übergrosz,
adj. u. adv. ,
mhd. übergrôz
mhd. wb. 1, 579
b; Lexer
handwb. 2, 1620;
überaus grosz, immensus Stör (1650) 497
b;
ungeheur Kramer (1678) 1069
b;
enormis Kirsch (1723) 298
b;
praegrandis Hederich (1729) 2403; Steinbach 1, 647; Adelung 4, 755.
in alter und neuer zeit, besonders in attributiver verwendung bei concreten und abstracten allgemein. aa) so buweten sie ain übergrossen tempel, für all ander der ganczen welt Steinhöwel
de claris mulieribus 33; nit ferr von der übergrossen statt Alkeiren Franck
chron. Germ. (1538) 155
a; ein übergroszer garten Dürer
tageb. 52; der esel ... tregt ... nach seiner grösse ein übergrosse saumgerten Gesner
thierb. (1563) 41; eine ubergrosse eichen Schütz
hist. rer. Prussic. (1592) 1, A 5
a; ungefehr vor zweyen jahren lag gefangen in ein garen eine übergrosze schlang
Reinicke fuchs (1650) 301; trüglich zettelte sie (
Penelope) in ihrer kammer ein feines übergroszes geweb' Vosz
Odüssee 21, 95
Bernays; eine übergrosze kröte Grimm
deutsche sagen 2, 76; ein ... schlankgewachsener, doch nicht übergroszer junger mann Gutzkow
ritter vom geist 1, 403. bb) mein hertz ist ser entzündt vor übergrossem senen Hätzlerin
liederb. 132; alsbald sie den held vernamen, schlugen sie von stund zusamen mit einem übergroszen pracht
Teuerdank 211; dasselbig wer dem hertzen mein ein ubergrosse freud und wunn Hans Sachs 18, 252
Götze; der (
philosophus) hett gar ubergrossen fleiss mit dem tyrannen mancher weiss: 16, 460
Götze; wann ich sach in eim tieffen thal volckes ein ubergrosse zal von menschen allerley geschlecht 17, 233
Götze; ain weib lidt marter übergross Schwarzenberg
Cicero (1535) 158
d; ein ameysz kam zum külen brunnen, ... irn ubergroszen durst zu leschen B. Waldis
Esopus 1, 110
Kurz; zu diser zeyt war übergrosser hunger in allen landen Franck
chron. Germ. (1538) 85
a; daʒ ist ein übergrosze sünde Arigo
decam. 26
Keller; mit übergrossem reichthumb Wickram 2, 6; die ubergross verräterei
Aymon (1535) 104
b; ihr ubergrosze schöne
buch der liebe 312, 2; übergrosze mattigkeit Weise
die drey klügsten leute (1675) 156; die ubergrosse beschwerde der steuern
acta publica 3, 170
Palm; hilff uns ... aus diesem übergrossen drangsahle! Rist
das friedejauchz. Teutschland (1653) 21; ihr götter, die ihr seht auff alles dieser erdt, disz ubergrosze freud mir nit zum ärgsten kehrt! Opitz
teutsche poemata 103
neudr.; die übergrosze gunst, die wir ihm offt erzeigt Gryphius
trauersp. 27; ich geh herumb fast wie ein schein, für übergroszer liebespein A. Silesius
heil. seelenlust 17
neudr.; beweint des heylands angst und übergrosses weh Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1726) 3, 256; übergrosze gnade Lavater
verm. schr. (1774) 2, 94; freude Göthe I 8, 107
Weim.; stolz Schiller 1, 23; anstrengung E. Th. A. Hoffmann 1, 13
Grisebach; eile Hebbel I 8, 242; ich sing' euch wohl ein lied geschwind, ein lied von übergrosser noth Chamisso 3, 134.
substantivisch: gegen das übergrosse ist und bleibt man zu klein Göthe IV 4, 75
Weim.; das ... übergrosse der natur eignet man so leicht sich nicht an
schr. d. Göthegesellsch. 21, 264; er verfehlte, weil er nach dem übergroszen und unmöglichen strebte, das erreichbare und mögliche Schlosser
weltg. 13, 264.
prädicativ: o mutter, mein freud ist übergrosz, dasz ich euch lebendig kan sehen Ayrer
dramen 1427
Keller; sey gnädig meiner missethat sie ist sehr gross und übergross Neukirch
ged. (1744) 84; doch sterblich, ach! bin ich geblieben, und übergross ist mir dein lieben Rich. Wagner
ges. schr. u. dicht. 2, 6.
übergrösze, f. unmäszliche grösze, vastitas Frisius 1348
a;
heftige grösze Rädlein (1711) 903
a;
magnitudo immensa Stör (1650) 497
b; ein bild von der übergrösze dieses gottes (
Jupiters) über götter und menschen findet sich nicht Herder 3, 121; die übergrösze Ruszlands Heine 3, 278
Elster; R. Wagners übergrösze
tägl. rundschau 1901
unterhaltungsbeilage 1106
b. —