Alexis
hosen 1, 311;
vom anzug obers. wb. 2, 600
a;
Werthers frack ward aber zuletzt gar u. Göthe 19, 119, 25
W.; 'u.
würde noch vor 25
jahren kaum für hd. durchgegangen sein; seitdem aber Werthers durch die länge der zeit u.
gewordener rock so viel lärm und aufsehen gemacht hat, ist es ziemlich zu ehren gekommen u. wird vielleicht etwas zu häufig gebraucht. wer das wort noch nicht kennt, aber doch von scheinbaren gründen
gehört hat, wird gleich wissen, was ein unscheinbarer grund
sein soll, und in dieser bed. darf man es also gewisz sicher gebrauchen. unscheinbare röcke
aber, unscheinbare häuser
u. s. w. wird manchem noch immer unverständlich sein' Heynatz
antibarbarus (1797) 2, 527; in unscheinbarer kleidung A. v. Arnim 11, 30; u. gekleidet Gutzkow
ritter vom geiste 3, 431; Tieck 3, 259;
von thieren und gegenständen der natur und gebilden der menschenhand: kuh, '
nicht glatt in den haaren, ungefüttert u., weil sie erst geworfen hat, leer, zusammengefallen' Staub-Tobler 8, 818;
pferden, vögeln, insecten u. s. w. Fontane I 1, 4; Holtei
erz. schr. 17, 26; J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 74;
v. pflanzen, steinen J. H. Voss
ged. 1, 24; Fouqué
zauberring 1, 51;
mineralien Göthe IV 28, 236
W.; kein unscheinbarer bach G. Freytag 9, 22; töpfe Rückert 2, 132, lichtchen Stifter 5
1, 364
u. s. w. adv.: das gedicht .. ist .. u. (
anspruchslos) gedruckt A. W. Schlegel
schr. d. Götheges. 13, 13.
von gebäuden (
vgl. oben Heynatz)
und ortsvorstellungen: ir schOen gebuw, so vormaln als ein stern und spiegel gelcht hat, gantz zerrissen und unschinbar gemacht ist Riederer
rhetoric (1493) j 1
a; H. Kilian
res publica Venetum (1557) b 4
a; Göthe 26, 329
W.; ich schleiche noch manchmal aus meiner unscheinbarsten hütte in den botanischen garten IV 35, 140
W.; niedrige hütten lagen u. am strande Chamisso 2, 1; dach Wieland (1853) 7, 135, fenster Gutzkow 6, 384, winkel Schleiermacher I 5, 275
u. s. w.; wie enge und u. auch der schauplatz war Ranke 2, 22; welche (
berge) zwar zimlich grosz, doch wegen der ferne gar u. waren Harsdörffer
Diana 1, 236; mit .. ganz unscheinbarer relativer erhebung Ritter
erdk. 1, 69; klumpen Holtei
erz. schr. 3, 182; splitter Scheffel 2, 8
u. s. f. d)
gth. v. scheinbar 1 d,
für geistige wahrnehmung unbedeutend, geringgeschätzt u. dgl.: wie lang ist sie (
die kirche) ... u. unter der banck gestocken?
Calvins anweisung (1572)
vorr. 1
a; wiewohl mir nicht zweiffelt, es werde keines (
der apophthegmata) so u. fallen, das nicht irgend zu etwas nutz ... sein werde Zinkgref
apophthegmata (1628) b 5; Chr. Weise
polit. redner 133; so u. mein geschäft sey, es geschieht um gottes und der pflicht willen Fichte 5, 227; Ranke 37, 4; ein streben .. das ... vielleicht unscheinbarer, aber werthvoller ... wäre Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 625; Mommsen
reden u. aufs. 5. ein unscheinbarer titel Herder 17, 412, anfänge Göthe II 4, 6
W., handlung Schiller 6, 81, reiz
F. Schlegel
Athenäum 1, 148, büchelchen
Europa 2, 7, rolle Schleiermacher
an Gasz 45, wirkung Solger
nachgel. schr. 1, 767, zug Laube 1, 70, aufgabe G. Keller 1, 270, mittel Scherer
litgesch. 113
u. s. w.; die unscheinbarsten gewohnheiten Treitschke
aufsätze 1, 315, keime Fr. L. Jahn 2, 768, regungen
u. s. f.; ein unscheinbares äuszere
kann nach b (
non venustum)
u. c (
das nach nichts besonderem aussieht, auf sonderliche bedeutung nicht schlieszen läszt u. ä.)
verstanden werden; nicht von rang u. ansehen Göthe 42
1, 180
W.; 22, 188
W.; subst.: J. H. Voss
antisymb. 2, 134; den unscheinbaren spielen E.
M. Arndt 1 (1892), 112;
adv.: eine opposition, die noch u. aussah Ranke 1, 215; Holtei
erz. schr. 8, 167; zu u. sonst ists mit deiner kunst O. Ludwig 3, 354. 22)
gth. v. scheinbar 2,
nicht in die augen fallend, nicht wahrnehmbar, undeutlich, unauffällig. scheinbar 2 b
entsprechend: die schrift (
der volumina Herculanensia) wurde theils verworren, theils gänzlich u. Winckelmann
bei Justi 2
1, 178; einfalt, wodurch der geist ... u. wird (
worin er sich verbirgt) E.
M. Arndt 1 (1892), 206; u. anstehender graueisenkies Muspratt
chemie 7, 1161; unscheinbare türen H. Grimm
Michelangelo 1, 314, punkte Luschin v. Ebengreuth
münzk. 58;
für ἀφανής Martin
pflanzennamen 12 (
vgl. unscheinlich Krünitz). scheinbar 2 b/c
entsprechend: von da sind unzeigbar und u. die zarten und geheimen geister des deutschen wesens in alle lande ausgeflossen E.
M. Arndt (1845) 2, 52; W. v. Humboldt 4, 51; die vorsprünge der bedachung zogen sich ins unscheinbare zurück L. Steub
wanderungen im bayr. gebirge 110; die bleifeder ist sehr u. (
undeutlich) Kosegarten
Ewalds rosenmonde 216. scheinbar 2 f
entsprechend: das gedicht, u. an L.
M. überschrieben Varnhagen v. Ense
tageb. 4, 35. u. machen
verdecken, unsichtbar, undeutlich machen: Fischart
ehzuchtb. 150, 23
H.; mediz. maulaffe 264; Brentano 5, 295; unscheinbarmachung des leibes G. Arnold
myst. theologie (1703) 147.
nicht allgemein üblich und heute mit bedeutung 1 c, d
vermengt. 33)
gth. v. scheinbar 3: unscheinbare gründe Heynatz
oben 1 b; Bettine
d. buch geh. d. könig 2, 395;
unwahrscheinlich Kramer-Moerbeek 369
a;
nl. wb. 10, 1785.
veraltet. 44)
selten als gth. v. scheinbar 4; '
ohne dasz es wirklich so zu sein scheint': charaktere, wovon die kopien, wenn auch u., in der ganzen welt herumlaufen O. Ludwig 5, 142. —