übertünchen,
v.,
untrennb. verbindung, mit tünche bedecken: crustare, gleichsam mit einer rinde überziehen Corvinus
fons lat. (1646) 236; Garthius (1679) 349
b; Reyher
thes. (1686) n 3
ra; die wänd übertuncken,
tectorio vestire Aler (1727) 2, 1952
a; Steinbach 2, 881; Voigtel
wb. 3, 449
b.
verengt: weisz anstreichen, dealbare; biancare Kramer (1702) 2, 1162
a; die wänd (
der kornspeicher) sollen ... mit weisser erden überdünchet sein
M. Herr
feldbau (1551) 48
a; raben mit kalche übertinchen Lohenstein
Arminius 2, 1365
b; schrifften (
inschriften an kirchenwänden) übertünchen Zinkgref
apophthegmata (1628) 333; man ... übertünchte die mit gemälden geschmückten ... wände der kirchen mit steinfarbe Ranke 3, 246; Klinger
w. 8, 38; E. Th. A. Hoffmann 14, 137
Gr. sodann verächtlich für schminken: frauenzimmer waren da, alle übertüncht und bemalt und befirnisst Sturz
schr. (1779
f.) 2, 406.
scherzhaft: wofern ich nicht die wahrheit sage, sollen alle raben der ganzen welt den kopf mir übertünchen Wieland
Horazens sat. (1794) 1, 252. 2)
der bildliche ausdruck übertünchtes grab
geht von der bibelstelle Matth. 23, 27
aus: weh euch schrifftgelerten und phariseer, ir heuchler, die ir gleich seid wie die übertünchte greber, welch auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller todtenbein (
sepulcris dealbatis, τάφοις κεκονιαμένοις; erste d. bibel u. Zürcherbibel: geweiszt).
vgl. auch acta apost. 23, 3. a) es zeigt sich (
in dem hofprediger) ein phariseisch übertünchtes grab
alamod.-technol. interim (1675) 88; euch, heuchler, fahr ich christlich an, euch, euch, ihr übertünchten wände Günther
ged. nachl. (1742) 12;
M. Claudius
Asmus u. s. w. 1/2, 149; H. L. Wagner
theaterst. (1779) 40; Hippel
über die ehe (1774) 76; diese abhandlung gleichet ... übertünchten gräbern, die von auszen hübsch scheinen
br. die neueste lit. betr. 11, 131; Stolberg
ges. w. 3, 7; Spielhagen 2, 461; Droste-Hülshoff
w. 3, 81
Sch.; W. Müller
ged. 215
H. b)
in freiem gebrauch: wodurch ... ein tag den andern übertüncht und das unnützeste über das trefflichste ... sorglos hinpinselt Göthe 42
1, 133
W.; das falsche ... ist wie ein firnisz, mit dem man leicht alles übertüncht
gespr. 7, 97
B.; der glanz, der ... euer elend übertüncht Klinger
theater 4, 10; sie (
die philosophen) verstecken die verächtlichsten sitten hinter einer übertünchten auszenseite Wieland
Lucian (1788) 1, 234; gott haszt ... übertünchte herzen J. A. Cramer
s. ged. 1, 112; einer von den übertünchten windbeuteln Göthe 38, 95
W.; übertünchte barbarey Lavater
verm. schr. (1774) 1, 157; Mommsen
röm. gesch. 2, 410; sinnlichkeit Fr. Schlegel
s. w. 4, 102.
in activem sinne: ü. tugend Schönaich
Hermann (1751) 83; ein Kanadier, der noch Europens übertünchte höflichkeit nicht kannte Seume
ged. (1839) 72. c)
der bedeutung verbergen, verheimlichen sich nähernd: einen widerspruch verkleben und übertünchen Kant 3 (1838) 338
H.; sein ... inneres ... verdecken und ... übertünchen Klinger
w. 3, 127; diese ungleichheit (
in dem buche) habe ich nicht übertünchen mögen A. v. Arnim
in schr. d. Götheges. 14, 145; ... wie sehr du dein schrecken auch übertünchest ... Klopstock
Messias 2, 679. —
übertüncherei, f. die thätigkeit des übertünchens (
geringschätzig).
bildlich: bedürfnisse ..., welche nicht ... in lügenhafter übertüncherei und schmeichelei schön gemacht werden dürfen E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. D. 3, 617. —