trostwort,
n. ,
erst seit dem frühnhd. gebräuchliches compositum. 11)
in religiöser verwendung. 1@aa)
allgemein: dis ist der text, der auff der tafel ... geschrieben gewest ist ... und wir sehen, das feine trostwort und verheissung sind für die schwachen von der zukunfftigen erfullung aller propheceyen ynn Christo Luther 19, 392, 5
W.; was gott thut, das ist recht und gut in allen sachen; solts auch dem hertze
noch so schwere sorgen machen, weil gottes vatershand selbst nimmt, was mir gebricht, weil mich sein trostwort labt, weil er spricht: weine nicht Joh. Quirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 789; dich drückt ein schweres joch, ich fühle deine bürde! o, dasz ein trostwort mir von gott gegeben würde! — du bist — verzage nicht! wer sagen kann: 'ich bin!' den senke nie kein sturm in der verzweiflung hin Lavater
nachgel. schr. (1801) 1, 343; sie hatte, als ich an ihr sterbelager trat, die letzten trostworte der religion vernommen Holtei
erz. schr. 5, 165. 1@bb)
von Christus: herr, der du für mein leben stirbst und durch des creutzes pein mir deines vaters reich erwirbst, sprich mir das trostwort ein A. Gryphius
lyr. ged. 328
Palm; es sey mein fels und burg und mein grundfester glaube, daz mir der satan nicht das edle trostwort (
namen Jesu) raube Joh. Heermann
bei Fischer-Tümpel 1, 312; sein (
Jesu) geist spricht meinem geiste manch süszes trostwort zu, wie gott dem hülfe leiste, der bei ihm suchet ruh Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 388
a. 1@cc)
von worten der heiligen schrift u. ä.: widerumb blöde, erschrockene und verzagte leute sol man mit diesen lieblichsten trostworten auffrichten und stercken, das man also zu inen sage: du hast einen getrewen gott, der dir gnade und barmhertzigkeit verheissen hat Luther 28, 689, 27
W.; disz hertzerquickende trostwort: dir sind deine sünde vergeben Henr. Müller
thränen- u. trostquelle (1675) 789; lasz keine finsternisz ihr freudenlicht vertreiben, und wenn du creutz auflegst, disz wort ihr trostwort bleiben: den frommen geht das licht auf in der finsternisz! J. G. Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 519; 'ich hab mein sach gott heimgestellt ...' sie zogen sich ein, diese trostworte, wie thau auf einer welken pflanze Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 2, 365. 1@dd)
trost des priesters: wie das arme geschöpf (
eine sterbende) zagt und zittert; wie es jedes matte trostwort (
des seelenhirten) so begierig aufschnappt Ulr. Bräker
s. schr. (1789
f.) 2, 122; dort erwarteten ihn die richter und der priester. dieser sprach zu und betete trostworte Rosegger
schr. II 4, 160;
vgl. noch Lenz
ges. schr. 3, 167
Tieck; geistliches trostwort Kortum
Jobsiade 3, 108. 22)
in bestimmten situationen des menschlichen lebens. 2@aa)
bei gefahr, armut, gefangenschaft, tod von angehörigen und unglück aller art: sobald aber Pompeya merket, daz er sich rüstet desz kaisers gebott ze volbringen, leget sie hin alles schmaichen und tröstwort zuo hoffnung synes lebe(n)s Stainhöwel
de claris mulieribus 285
lit. ver.; wann mir ist kunt gethan (
von den göttern), daz wir siglich dardurch komen. mit solichen trostworten wurden die Kriechen (
von Alexander) ermant Hartlieb
d. hist. v. d. gr. Alexander (1473) 72
a; derowegen werde ich mich auch nicht befleiszigen trostworte herfür zusuchen (
bei einem todesfall) ... zugeschweigen dasz auch das, was die natur diszfals von uns erfordert durch unzeitige trostworte mehr gereitzet als gestillet wird Christ. Thomasius
kl. dtsche schr.2 (1707) 784; er (
ein elender bettler) hat nicht einen freund, der ihm ein trostwort rede, ihn kennt der bruder nicht: die welt ist für ihn öde Dusch
in: allg. dtsch. bibliothek (1765
ff.) 5, 9; wirst du von dem gemahl auch noch ein trostwort hören? Ulrike! wirst du ihn im höhern denken stören? Fr. K. v. Creuz
bei Eschenburg
beisp. 2, 393; und wo es labsal geben kann, da begleite deine kleine gabe ein sanftes trostwort Knigge
umgang mit menschen (1796) 2, 224; an diesem schweigsam klangberaubten orte vernehm ich nun die trost- und liebesworte, wo ich mich fühlte todt schon und begraben (
gefangenschaft um der überzeugung willen) Göthe 11, 344
W. 2@bb)
entsprechend trost III 1 d
und tröstung III 1 b
bedeutet trostwort
in der liebe soviel wie '
wort der erhörung',
nur in der älteren zeit gebräuchlich: wie zweiflet dan, o süszes leben, ewer weises gericht mir mit trostworten gnad zu geben? Weckherlin 1, 165
Fischer; ... fühlt er auch die bittersüsze pein mit der die liebe quält? ... hochwerthe jungfrau braut! sie red ihm trostwort ein! verzehrt er seine zeit in trauren so allein Andreas Gryphius
lyr. ged. 190
Palm; wie wenn der düstre schimmer des braunen abends itzt die blauen hügel deckt ... wenn sorg- und sonnenhitz uns fast verschmachten läszt, ein kusz, ein trostwort ist mir ein beseelend west für mein verschmachtend hertz Lohenstein
Cleopatra (1680) 40;
vgl. noch Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia 1 (1677) 515
und Holberg dän. schaubühne (1743
ff.) 3, 409. 33)
in allgemeinerer anwendung: 3@aa) nicht des frühlings winde, welche säuselnd durch das laub der wiesenpappel wehn, noch des teiches wellen, die sich kräuselnd um den flügelschlag des schwanes drehn, nichts von allem groszen, allem schönen spricht ein trostwort meinem kummer zu; nicht mit ihren besten wiegentönen lullt natur den wütherich zur ruh Bürger 98
a Bohtz, die theure lady ... nimmt antheil an den leiden der seele und sucht mit der edelsten feinsten empfindung trostworte und hülfsmittel aus Sophie v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 269. 3@bb)
sentenzen und sprichwörter als trostworte: es kan nit alzeit gleich sein — das ist ein trostwort im unglück, wenn jemant ein unradt geschieht Joh. Agricola
bei Latendorf
sprichwörtersammlung nr. 446; ich kann ... das trostwort so vieler leidenden aussprechen: wenn die noth am gröszten, so ist gottes hülfe am nächsten Pestalozzi
s. schr. (1819
ff.) 11, 226; 'komme, was kommen mag, die stunde rennt auch durch den rauhsten tag', ich habe müssen graue haare kriegen, bis ich so weit gelangte, dieses trostwort der verzweiflung bisweilen mit einigem erfolg ... anwenden zu können Holtei 40
jahre 1 (1843) 399. 3@cc)
ganz occasionelle worte und aussprüche als trostworte: sein freund, der leichtlich mercken kunt, dasz ez nicht recht mit Chlorus stund, sprang ihm mit diesem trostwort bey: freund, sagt er, habe guten muht und dencke deine sach ist gut Chr. Warnecke
poet. vers. (1704) 45; 'nach Dresden zurück!' das war das trostwort, was sich beruhigend über jedes bange nachgefühl ... legte Fouqué
reiseerinn. 1 (1823) 216; und selbst die trostworte der alten Stauffacherin, dasz man in einem solchen hause wohl vermöge, einen blinden passagier mitreisen zu lassen ..., vermochten nicht sie aufzurichten Gottfried Keller
ges. w. 5, 291; oft wiederholte sie sich das trostwort 'ein ganzes dasein der rechtschaffenheit musz eine stunde der verirrung aufwiegen können' Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 6, 203. —