überflüssigkeit,
f. abundantia. auch überflieszigkeit,
z. b. Gengenbach 170
Gödeke; F. Platter
tageb. 317; Schöpper
syn. b 8
b.
in der älteren sprache ist das subst. beliebter als in der neueren, die das syn. überflusz
vorzieht. 11)
superfluitas, supereffluentia Diefenbach
gloss. 567
a;
inundatio 307
b; wann do die uberundung (
var. uberfluzzickeit) wart gemacht, der flosz was zeschaden dem haus
Luc. 6, 48
erste deutsche bibel; in der uberflüssikeit maniger wasser (
vulgata: in diluvio aquarum)
ps. 31, 6
var. ebenda. 22)
in der älteren medicin für feuchtigkeit und krankheit, die man auf diese zurückführte, ferner für ausscheidungen aller art wie excrementa, urin, eiter etc.: schneide ... die wunden, also weit du notturfftig bist, und ... ziehe die überflüssigkait ... herausz Braunschweig
chirurgia (1539) 19
b; also hat auch der mensch ... ein nützliche überflüssigkeit des safts ... abgsündert Ryff
anatomi (1541) B 1
b; das marck ist ein überflüssigkeyt des geblüts Dryander
der ganzen arzenei gemeiner inhalt (1542) 14
a; mit terpentinwasser, wird er von seiner kalten gifftigen arth und schleimigen uberflüssigkeit ... am besten gereiniget Thurneysser
magna alchymia (1583) 88; diser wein zeucht alle schädliche uberflüssigkeit ausz dem haupt Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 76; als sie hat ausgeben, sie esz und trinck nit, wan es warr werr gewessen, het sie auch nichtz in ir gehept von überflissigkait der natur, weder speichel, harm oder stiel Sender
Augsburger chron. 117, 27
var. (
städtechron. 23); die decoction (
von bingelkraut) führt die cholera und andere überflüssigkeiten aus Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 538; es musz ... ein jeder mensch ... zugestehen, dasz der schöpfer aller creaturen ... denenselben ... die überflüssigkeiten ... durch gewisse ... auswerffungsörther auszuführen, an deren cörper bis zum überflusz anerschaffen habe
mediz. maulaffe (1719) 37. 33)
in abgezogener bedeutung für fülle, reichthum: abundantia Diefenbach
gloss. 6
a; Frisius
dict. 12
b s. v. abundantia; Maaler 442
c; Calepinus
undecim ling. (1598) 14
b; Steinbach 1, 470;
copia Diefenbach
gloss. 149
c;
nov. gloss. 113
a; Hulsius (1605) 143
a.
verengt für ubertas voc. theut. (1482) hh 6
a; Frisius
dict. 636
a; Stieler 515; Megiserus
thes. 2, 675
a. von überflüssigkait des herzen redt der mund
spiegel menschlicher behaltnusse (1492) 53
a; als ich dann aller weiszheit und verständnusz überflüssigkeit wol bey euren fürstlichen genaden waisz Hartlieb
Ovids de amore (1482) 2
a; das höw kam in groszer überflüssikait in den schiffen Richental
chron. d. Constanzer conzils 41; stutzet und säubert die bäwm von aller überflüssigkeit Sebiz
feldbau (1579) 50; man gab inen grosze überflüssigkeit von speisz und allerley nahrung
buch der liebe 341
c; ein insel voll bewme, deren drey hatten trauben in groszer überflüssigkeit Rollenhagen
indianische reisen (1603) 183.
mit gen.: und bin gecleydet mit ewigem gewand, mit überflissikeyt alles gutes
der heiligen leben in dem winterteil (1471) 5
a; und so haben wir wol etliche beschwerung von uberflussigkeit der geste Schütz
hist. rerum Prussic. (1592) 6, A 1
b; die, die in ansehung ihres reichthumbs und vermeineter uberflüssigkeit aller notdurfft ihren stand weit uber den unserigen erheben Opitz
buch v. d. deutsch. poeterei 57
neudr.; weitläufigkeit: des einigen wort ist zevil. aber die überflüssikeit gibt ein wollutende red
Terenz (1499) 11
a; wir verheiszend unser sach kürtzer dann wir uns vermessen haben: mit beschnydung der überflüssikeit Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) b 4
b; wenn ich die kernhafte kürtze und die wolgeordnete dichtung der Esopischen fabeln gegen die dürftige überflüssigkeit ... der meisten romanen betrachte
discourse der mahlern 3, 110. 44)
aus 3)
abgezogen: excessus voc. theut. (1482)
a. a. o.; superstitio Diefenbach
gloss. 567
b;
intemperantia, unmässigkeit Schöpper
syn. b 8
c;
luxuria Calepinus
undecim ling. (1598) 847
a;
unmäszigkeit, geilheit, mutwil Megiserus
thes. 1, 829
b; in der uberflüssikeit oder hochfart (
superstitione)
Col. 2, 23
erste deutsche bibel; zu den zeitten was noch nit gemacht das gesetz und statut Oppii zu zwingen die überflüssigkeyt der weiber Carbach
Livius 257
b.
der gebrauch stirbt im 17.
jahrh. ab. 55)
in der neueren sprache entsprechend der bedeutungsentwicklung von überflüszig (
s. o. ü. 2)
: unnothwendigkeit, zwecklosigkeit: erst als sie von der empfindung der überflüssigkeit sprach, ... bot er ihr ... seinen arm Ebner-Eschenbach 3, 169; also keine allotria wie nachtwachen und andere überflüssigkeiten! Fontane I 2, 58. 66)
auch concret: diese überflüssigkeiten (
haare, bart, nägel) werden ihm im schlafe weggenommen Zimmermann
von dem nationalstolze (1758) 282; die produktion dieser überflüssigkeiten (
zucker, kaffee, thee) wird ... die ursache des elends jener millionen negersklaven Schopenhauer 5, 253
Grisebach; an Malle habe ich heut geschrieben und einige niedliche überflüssigkeiten für die Harry'schen eheleute mitgeschickt Bismarck
br. a. s. braut u. gattin 377; bilder, putz, parfüms, kurz was von unheiligen überflüssigkeiten des täglichen lebens erdacht werden kann, türmte sich ... auf Grimm
Michelangelo (1890) 1, 135.