überschatten,
v. ,
untrennb. verb. 11)
beschatten: obumbrare Bas. Faber
thes. (1587) 955
b;
mit schatten bedecken Hulsius-Ravellus (1616) 337
a; Adelung 4, 769. 1@aa) eine wolke, ein baum
u. ä. überschattet etwas: und es kam eine wolcke, die uberschattet sie
Marc. 9, 7; am morgen, als gott ein dicken nebel gabe, der das keiserisch kriegszvolck uberschattet, dasz man sie ausz der statt nicht wol sehen mocht A. Reiszner
Frundsberg (1568) 115
b; (
da) kam unversehens brausend eine wolcke ... auf uns und überschattete uns, dasz wir ... in eine finsternüsz geriethen Prätorius
Blockesbergesverrichtung vorrede 1, 6
a; es ziehen sich allenthalben schwartze wolcken zusammen, welche den himmel überschatten Ziegler
asiat. Banise (1689) 868; als ihm (
dem drachen) vollendet der schwellende wuchs war überschattete, wenn er sich hob, unendliche felder seine steigende schreckengestalt Klopstock
oden 2, 152, 7; und auf dem hügel steht ein stolzes schlosz, von seltenen platanen rings umpflanzt, die ihre schlanken stämme hoch empor die breiten fenster überschattend heben Platen
dram. nachlasz 156
Petzet; übel wäre es, wenn nicht auch in diesen wüsten ... ein einzelner grünender baum eine erfrischende quelle überschattete Herder 23, 303; blühende linden überschatten den platz O. Ludwig
ges. schr. 3, 720; als wir in den mit zwei hohen nuszbäumen überschatteten pfarrhof traten Göthe I 19, 42
Weim.; die ... augen von kräftigen brauen überschattet Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 275; ich seh den herold vom gestade schon sich nahn, das haupt vom ölzweig überschattet Droysen
des Äschylus werke (1841) 59. 22)
neuen bedeutungsgehalt gewinnt überschatten
als übersetzung von obumbrare der vulgata einiger bibelstellen, besonders Luc. 1, 35: der heilige geist wird uber dich kommen und die krafft des höhesten wird dich uberschatten,
bei Tatian hiefür biscatuit,
in Heljand 277
das simplex skadowan,
ebenso in der ersten deutschen bibel, während die Zainerbibel umschättigen,
die Koburgerbibel umschatten
wählte. Luthers überschatten
für obumbrabit dieser stelle setzt sich in der folge durch (
s. Zwingli
deutsche schr. 1, 96;
N. Hermann
sonntagsev. 190, 8; H. Sachs 11, 168
K.; Nas
das antipap. eins und hundert 3, 53
a; Harsdörfer
gesprechsp. 4, 240; Dannhauer
catechismusmilch 1, 152; Herder 1, 31; 7, 393),
von hier aus, sowie aus ps. 90, 4 (
s. Luther 29, 573, 24
Weim.)
u. apostelgesch. 5, 15 (Herder 20, 10)
entwickelt ü.
einerseits die bedeutung befruchten, erfüllen, andererseits die von beschützen, beschirmen. 2@aa) arbeitet unterdessen fleiszig, und Braga überschatte euch Hölty
ged. 216
Halm; (
die hypothese des Copernikus,) die endlich, von Keplers groszem genius überschattet, die mutter der wahrheit wurde Lichtenberg
verm. schr. 6, 107; vom geist deutscher erudition überschattet J. H. Vosz
antisymb. 135; der wahre zauber des gedichts ... liegt in dem charakter des dichters, in dem tief-melancholischen weltverachtenden geiste, der das ganze überschattet Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 49; weissagend überschattet mich der geist Immermann 16, 104
Hempel; möge der psalmengeist, Davids geist mich überschatten Reich 95
bibl. d. schr. a. Böhmen; in dieser bedeutung auch in freier verwendung belegt bei Wickram: das glück wirt dich gar überschatten 4, 90, 2825. 2@bb) mich beschützt gottes krafft so mild, der wird mich auch mit seinem schild überschatten und decken fein W. Spangenberg
ausgew. dicht. 154; sie werden ... mein Perseus ... seyn und mit dem schilde Palladis dieses werck (
buch) wider die gifftzähne der neidigen Meduse .. überschatten Hohberg
georgica curiosa (1682) 1
vorr. aij. 33)
aus 1)
entwickelt ü.
die bedeutung verdunkeln, verfinstern, in eigentlichem und bildlichem gebrauche: fürchterlich überschattet die nacht den hügel des todes Klopstock
Messias 8, 420; die trübe stimmung zwar verschwindet mir schnell, wie sie kam, im fröhlichen getümmel, doch kehrt sie wieder, weilet gastlich länger; und bald hat wohl des ernstes dunkle wolke mein innres, still anwachsend, überschattet Tieck
schr. 3, 466; finsternisz überschattet' ihr auge, sie taumelte rücklings Bürger
Ilias 22, 465
Bohtz 240
b; da beide (
wein und weiber) ... die vernunfft gleichsam mit einer duncklen nacht überschatten, dasz sie ein weiszes für dem schwarzen nicht unterscheiden kan Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 503; bis die dämmerung der nacht sein bewusztsein überschattete und bis sein herz still stand Freytag
ges. werke 16, 86; der aberglaube überschattet die schönsten eigenschaften Zimmermann
von dem nationalstolze (1758) 295; als das buch ... dem ... grafen Friedrich in die hand kam, gab er es mit überschattetem antlitz sogleich weiter G. Keller
ges. werke 6, 83. 44)
jem. in schatten setzen, übertreffen, überstrahlen: aller seiner ahnen ruhm hätt er sicher überschattet Göckingk
ged. 3, 206; auch überschattet die grösze des mannes mein ansehn zu sehr Babo
schauspiele (1793) 78; achtung vor jedem ruhme, auch wenn er unsere eigenen verdienste überschattet Gutzkow
zauberer von Rom 2, 197; den apostel des nordens, ... der von Ebos damals noch unbefleckter würde und älterem verdienste überschattet (
war) Dahlmann
gesch. von Dännemark 1, 29, 7; die Frankfurter börse (
war) im 18. jahrhundert vollkommen von derjenigen Amsterdams überschattet
handwb. der staatswissensch.2 2, 1030.