ultramontan,
adj. u. adv. ,
im 18.
jahrh. entlehnt aus ital. ultra-, oltramontano, jenseits der berge (
der Alpen)
liegend. zuerst, bes. in der bed. 2,
häufig in der form ultramontanisch. —
früh auch als subst. der ultramontane, die ultramontanen,
einmal der ultramontan Laube
d. erste dtsch. parlament 1, 261.
daneben selten ultramontaner (
s. d.) 11)
geographischer begriff, der sich auf die lage Italiens zu Deutschland bezieht (
vgl.tramontan);
vorwiegend vom italienischen standpunkt aus: 'ultramontain, tramontain
nennen die Italiäner alle diejenigen, so auszer Italien wohnen und durch die Alpen von ihnen geschieden seyn' Sperander (1727) 788
b; Campe
wb. d. fremden ausdr. 2, 653
a; sie wissen ja schon, dasz jeder ultramontane eine eigne tournüre mitbringt Göthe IV 21, 97
W. (
über die Deutschen in einem brief nach Italien); allein der trost bleibt mir doch, nur einen fehler zu rügen, der uns ultramontanen ... nicht schadet Rehfues
briefe a. Italien (1809) 1, 255.
bei Göthe
öfter mit werthendem gehalt: jawohl ist dem italiäner
das ultramontane eine dunkle vorstellung, auch mir kommt das jenseits der Alpen nun düster vor 30, 149
W.; kaum hatte sich mein geist aus der kleinheit der vorstellungsart, die uns ultramontanen mehr oder weniger anklebt, erhoben IV 8, 267
W.; wir Deutschen, so ultramontan wir sind, sind doch in unsern sammlungen, akademien, lehrarten ... weiter vorgerückt III 1, 304
W. —
vom deutschen standpunkt aus, mit dem blick nach süden: die excesse der tafel und das trinken über bedürfnis und vermögen, das unsern biderben vorfahren von den nüchternern ultramontanen ehedem so sehr vorgeworfen wurde Wieland im
teutschen Merkur 1777, 3, 141; ich hoffe, man soll künftig meinen sachen das ultramontane (
den geist Italiens) ansehen Göthe IV 8, 176
W.; vgl. III 1, 304. —
occasionell in allgemeiner anwendung: diese ... höchst harmlos erscheinenden 'schwarzen', wie das volk diese ultramontanen vom Atlasgebirge zu nennen pflegt
M. Greif
nachgel. schr. 98. 22)
kirchen- und culturpolitischer begriff, der auf die machtpolitik der römischen kirche geht und sie in gegensatz zu protestantischen oder nationalen interessen stellt: die ultramontanischen und jesuitischen grundsätze, welche jetzt so tief eingewurzelt sind Nicolai
reise 5, 123; noch bis auf den heutigen tag suchen die jesuiten ... den hasz gegen die protestanten zu unterhalten; ... alle (
schulbücher) sind voll von den härtesten ultramontanischen lehren
ebda 6, 389; in den pfuhl des ultramontanischen verderbens gesunken (
von der universität Löwen, die unter klerikalem einflusz steht) Forster
ans. v. Niederrh. 2, 49; (
die) ultramontanen tendenzen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 104. — (
die) sog. ultramontane partei (
ende der 20
er jahre des 19.
jahrh. in München) Joh. Friedrich
vatican. concil 1, 203; die conservative partei ... und die ultramontanen Freytag
ges. w. (1887) 15, 321.
allmählich mehr und mehr als scheltendes schlagwort O. Landendorf
hist. schlagwb. 319;
vgl.das wort 'ultramontan' ist ein schlimmes wort geworden, sogar das wort 'fromm' verdächtigt heut zu tage Laube
erst. dtsch. parlament 1, 261: neugierig läuft das volk mit schnellen schritten zur fremden predigt; unsre priester taugen nichts mehr! der reiz ultramontaner laugen ist die geheime kunst der jesuiten H. v. Gilm
ausgew. dicht. (1889) 170.
in erweiterter anwendung: doch giebts (
auszer den klerikalen) ultramontane andren schlags, die sehr sich wundern werden, dasz man sie römlinge nennt mit allem fug und recht. das sind die classischen philologi Hoffmann v. Fallersl. 5, 248. —
ultramontaner, m., von ital. standpunkt aus für die Deutschen: besteurungen und tribute, ... welche (
die päpste) ... von dem blinden glauben ... der ultramontaner bisher gezogen haben Wieland
w. (1796) 29, 83; ein vortreffliches werk, das den oltramontanern, die nicht nach Italien reisen können, einigermaszen ersatz gäbe Gleim
briefw. 2, 391
Körte; die roheren ultramontaner, welche der Italiäner zum theil mit recht barbaren schalt E.
M. Arndt
geist d. zeit (1807) 1, 221. —