typisch,
adj. ,
charakteristisch, vorbildlich; ableitung des 18.
jhs. von typus,
die nach lat. typicus,
griech. τυπικός mit dem dt. suffix -isch
gebildet wurde, s. Henzen
dt. wortbildg. (1947) 204
u. vgl. ndl. typisch,
norw.-dän.-schwed. typisk,
sowie das an frz. typique
bzw. lat. typicus
anschlieszende engl. typic, typical. 11) '
einem typus (1)
gemäsz, für die vertreter einer art charakteristisch, bezeichnend': die idee des schönen, womit das typische der gesichter und zum theil der tracht sich in widerstreit befindet Welcker
alte denkm. (1849) 1, 60; in gleicher weise ist die baumlosigkeit ... als ein typisches merkmal der tundra überhaupt anzunehmen A. v. Middendorff
sibir. reise, bei Nehring
tundren u. steppen (1890) 8; Denain ist eine langgestreckte arbeiterstadt und zeigt das typische gepräge der nordfranzösischen industriesiedlungen
qu. v. j. 1917; ihre (
der pathologischen fälle) typischen formen hatten ... sein beklommenes nachdenken erregt Wassermann
Etzel Andergast (1931) 305; jede jugendzeit kennt ihre tragischen possen, ihre maszlosigkeit, ihren überschwang und ihre sehnsucht, die sich an dingen oder personen berauscht, die unerreichbar sind ... diese typischen phasen kehren schlieszlich in jedem leben wieder E. Langgässer
unauslöschl. siegel (1946) 411; die aufgabe der poetik ist es, im einzelnen werk ... die allgemeinen, typischen und objektiven elemente aufzuspüren, die über seine geschichtliche einmaligkeit hinausweisen und es in gröszere ordnungszusammenhänge einfügen Martini in:
dt. philol. i. aufrisz 1 (1952)
sp. 216
Stammler; prädikativ: 'typisch', sagte Ollenhauer. 'ganz typisch. davon aufhören, was wir alles angestellt haben. und dann darüber schimpfen, dasz uns die Russen immer blosz kasch zu fressen geben ...' Erich Loest
jungen, d. übrig blieben (1950) 222;
häufig findet sich eine präpos. ergänzung mit für: ihre (
der eltern des verfassers) lebensform scheint mir dermaszen typisch für das sogenannte 'gute jüdische bürgertum', ... dasz ich mit dem bericht ihres gemächlichen und lautlosen daseins eigentlich etwas unpersönliches erzähle Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 21; es war der geruch, der für soldatenstuben so typisch ist Erich Loest
jungen, d. übrig blieben (1950) 13.
adverbiell, im sinne von '
dem typus (
der für die vertreter einer art charakteristischen form)
entsprechend': (
das riechbein) zeigt auch nie irgend eine auffallende ähnlichkeit mit einem typisch gebauten wirbelbeine Sömmerring
bau d. menschl. körpers 7 (1842) 393; bei andern minder typisch durchgebildeten gegenständen Brunn
kl. schr. (1898) 3, 67; eine typisch deutsche eigenschaft ... die gründlichkeit Klemperer
l. t. i. (1949) 88; bei aller sympathie, die man ihm (
dem Hanauer pfarrer in Grimmelshausens '
Simplicissimus') entgegenbringt, musz man ihn einen typisch menschlichen vertreter seiner religion nennen J. H. Scholte in:
zfda. 82 (1950) 3, 276. 22)
einen typus (2)
darstellend, vorbildlich, s. Fischer
Göthe-wortschatz (1929) 900. 2@aa) '
symbolisch, sinnbildlich' (
s.typus 2 a
und vgl. vortypisch '
vordeutend'
teil 12, 2,
sp. 1802): die sämmtlichen wunder Jesu stehen bei Johannes als symbolische facta, als typische denksäulen da Herder 19, 266
S.; typisch
tipico, figurativo Jagemann
diz. 2 (1803) 1188; typische (
mit der methode der allegorischen —
typologischen —
schriftauslegung arbeitende) theologie
théologie typique Mozin
wb. 4 (1856) 879;
adverbiell: was man ein paar jahrtausende lang mit der bibel vorgenommen hat ... man hat sie, dogmatisch, exegetisch, typisch, mystisch, prophetisch erklärt Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 3, 65. 2@bb) '
als charakteristischer vertreter bzw. muster alle wesenszüge eines typus (1)
zeigend'.
[] 2@b@aα) '
art-echt' (
s.typus 2 b): der typische neger ... ist selbst unter negern eine seltene spielart Peschel
völkerkde (1874) 497
anm. 2; in seiner erscheinung war er klein und fein, typischer Sachse Fontane
ges. w. (1920) II 1, 133; die jungen mädchen in diesen ... hochthälern, wie in Alpbach, in Dux und manchen ähnlichen ... sind ..., was die züge betrifft, sehr typisch Steub
drei sommer i. Tirol (1895) 111; daneben behaupten sich auf Seeland sowohl wie in Schweden und Norwegen auch noch manche angehörige der alten arktischen flora, sogar typische vertreter derselben Hoops
waldbäume u. kulturpfl. i. germ. altert. (1905) 26; unter den tänzern war ein älterer herr mit groszer, schmaler nase, der typische aristokrat Renn
adel i. untergang (1947) 356. 2@b@bβ) '
stilisiert' (
s.typus 2 c): auch von den übrigen personen ist keine ein Eisfelder porträt, sie sind sämtlich typische gestalten, von denen jede kleine stadt, fast jedes dorf individuelle verwirklichungen aufweisen kann O. Ludwig
ges. schr. 2 (1891) 6; typische gestalten hervorzuheben und in sich gerundete lebensbilder zu zeichnen, schien mir ... als am zweckmäszigsten Rosegger
schr. (1895) I 4, 4. 2@b@gγ) '
mustergültig, beispielhaft, repräsentativ' (
s.typus 2 d): ich wuszte zwar schon aus ihrem (
Ludmilla Assings) freundlichen munde manches bedeutsame über dies reiche ... frauenleben (
der gräfin Elisa v. Ahlefeldt); aber dasz es in solchem grade typisch und poetisch und an die höchsten ereignisse anknüpfend sei, davon hatte ich freilich keine ahnung (5. 7. 1857) G. Keller
br. u. tageb. 2, 451
Erm.; es kommt wohl daher, dasz ... seine (
Göthes) dichtungen ... nur selbsterlebtes schildern, das aber zugleich so in die höhe des allgemein menschlichen, des idealen und typischen zu entrücken weisz, dasz demselben alle erdschwere abgethan ist D. Fr. Strausz
ges. schr. 6 (1877) 207; das typische beispiel (
für den christologischen mimus, der glauben, zeremonien und martyrium der Christen zur allg. belustigung darstellt) ist der mimus des Genesius P. v. Winterfeld
dt. dichter d. lat. mittelalters (1922) 512; im Dulcitius (
Hrotsvits) haben wir die typische märtyrerkomödie
ebda; in den typischen krankheitsfällen beginnt der typhus nach einer inkubationszeit von 1-4, meist 3 wochen
d. gr. Brockhaus 19 (1934) 217; (
Bach schreibt zwei passionen,) welche textlich und formell von den typischen schöpfungen jener zeit ganz abhängig sind, die aber der geist, der darin lebt, verklärt und aus der vergänglichkeit zur unvergänglichkeit erhoben hat A. Schweitzer
Bach (1948) 3.
auch im sinne von '
als norm geltend, im allg. angestrebt': übrigens bezeichnet die hufe nur den idealen, typischen anteil des einzelnen am ganzen gemeindegrunde Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 41.