triebsand,
m. ,
auch treibsand;
mnl. drijfsand Verwijs-Verdam 2, 406,
nl. drijfzand;
schwed. drifsand,
dän. drivesand.
lockerer sand, insbesondere wässeriger, flüssiger sand (
quellsand, schwimmendes gebirge),
als geologische formation auf wassergrund und festland. 11)
zunächst erscheint triebsand
nur in der bedeutung fluszkies, schwemmsand, in glossen für: zabulum tribsant, trypsant, trepsant (15.
jh.) Diefenbach 634
a,
s. auch sabulum 506
a;
brevia trübsand Mylius
nomencl. (
um 1570) b 5
b;
brevia driebsandt Siber
gemma 182;
ebenso nd.: brevia dryffsandt Chyträus (1585) 75;
glarea grob oder steinichter sand am ufer der wasser und bäche, kies, triebsand Corvinus
fons lat. (1646) 391.
literarisch schon im 14.
jh.: molendenarius in Wunrsleiben ... debet eicere et expurgare arenam, que tripsant dicitur (1320)
hess. urkb. I 2, 294; in wustenunge der vlyzen und in ertholern sy wonten und uf dem trybsande donten (1338)
md. buch Hiob 11306
Karsten; niederdeutsch: de strom enhelt nicht alle tid enen lop, ... alzo dat de dupe des waters wart vaken gewandelt, unde wart togedreven vormyddelst deme drifsande (1465)
lüb. chron. 2 (1830) 285
Grautoff; und war do nit zu underscheiden oder zu erkennen, wo ein standthaffter boden und ertrich wer, oder wo ein geflöster tribsand, wo ein furth hindurch ging Micyllus
Tacitus (1535) 29
b; dieweil aber die Elbe viel triebsand hat, und keinen stetten forten helt H. Merkel
Magdeburgs belagerung (1587) m 2
a;
als ablagerung in festem boden: wann man will ein guten beständigen bronnen haben, ... so soll man erdrich auszerlesen, welchs sandecht oder schwartz oder voll griesz und trübsand oder kiselsteinen seie Sebiz
feldbau (1579) 14; triebsand nennt man feinen vom wasser angeschwemmten sand, der den namen flugsand erhält, wenn er so trocken geworden ist, dasz er vom winde leicht hinweggeweht wird Helfft
landbaukunst 373;
in neuerer zeit auch für den trockenen dünensand, flugsand: der flugsand ist davon (
von dem vordringen des meeres) der vorbote. dieser flug- oder triebsand wälzt sich in groszen haufen eine viertelmeile vor dem meere her und gewinnt land Bode
Montaigne 2, 99; (
die meerviole) ist höchst wichtig zur befestigung und ansammlung des triebsandes der dünen v. Schlechtendal
flora v. Deutschland5 15, 43; triebsand ist stets zu beiden seiten dieser barrieren der Adamsbrücke (
natürl. sanddamm) aufgehäuft Ritter
erdkunde (1822) 6, 154;
im vergleich: der wirbelwind der neuen zeit hatte sie (
die arbeiter) erfaszt, wie triebsand wurden sie dahingeweht v. Polenz
Grabenhäger 1, 224.
merkwürdig triebsand
als medicament: nimb triebsand und wolfswurtzel, die sind den schafen ... gut vor den husten Mich. Böhme
viehartzenei (1682) 28 (
eine ausgabe von 1655
hat: treibsand 28);
dasselbe aus anderer quelle bei Staub-Tobler 7, 1114. 22)
seit dem 16.
jh. (
bildlich bei Luther,
s. u.)
erscheint triebsand
als specielle bezeichnung des feinen flüssigen sandes, der, oft in groszer mächtigkeit auftretend, gefährlich ist wie morast. nd. drievsand,
triebsand, feiner flüssiger sand brem.-niedersächs. 1 (1767) 251. triebsand
auf wassergrund: dieser ort ist ein sandiger grund, worauf vor einigen jahren das fluytschif Nordwijck gerathen, und von dem triebsand so überwältiget worden, dasz man in wenigen stunden weder mast noch stange mehr sehen können
Walther Schultz, ostindische reise (1676) 98
b; die eine (
frau) aber, weil sie sich etwas tieffer hinein wagete, komt auf triebsand und begunte zu sincken Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 106; doch sind die wasser trügrisch oft gesinnt, versprechen sichern boden, senken dann den feuchten triebsand grundlos tief hinab Fouqué
held d. nordens (1810) 1, 151; triebsand
in fester erde: vierte (
geringwertigste) klasse (
von baugrund): zusammenpreszbare bodenarten, welche auch zugleich zur seite ausweichen, z. b. torf, morast- und ausgefüllter boden, trieb- oder quellsand, erweichter ton- oder lehm- und wiesengrund Mothes
baulex. 1, 289; beschreibung der sinkwerke in einem boden vom triebsande
allg. deutsche bibl., anh. zu 37-52, 1284; sie muszten die grundmauern (
des hauses) tiefer legen, als sie gedacht hatten, denn sie kamen bald auf eine schicht von triebsand Auerbach
dorfgesch. 6, 6; triebsand
erscheint flieszend: der grund des glückes ist so voller trübsand, dasz in selbtem schwerlich ein ancker haftet Lohenstein
Arminius 1, 396
b; triebsand
saburra, quae e terra propellitur profundius fodienti Frisch (1741) 2, 148; der vorgebliche strom war eine menge trockener asche, die aus einer kluft in dem obersten rande des kraters wie triebsand hervorschosz A. v. Humboldt
ans. d. natur (1826) 2, 156. 33)
bildliche anwendung des wortes begegnet zuerst bei Luther,
und zwar im anschlusz an die bedeutung 2: dasz sie ... aus der schonen blumen und rosen den gift in sich gesogen, und auf trubsand und wasser ihre klöster gebauet haben 47, 349
W.; sie stehen nicht auf dem felsen, das ist auf der lere von Christo, sondern auf den triebsand ires eigen dunckels und treume 32, 534
W.; wir sagen, das ihre warheit eitel trebesand und ungewisser wirbel sei 32, 234
W.; weiterhin bleibt der triebsand
ein bild unsicheren grundes, ohne dasz die eigentliche bedeutung immer klar sein musz. auf triebsand bauen
oder gründen,
wofür Matth. 7, 26
das urbild sein dürfte; zuerst noch theologisch: welcher christ wolte gern auf solchen triebsand seinen glauben bachen (
l. bawen) Nigrinus
papist. inquis. (1589) 102; so baue ja dein hausz nicht auff solchen trübsand (
der guten werke) Joh. Saubert
currus Simeonis (1627) 304;
später allgemein: die sorgliche nachrede, gleichsam wäre den catholischen alles und jedes durch lautern kriegsgewalt abgedrungen und dergestalt auf blossen triebsand erbauet worden Harsdörffer
secret. (1656) 1, 186; die hoffnung, so er ... ihm machete, were auf einem lautern triebsand gegründet v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 831; dein ruhm wird sonder mich und ohne pfeiler stehn, die falschheit auf papier und mod auf triebsand gründet Günther
ged. 603; wenn man bei den leuten ein wenig nach dem grunde sucht, so findet man sand, triebsand, worauf nichts zu bauen ist Hamann
schr. 1, 518
Roth; fordre ihn nicht zum zweiten male heraus durch den bau einer häuslichkeit auf den armseligen lockern triebsand blosz litterarischer erfolge Droste-Hülshoff
briefe (1893) 207; auf triebsand stehen
u. ä.: es ist der unglaub ein schwindel, da man ... auff triebsand stehet, kein gewissen verheisz aus dem wort gottes hat, darauff man fussen möchte Dannhawer
catechismusmilch (1657) 4, 96; blinde und geile liebe fusset zwar auf so schlüpfrigem trübsande Lohenstein
Arminius 2, 131
b; wer mit dieser starken feuchtigkeit (
wein) sich zu sehr beschwehret, der wandelt gleichsam auff einem trübsande, ist für dem fall nicht sicher Butschky
Patmos (1677) 200;
sehr klar: die brücke ist hinter mir eingestürzt, ich kann nicht wieder rückwärts. mit sicherm fusze stand ich einst auf diesem ufer, der triebsand schieszt unter mir zusammen und versenkt mich in den abgrund Tieck
schr. 8, 73. 44)
zusammensetzungen, nur in neuer zeit; zu bedeutung 1
und 2: