lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

umschweifen

nhd. bis sprichw. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
4 in 4 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
Verweise rein
1
Verweise raus
2

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

umschweifen vb.

Bd. 23, Sp. 1131
umschweifen, vb. 11) trennbar. 1@aa) umher-, herumschweifen, -streichen, sich herumtreiben. 1@a@aα) vagari umbschweiffen Diefenbach 605a; errabundus umbschweiffend, der hin und här fart, landstreycher Frisius (1556) 481b; parlari hin und her schweiffen, umbschweiffen Calepinus XI ling. (1598) 1016a; im lande umschweiffen, herumschweiffen, hin und herschweiffen vagare, errare ... Kramer 2 (1702) 707b: ein umbschwaifendes volk (1488) städtechron. 3, 49; spilleut in weibskleidern umschweifen Gengenbach 428 d.; als ein ochs vor im gelegt hett das ioch und uff der weyd umbschweyffet in müssiggang Cyrillus spiegel der wyszheit (1520) 56b; gar übel stat einer witwen, also müszig von einem husz offenlich in das ander umbschweiffen L. Jud Erasmus episteln (1521) ggg 1b; gwaltige leut hatt sy vertriben und sy in frömden landen machen umbschweyffen Züricher bibel (1531) 1, 281a; das er bleib inn seym vatterland ... und nicht umbschwaiff fürwitzigklich H. Sachs 3, 400 K.; durch welche (schiffe) der ... feindt erstmals ersucht, zu scharmützeln ausz- und anzureitzen oder umbzuschweifen Fronsperger kriegsbuch (1578) 1 e 3a; damit der junge schwarm im stock nicht hin und her umschweyffe Sebiz feldbau (1579) 302; ein umschweifender, so von einer stadt in die andre wandert und im rechten vagabundus genennet wird Breslauer gerichtsordnung von 1591, 18; anno 930 sah man ... etliche heerzüge am himmel umbschweiffen Binhardus thüring. chronica (1613) 64; wenn das schaaff auszerm stall umbschweifft, so ists den wölffen preisz Lehman floril. polit. (1662) 1, 83; einer jungfrawen ists verweiszlich, viel unnötiger weisz ausz dem hausse zu spatzieren und umbzuschweifen ebda 3, 138; von beweglichen dingen: wenn auff den ... spitzen des bergs etliche dicke wolcken umbschweiffen Sebiz feldbau (1579) 41; die Araber (hatten) auff diesem meer als ein unreiner schaum umbzuschweiffen angefangen theatrum amoris (1626) 412; von einer kreisbewegung: (der kreis) worin um unsre welt des monds fast gleiches rund in ungehemmtem lauf veränderlich umschweiffet Heräus gedichte (1721) 179; umschweifend so viel wie 'ringsherum gehend, geschlossen': cyclas ein langer umbschweiffender rock Corvinus fons lat. (1646) 197. 1@a@bβ) uneigentlich; der ursprünglichen bedeutung am nächsten steht die anwendung auf das auge, den blick: daz sie iere ougen nit lychtfertiglich lassen umbschwaiffen Steinhöwel de claris mulieribus 136 lit. ver.; (sie) beyd sich andern männern feil mit ihrem umbschweiffenten gsicht Ayrer dramen 4, 2673 Keller; die ... schöne und seltzamkeit beunruhigte stets meine umschweiffende augen Harsdörffer frauenzimmergesprächsp. (1641) 7, )( )( 8b; (bei der arbeit) kein umschweifender blick L. v. François Reckenburgerin (1871) 1, 55; ihre blicke in den dunklen fernen der romansagen, abenteuer mehr lesend als ausführend umschweifen zu lassen Gervinus gesch. der deutschen dicht.4 2, 265; vom denken und fühlen: memoria rimosa et perfluens ein umbschweifend gedechtnis, dasz nit bei dem preposito bleibt Alberus (1540) a 3b; umschweiffende, herumschweiffende gedancken pensieri vagabondi, erranti Kramer 2 (1702) 707c: wan ckel, umbschweiffend, kindische sinn H. Sachs 20, 555 G.; das hertz aber heraus umbschweifft, in gdancken nach grosz gütern leufft Eyering proverb. copia (1601) 2, 332; das umschweiffende, unruhige gemüthe Butschky Pathmos (1677) 486; weil ... ihre vorige umschweifende zuneigungen nunmehr gleichsam in einen mittelpunct zusammen drang Lohenstein Arminius (1689) 1, 407a; hatte Bertalda sich allerhand seltsam umschweifenden gedanken überlassen Fouqué jahreszeiten (1811) 1, 158. 1@bb) úmgehen, einen umweg machen, auch um jemandem aus dem wege zu gehen, in jüngerer zeit nicht mehr gebräuchlich, s. Adelung 4, 817: (Brutus) sucht eyn umbschweifenden weg, domit er im (dem könig) nit begegnet Carbach Livius (1551) 23a; minder gefahrlich auff freyem feldt ein tagreysz oder zwo umbschweyfen, wie das sprüchwort der Teutschen lehret: ein gut weg umb mach kein krümb Kirchhof militaris disciplina (1602) 101; wer wenig irren wil, er thu gleich, was er thu, der schweiffe weit nicht umb, er geh gerade zu Logau sinngedichte 203 Eitner; umschweifend 'gewunden, krumm': inwendig hette es (die festung) nit einen geraden weg, sondern umbschweiffende gänge eselkönig 21; übertragen: auf eine umschweifende und verzögernde weise begehen ... selbstmord ... diejenigen, die (durch schlechten lebenswandel) ihr eigen leben abkürzen quelle von 1691 bei Staub - Tobler schweiz. 9, 1762. 1@cc) von b aus auf die rede übertragen im sinne von 'breit, umständlich reden', auch mit dem nebensinn 'den wichtigsten punkt umgehen, ihn bewuszt meiden': circuitione uti vil umbstender reden brauchen, umbschweiffen, lang umb den bry gon Frisius (1556) 224b; ambages umbschweiffend red Calepinus XI ling. (1598) 75a; in der red umschweiffen far ambaggi, raggiri vel discorso Kramer 2 (1702) 707b: nach sölichem umbschwaiffen und aussern wortten magstu ... anfahen Hartlieb Ovidii von der liebe (1482) 9a; ich tryb vil umschweifender reden, nüt zu den sachen dienend Zwingli deutsche schr. (1828) 1, 132; solch umbschweyffen und ausflucht thut nit zur sache, sie sollen mir auff den worten bleiben Luther 19, 460 W.; dass die preceptores ... so vil die gägenwürtige lection inhalt und nit witer mit vil schwätzens und umbschweifen anzeigen söllen, was zun künsten ... dienet schulordnung von 1577 bei Staub-Tobler schweiz. 9, 1762; welcher die warheit reden wil, der darff des umbschweiffens nicht viel, dann warheit ist ein wort gantz schlecht Eyering proverb. (1601) 1, 733; das part. präs. nähert sich adjectivischem gebrauch: (sie) fragten nicht erstlich und weit umbschweiffend die rechtsgelehrten Kirchhof wendunmuth 2, 140 lit. ver.; sie mir endlich nach ... vergeblicher umschweiffender weitläuffigkeit ... zuverstehen gab, wo sie der schuh am meisten drucke Grimmelshausen Simplic. 168 Kögel; dasz ein scythisches volk auch den bloszen nahmen eines weibes für garstig hielte und destwegen im reden sich einer umbschweifenden beschreibung brauchte (für das weib) Lohenstein Arminius (1689) 2, 79b; ich halte mehr von 2 versen alsz von der groszen, umbschweifenden eloquentz, so man nun in Teutschlandt hatt Elis. Charlotte v. Orléans briefe 4, 279 Holland; rede nicht so umschweifend theater der Deutschen (1768) 8, 401. 1@dd) vereinzelt begegnet umschweifen als 'sich erstrecken, umfang haben', vgl. umschweif als 'ausdehnung': Chiemsê ..., so bei acht meilen umbschwaift Aventin s. w. 4, 37 Lexer; auszer den tohren liegen gemeiniglich sehr grosze und weit umschweiffende vorstädte Neuhof gesantschaft (1666) 11b. 22) untrennbar. 2@aa) etwas (mit etwas) umschweifen es (damit) umschlingen, umwinden, vgl. amictum umpisuaifan ahd. gl. 1, 20, 19: houwet den boum zu valle! ... und tut en ummesweifen mit herten grozen reifen Daniel 3607 Hübner; thut ihm dann das häuptlin weh, ... pringt schleyer her, dasz sie ihm den kopff wie ein daubenfellig fasz umbbind, ... umbreiff und umbschweiff Fischart Garg. 105 ndr.; und alle die bande und tonnenreifen, mit denen wir sonst das leben umschweifen G. Freytag ges. w. 1, 336; ungewöhnlich: Hippolitus vom wagen sprung. doch behieng der unschuldig jung an eim riemen, der sich umbschweifft, da wurdt er von den rossen geschleifft H. Sachs 8, 498 K. (mit den armen) umschweifen umfassen, umarmen: er umbeswîf si (der könig die königin) mit den armen kaiserchronik 11455 E. Schröder; und wie der künic in der vrist ir sô lieplîch engegenlief und sie sô vriuntlîch umbeswief Heinrich v. Freiberg Tristan 3644 Bechstein; die arme niht envæln kunden, swaz er ummswief Johann v. Würzburg Wilh. v. Österreich 12017. auch: die siebentzehendt schell (des narren) ist: mit henden und augen den gantzen tisch umbschweiffen Höniger narrenschiff (1574) 58. 2@bb) etwas umschweifen um etwas herum schweifen, sich schweifend herumbewegen; ambire umbschwayffen Diefenbach 28c: dass er (der Rhein) mit seinem fluss gleych nahe bey einander zwo peninsslen ... underschidlich machet, welche er beide also umbschweiffet Stumpf Schweizerchronik (1606) 418a; wenn wir zur lust auf muntern rossen die sonnenroten hügel umschweifen Hölderlin ges. dicht. 2, 162 Litzmann; (das licht) strömt ihn an, es umschweift ihn ganz Bettine Günderode (1840) 2, 113; das (wasser) den ruhenden kiel umschweifte Fr. Th. Vischer lyrische gänge 164; bildlich: so der mentsch ietz wänt, daz er sin hertz bi im habe, so hat es die welt umbswaifet, nu hin über mer, nu her wider st. Georgener prediger 204 Rieder; si stannd nahet bei mir, rffen mit dem mund, aber mit dem hertzen umsweiffen si die welt (circumvagantur) puch der heil. Birgitte (1502) e 2b. 2@cc) die bewegungsvorstellung kann zurücktreten: und des al diu crêatiure bedarf, die der himel umbesweifet hât Wolfram v. Eschenbach Willehalm 309, 19; waz der planêten kreiz hât umzirket und umbsweift Laszberg liedersaal 2, 433. von einem kleidungsstück: wie das grüne röcklein sie (die beine) umschweift Arnim w. 19, 15 Grimm; die (zweite bergkette) ... im halbkreise rund das nordende des Rothen Meeres ... umschweift Ritter erdkunde 13, 228.
9257 Zeichen · 138 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Úmschweifen

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Úmschweifen , verb. reg. neutr. mit haben. 1. * Einen großen Umweg nehmen, weit um etwas herum gehen; eine jetzt veralte…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    umschweifen

    Goethe-Wörterbuch

    umschweifen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Sprichwörter
    Umschweifen

    Wander (Sprichwörter)

    Umschweifen 1. Viel umschweifen macht ausschweifen. Lat. : Qui multum peregrinatur, raro sanctificatur. ( Binder II, 278…

Verweisungsnetz

7 Knoten, 3 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Kompositum 3 Sackgasse 4

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit umschweifen

0 Bildungen · 0 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Keine Komposita gefunden — umschweifen kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „umschweifen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/umschweifen/dwb?formid=U04105
MLA
Cotta, Marcel. „umschweifen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/umschweifen/dwb?formid=U04105. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „umschweifen". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/umschweifen/dwb?formid=U04105.
BibTeX
@misc{lautwandel_umschweifen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„umschweifen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/umschweifen/dwb?formid=U04105},
  urldate      = {2026-05-20},
}