übelthat,
f. , vbeltat, missetat, poszheit,
maleficium, nephas voc. theut. (1482)
hh 5
b;
maleficium Diefenbach
gloss. 344
b;
vgl. Graff 1, 94
und mhd. wb. 3, 148
b.
zur form: umgelautete pl.-formen begegnen bei Stainhöwel u. Hutten: durch schwere sünd und übelthäten Stainhöwel
de claris mulieribus 60; nachfolgende stuck und übelthät Hutten 3, 349; umb unser sünd und übeltät willen Arigo
decam. 3, 7;
starke pl.-formen sind nicht sicher nachzuweisen, meist handelt es sich um singulare verwendung, die oben genannte form übeltät
ausgenommen. schwacher dat. sg.: bringt man dann syn guotten fründt, im zuo raten von der sündt vnd von aller übelthaten noch dannocht laszt er im nit raten vnd blybt allzyt ein armer tropff Murner
narrenbeschw. 256
neudr. bedeutung und gebrauch: missethat, miszhandlung, vertretung, sünd, verwirckung, verbrechung, unthat Sattler (1617) 273. 11)
im weitesten sinne jede böse that, gegensatz: wohltat, gutthat;
begriffliche abgrenzung gegen das syn. missethat
versucht Rumpf 470: '
wird jemandem wehe gethan, so ist es eine übelthat,
wird aber eine person oder ein gesetz verletzt, so ist es eine missethat,
die ein stärkerer ausdruck ist'
; ähnlich Eberhard-Masz 11, 138
ff.; missethat
überwiegt im gebrauch, im älteren nhd. sowohl, wie insbesondere in der neueren zeit, vgl. Teller beurtheilung 2, 47,
der für Luthers sprachgebrauch ein starkes übergewicht für missethat
feststellt und übelthat
nur im sg. bei ihm belegt findet. übelthat
setzt sich zunächst als gegensatz zu wohltat
fest: vnzeitig wolthat ist gleich einer übelthat Seb. Franck
sprüchw. 1, 93
a; die wolthat, übel angewand, wird übelthat gar wol genant Logau
sinnged. 78
Eitner; wohlthat ist gar bald vergessen, übelthat hart zugemessen Reinsberg-Düringsfeld 2, 678; sie haben gesehen, das man der wolthat balde und der übelthat langsam vergisset Luther 27, 384, 34
Weim.; denn es ist besser, das jr von wolthat wegen leidet, denn von übelthat wegen
bibel 1.
Petr. 3, 17; frag dein hertz, ob du dessenthalben deinem erlöser bist danckbar gewest? ob du nit dise unergründliche gutthaten mit übelthaten vergolten? Abr. a.
s. Clara
Judas d. ertzschelm 1, 525; seine hände hat er tausend mal zum wohlthun, nie zu einer übelthat ausgestreckt Miller
prediger 2, 243;
daneben aber auch in freier verwendung, fast immer im sg.: aber deyn tugend und vordienst kegen mir, seynt noch grosser dann die übelthat Hutten 2, 195, 40; sie facht an warnen den papst, und eröffnet die zeit desz auffsehens und desz achthabens der übelthat Paracelsus
opera 2, 581; die dan viel boszheit, schalckheit, übelthat und obermuth trieben
chron. d. W. Gerstenberg 21; was unheils nur geschicht, was unwesen durch übeltaht entstehet ... alsbald musz das arme glükk es versehen haben Schottel
friedenssieg 10
neudr.; Heliogabalus verübt viel übelthat Canitz
ged. 72; gib gütikeit für übeltatt Hätzlerin
liederbuch 253; ach lieber son es ist mein rat: verbring nit weiter übelthat Hans Sachs 12, 560
Keller-Götze; ich heisz ein affen yedermann, der syn scham nit decken kan und seyt syn eigen übelthat, die er allzyt begangen hat, des er billich schampte sich Murner
narrenbeschw. 53
neudr.; der offtmals wider seinen willn ... mus straffen mit des rechts gebisz all übelthat und ergernisz Ringwalt
lauter warheit 125; vnd schreibt darzu sein übelthat, die er an vns begangen hat, der falsch vntreu verrähterisch böszwicht Ayrer
dramen 186
Keller; ich hauste in der Lampartey mit übelthat und kriegsgeschrei G. Keller 9, 257;
der pl. wird erst vom 17.
jahrh. an häufiger: und din kurczes, krankes leben ... durch schentlich schwere sünd und übeltäten mainest zeöwegen Stainhöwel
de claris mulieribus 60; di maynen, das inn warer frayndschafft alle boszhayten und übelthaten unsträflich seyen Schwartzenberg
teutsch Cicero (1535) 77; darzuo gib ich ein antwurt, das ich weder die Romaniscen noch niemans anders in seinen vbeldadten verfechten vnd beschirmen wil Murner
a. d. adel 11
neudr.; aller übelthaten ein ursachern schelten Guarinonius
grew. d. verw. 15; und geschehen hernach durch dergleichen licentz die grösten übelthaten, die dann nicht so leicht zu reundiren stünden
mediz. maulaffe 220; alle tugenden werden daher in die weiszglänzende lichtfarbe, alle übelthaten in die schwärze der nacht gemahlet Herder 24, 527; es ist merkwürdig, wie viel unglück, wie viele übelthaten der liebe gott verhütet Gotthelf 1, 217; (
er) will mit herrscherwort den übelthaten steuern und so entspringet weise manch gesetz Göthe 9, 387, 598
Weim. 22)
verengt eine gegen die gebote gottes verstoszende that, sünde: welcher (
der teufel) die menschen in jhrer boszheit stercket, dasz sie ... solche übelthaten auszrichten Luther 34
2, 236, 20
Weim.; denn jr pflüget böses, und erndtet ubelthat, und esset lügen früchte
Hos. 10, 13; darumb sollen alle christglawbige ... sich bevleyszen, sich übelthat zuenthalten Luther 18, 262, 15
Weim.; es ist auch nit war, dasz der tüffel die straffen erdichtet hab, ... dan der teüffel ist ein erfinder der sünden und got ein straffer der übeltadten Murner
a. d. adel 48
neudr.; sie werden von jhr missethat, übeltat, sünden wegen sitzen in der hellen Paracelsus
opera 2, 219
a; kein ander weg ist zu gott, als ein neu gemüthe, das ... von der ubelthat ausgehet J. Böhme (1620) 4, 104; wol dem, der nicht mit meuchelrath im hertzen ist umbfangen, noch etwan hat ein übelthat mit loser puosz begangen Ringwalt
handbüchlin A 4
a; wann man allein auf gott besteht, so schlächt er wol jedoch nicht tödt; vnd wer sein vbelthat erkent, dem reichet gott bereit die händ Fischart
anweisung zum Ismenius 382
v. 165
Hauffen; herr nicht schicke deine rache über meine böse sache, ob sie wol durch übelthat grossen zorn verdienet hat
M. Opitz
bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 1, 242; sey mein hülff und mein berather, sprich mich losz für deinem vater und streich aus mein übelthat
ebd. 3, 133; du bist ja nicht ein sünder wie wir und unsere kinder, von vbelthaten weistu nicht
ebd. 3, 308. 33)
jede gesetzlich strafbare handlung, in der älteren rechtsprosa und allgemein. ein fachterminus ist übelthat
in der rechtssprache nicht geworden und verschwand aus dem wortschatz des neueren strafrechtes vollständig, das den allgemeinen begriff übelthat
durch verbrechen
und vergehen
differenciert und ersetzt. 3@aa) etlich derselben übelteter, nit allein die jhenen, die ungefangen, sonder auch etlich derselben, die solicher irer begangnen ubeltat halben in des reichs gefänncknus und pannden gewest
Nürnberger polizeiordnungen 42
Baader; ich geschweyg, das, wie wol doch in teutschen landen gericht und recht ist, die übeltat, als die ich oder ein ander betriben hete, zuo straffen ... bey einer fremden öberkeit hien gericht werden solt Hutten 1, 412, 25; so jemandts vor langer zeit ein übelthat begangen hette, ist er etwas leichter zu straffen, dann so die that newlich beschehn were
statutenbuch (1572) 143
b. 3@bb)
länger erhält sich übelthat
in der geschichtsprosa: deren muoter lag übelthat halber in der gefencknis Heyden
Plinius (1565) 50; seine straffgesetze hatten allein dieses zum zweck, die boszhafftigen von übelthaten abzuschrecken Birken
ostländ. lorbeerhäyn 204; wie alle gesetze freyer nordischer völker waren die strafgesetze gelind, die Alfred auf die übelthaten setzte Haller
Alfred könig d. Angels. 49; ferner ist gar keine rechte policey da, wodurch übelthaten vorgebeugt und gute ordnung erhalten werden könnte Nicolai
reise 6, 758; auch geht es demjenigen, der verfestet und während der verfestung gefangen ist, stets an den leib, wenn er überführt wird, um welcher übelthat willen er auch gefangen seyn mag Eichhorn
deutsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 635. 44)
bosheit: warumb solt ich in bösen tagen mich fürchten, wenn die ubelthat der bösen mich umbschrencket hat Hans Sachs 18, 203, 8
Götze; ob sie der feind gleich hat aus groszer übelthat ins wasser lassen werfen, sie doch nicht sorgen dörfen für ihre leib, der erden solln sie zu theil doch werden Opel-Cohn
dreissigjähr. krieg 215.