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ungeistlich

mhd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungeistlich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 725
ungeistlich, adj. adv., gth. von geistlich; mhd. ungeistlich; mnl. ongeestelijc. vgl. ungeistig, aber-, übergeistlich; mhd. nihtgeistlîche adv. wie geistlich 1 inspiritualis im kirchlichen sinne: dinen ungeistlichen fúralteten menschen ... vernuwen Tauler pred. 123, 32 V.; (1508) 85b; ain verkerter, ungehorsamer oder ungaistlicher mensche Keisersberg pred. (1508) 65c; es ist ein grosze torheyt ... das man vermaynt, eeliche gehorsam mache yn ungeystlich Eberlin v. Günzburg 2, 25 neudr.; es ist die natur der sache, dasz die ungeistlichen menschen nicht selig werden Zinzendorf sonderb. gespräche 5 neudr.; der ungaistleichen gelúste mönch v. Heilsbronn 66. veraltet. Herder 6, 306 (s. o. ungeistig) wählt als gegensatz zu geistlich, spirituell nicht ungeistlich, sondern ungeistig. geistlich 3 entsprechend, in älterer zeit noch vielfach in unlösbarem zusammenhang mit der bei geistlich 1 entwickelten kirchlichen hauptvorstellung; in wortspielender verbindung mit geistlich, geist u. dgl.; in weiter, regelmäszig miszbilligender bedeutung (irreligiosus, ongodsdienstig mnl. wb. 5, 548; unheilig, ungeistlich, ruchlosz Sperander 1727, 515b): dasz enphieng er unwertlich und meind, es were ungeistlich Suso d. schr. 253, 21 B.; es ist eitel unreine, ungeistliche und unheilige predigt Luther 23, 577, 8 Weim.; 8, 296; die grossen lerer gehn mit merlin umb, da die allten vetteln hynder dem offen von klaffen, und ist ungeweyhett, ungeystlich, unheylig geschwetz 10, 2, 80, 5 Weim.; allgem. d. bibl. 3, 79; der ungeistlichen aber und altvettelschen Fabeln (βεβήλους καὶ γραώδεις μύθους; βέβηλος = ἀνόσιος Ebeling wb. 73a) entschlahe dich 1 Tim. 4, 7; Schupp schriften (1663) 825; Schütze herrenhuthianismus (1749) 2, 59; Miller pred. 3, 226; schelliger und ungeistlicher wort Murner adel 26 neudr.; leben Wackernagel kirchenl. 3, 425; grobe und ungeistliche gedancken Harsdörffer secr. 2, 87. nachdem sich die gaistligkait ... in iren cleidungen ganz ungaistlich, seltzam und unzuchtig hielten Fries Würzb. chr. 354c; also nicht in dem engeren heutigen sinne; von personen: aber disze unchristliche, ungeystliche geyster haben szo mancherley synn und weysze alsz farben Luther 11, 383, 4 Weim.; dem ... ergerlichen leben der ungeistlichen geistlichen Hutten 2, 136; zuo lessten tagen ... werden ... menschen aufsteen, die .. seinn .. undanckbar, lessterlich, ungeystlich, [] unfridlich, frAevennlich B. v. Chiemsee 107; das du unsere kriegsvolck widerzAem und ungeistlich nennest Pinicianus Scanderberg (1561) 258b; für einen unchristen und ungeistlichen mann J. Böhme 6, 253; ungeistlicher geistlicher pol. maulaffe vorr. ixb; th. 4, 1, 2, 2784, 3 d; bei Riemer schon in die heute herrschende standesbed. übergehend. ungeistlich-kluger geist Weckherlin 2, 187, 3 F. geistliche dinge (heilswahrheiten) ungeistlich (s. geistlich 1 d) beurtheilen Gottsched d. neueste 639. substantiviert: den unheiligen und ungeistlichen (contaminatis) 1 Tim. 1, 9. ein ungelaszner, ungleubiger, ungeistlicher Franck G. chr. (1531) 255b. der ungeistlichen predigten sind elend, verwirret zeug Dippel orthodoxia orth. 1, 84; während er mir recht giebt, dasz ein echter geistlicher ehelos leben sollte, unterschreibt er täglich die erlaubniszscheine zu den heirathen der unechten, abtrünnigen, sinnlichen ungeistlichen (unechten g.) Arnim 10, 85. polemisch wie geistlos 2 b: unser ungeistlichen rumpffen die nasen daruber, wenn man den ehestand lobet Luther 16, 489, 35 Weim. während diese weitere bed. veraltete (Adelung liesz das wort nur noch in der theologischen schreibart gelten: 'fertigkeit besitzend, sich nach sinnlichen eindrücken zum nachtheile des geistes, d. i. vernünftiger vorstellungen zu bestimmen, und darin gegründet, sinnlich'; wir würden dafür eher ungeistig sagen), setzte sich in der neueren spr. der einseitige bezug auf den geistlichen stand durch. weltlich, vgl. geistlich 3 a: ongeystlicke stede, personen of saken, prophanus Teuth. mnl. wb. 5, 549; bei geistlich- als ungeistlichem wesen A. U. v. Braunschweig Oct. 3, 95; zur formel sp. 26, 3; der ungeistlichen souverainité Arnold ketzerhist. 8a; dieser ungeistliche ornat J. Paul 4, 69; in dieser ungeistlichen, nichtgeistlichen, lyrik Gervinus gesch. d. d. dicht. 1, 299. nichtgeistliche, laien: da war ein zabeln, lauffen und lOeschen von geistlichen und ungeistlichen Fischart binenk. 22b; geistliche und ungeistliche personen Campe; ein ungeistlicher hielt eine rede Krünitz 196, 268. wenig üblich. besonders von personen, gesinnung, sachen, handlungen, zuständen u. s. w., die dem geiste und den erfordernissen des geistlichen standes nicht entsprechen: wenn man einen ungeistlichen geistlichen vorstellen wolte, dörffte man nichts thun, als sein (des Chrestophilus) curriculum vitae drucken lassen Thomasius ged. u. er. 3, 60; doch der leser mag selbst das urtheil fällen, ob ein ungeistlicher geistlicher besser auf die canzel oder unter dieselbe gehöre Triller betr. 4, 596; J. M. v. Loen w. rel. 273; mit hintansetzung der klosterwohnungen lebt man in privathäusern üppig und gar zu u. Schmidt g. d. Deutschen 2, 450; ein ungeistliches leben führen vivre selon le monde Schwan (1784); allen eigennutz und geiz haszt' er als ein häszliches ungeistliches laster Kortum Jobs. 3, 17; Knox hielt die regungen des ehrgeizes für u. schr. d. Götheges. 7, 287; sehr ungeistliche verwünschungen Zschokke 28, 140; ungeistlicherweise 10, 134; eine durchaus ungeistliche sinnesweise Ranke 37, 156; nach einem thronwechsel wurden sie (die germ. königstöchter) ... ohne jede rücksicht auf ihre ungeistlichen neigungen in ein kloster gesteckt Freytag 17, 197. ein schwacher nachklang der früheren umfassenderen bed. mag zugestanden werden; vgl. ungeistlichkeit bei Gutzkow unten.
5807 Zeichen · 139 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ungeistlichadj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    un-geistlich adj. Fronl. 25. 66.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungeistlich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Ungeistlich , -er, -ste, adj. & adv. ein nur in der theologischen Schreibart übliches Wort, Fertigkeit besitzend, sich n…

  3. modern
    Dialekt
    ungeistlich

    Mecklenburgisches Wb.

    Wossidia ungeistlich gespenstisch: dor kümmt ne ungeistlich Gestalt Wa Waren@Ziddorf Zidd .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungeistlich

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungeistlich 3 Analysen

un- + geistlich

ungeistlich leitet sich vom Lemma geistlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+geist+-lich ungeist+-lich

ungeistlich‑ als Erstglied (1 von 1)

ungeistlichkeit

DWB

ungeistlich·keit

ungeistlichkeit , f. , gth. der geistlichkeit. wie geistlichkeit 2 b: was tuot dann holdschafft, urgytikeit, ungeistlicheit Riederer e V a ;…