trinkbar,
adj.; setzt älteres trinklich
oder trinkig
fort. sinngleich sind noch älteres trinkisch, trinksam, trinkmäszig.
in häufigerem gebrauch erscheint es seit dem 17.
jh. 11)
zum trinken tauglich: trenkeber
bibilis (1.
hälfte d. 15.
jh.)
bei Diefenbach-Wülcker 877;
gern verbunden mit eszbar: (
das männchen) trachtete nach esz- und trinkbaren zeichen der gastfreundschaft Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 351; appetit nach gottes esz- und trinkbaren gaben O. Ludwig (1891) 2, 498;
vornehmlich vom wasser: (
dasz) die schädlichen wasser, wenn man sie halb einsieden läszt, trinckbar werden Lohenstein
Arminius (1689) 1, 583
b; röhren, wodurch trinbares wasser ... in die stadt geleitet wurde Heilmann
pelopon. krieg (1760) 892; das wasser, ob es gleich weiszlicht aussieht, ist doch rein und trinkbar Heinse 7, 104
Schüdd.; Krusenstern fand ... auf der dortigen küstenfahrt ... das meerwasser vollkommen süsz und trinkbar Ritter
erdkunde (1822) 4, 445.
von geistigen und anderen getränken: wie der neue wein im fasz vergöhren musz, ehe er trinckbar Lehman
flor. pol. (1662) 3, 13; (
dasz aus wassern, die) unter die schlechtesten sorten gehören, die trinckbarsten und wohlschmeckendsten biere zubereitet werden
allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 712;
mit besonderem ton, der den anspruch auf eine gewisse güte durchhören läszt: hierauf ging er in den keller und brachte einen sehr trinkbaren wein Merck
ausgew. schr. 233
Stahr; (
die bitte) mir mit einem halben eymer guten trinkbaren wein vor geld und gute worte auszuhelfen Schubart
briefe 1, 161
Strausz; ein sehr angenehmer und trinkbarer wein Göthe IV 26, 18
W.; im wirtshaus erhielten wir einen trinkbaren café Hebbel
briefe 4, 236.
mit ungewöhnl. dativ: eine art süszer wein, mehr den weibern trinkbar Jean Paul 7-10, 118
Hempel. gelegentlich in weiterer bedeutung: wie das schwarze eine beraubung des weiszen im durchsichtigen, so ist das salzige und bittre eine beraubung des süszen in dem nährenden feuchten. darum ist die asche aller verbrannten körper bitter: denn das trinkbare ist ihr entzogen Göthe II 3, 23
W. —
übertragen: ich stieg aus und ging der wehenden luft entgegen, die körper gewinnt und trinkbar wird Grillparzer 20, 20
Sauer (
Cotta).
uneigentlich, wie genieszbar: ich habe ihm (
Ammon, der gegen die '
Union'
sprach) nur veranlassung geben wollen, uns den ungeschmakk des zuvor gehörten mit einer trinkbaren rede hinunter zu spülen Schleiermacher (1834) I 5, 406. 22)
sprachliches leben gewinnt im 17.
und 18.
jh. der ausdruck trinkbares gold. daneben stehen vereinzelt trinkbares silber, eisen, feuer.
s. auch trinkgold, trinksilber, trinkeisen,
ferner trinkliches gold. 2@aa) trinkbares gold
aurum potabile, eine von den alchemisten gesuchte und bereitete tinktur aus gelöstem gold, dem man heilwirkungen auf den körper zuschrieb: kunst und feuer hätten das vermögen ..., das silber für die kranckheiten des hauptes zu einer flüssenden artzney zu machen und mit dem trinckbaren golde das hertz zu stärken Lohenstein
Arminius (1689) 2, 302
b; Hygea, deren hand so stein als eisen zwinget, aus perlen eine milch, aus kräutern stärkung bringet, und durch ein trinkbar gold den matten geist belebt Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 58; ich darf dabey zu keinem artzte lauffen, noch trinckbar gold und bittre tropfen kauffen
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 378; lasz (
Hygiene) deinen balsamsafft, die schaalen von crystallen, corall und trinckbar gold, wie deine hoffnung fallen Pietsch
geb. schriften (1740) 200;
bildlich: dein unbefleckter mund verschencket keine küsse, daran nicht trinckbar gold und lebensnectar klebt
herrn v. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 4;
ähnlich trinkbares silber: ja dasz die sterne gar mitwürcken, uns zu heilen, indem die sonn aus gold den purpursaffran zeigt, der mond uns silber wil, das trinckbar ist, ertheilen H. Mühlpfort
teutsche ged. (1686)
leichenged. 134. trinkbares eisen
eisenhaltiges wasser: flieszender schwefel und trinkbares eisen, o wer vermag dich (
bad Wiesbaden) nach würden zu preisen D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 3, 15. 2@bb)
die goldlösung scheint nicht nur arznei gewesen zu sein: (
gedicht an den kaffee) Cleopatras zerfloszne perlen, der chymicorum trinkbar gold verschmäht mein ekler mund ... denn wer so kostbar trinkt, der mag sich auch beqvemen, den bettelstab zugleich in seine hand zu nehmen Stoppe
Parnasz (1735) 174.
sie wird in einem atem mit kostbaren riechstoffen genannt: kein bisam, balsam, trinckbar gold gleicht keuscher seelen zuckersüszer liebe Lohenstein
Ibrah. Sult. (1680) 116; manche weiber seyn so zartlich, dasz sie vermeynen, sie müssen mit trinckbar gold zwischen kattun und muszkusz (
moschus) eingemauret sein und da sie gott straffen solte, müste er wol vorhero die ruthen mit seiden zubinden und mit rosenwasser besprengen P. Winckler 2000
gutte gedancken (1685) b 9
a. 2@cc)
zur poetischen bezeichnung eines goldhellen flüssigen stoffes wird gern auf den zur hand liegenden ausdruck trinkbares gold
zurückgegriffen. vom wein und seinem goldton: und gaben die Arragonischen und Castilischen herren und damen einander bei dem trinckbaren golde der schönen weine tausend versicherungen treuer freundschafft A. Bohse
Ariadnens liebesgesch. (1705) 343; indem ich dein (
des Tokayer) beschäumt und trinckbar gold beschau Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 346; wie reich sind durch dein (
des weines) trinkbar gold die zungen singender poeten Hagedorn
poet. werke (1769) 3, 180; der edlen rebe trinkbar gold Pfeffel
poet. vers. (1812) 4, 84; ob das trinkbare gold (
der wein), hier, hinter dem Thüringerwalde so gut schmecken und duften wird, als damals Göthe IV 25, 122
W. —
ebenso trinkbares feuer: eszbares gold reift auf smaragdnen bäumen; der wein ist trinkbar feur, zu dem Tokayer nur wie wasser sich verhält Wieland (1794) 17, 259.
vom honigseim: (
die bienen) legen denn zu haus ihr esz- und trinkbar gold, so sie gesogen, den hausverwaltern treulich aus Triller
poet. betracht. (1750) 1, 27.
vom kristallhellen wasser: die quelle trinkbar gold, der auen grüne zierde Wieland (1794) 17, 112; erstaunt, wie ihm dabey geschehen, findt Idris sich an einer quelle bord, die, statt gemeiner flut, ein trinkbar gold ergieszet und über perlen hin durch rosenbüsche flieszet
ebda 258; also kein wunder, dasz hier (
in der sonne) von elixieren die landschaft duftend erschien, und trinkbar gold in den flüssen einher rann Zachariä
poet. schr. (1763) 6, 292. 2@dd)
wohl '
reichliches trinkgeld'
; vereinzelt: (
Rabelais) zieht die irrungen aller stände vor das gericht des gesunden menschenverstandes, ... die erpressungen der rentkammer, welche aus allem, was ihr vorkommt, trinkbares gold zu ziehen weisz Ranke
sämtl. werke 8, 133. 33)
trinkfest, trinktüchtig: in der welt, auf dem irdschen theater, das er (
der täufling) muthig beschreite fortan, das er schmücke, wie vor ihm sein vater, als ein tapfrer, ein 'trinkbarer mann' Freiligrath
ges. dicht. (1870) 4, 48; dort waltet ein wackrer, ein trinkbarer mann, den fremden unfeind und willig J.
V. v. Scheffel
pathengedicht, in schles. ztg. (1872)
nr. 490; ein ganzer, stattlicher, trinkbarer und tatendurstiger mann Otto Müller
Münchhausen im Vogelsberg 31
Wiesb. volksb. ähnlich, mit unpersönlichem regens: ja, im spätherbst ist eine trinkbare zeit. könnte mir keine trinkbarere zeit vorstellen als den spätherbst im jahre Aug. Sperl
so war's (1902) 54; es geht stark auf mitternacht ... ja, dies ist doch die aller trinkbarste zeit 55.