synthese,
f. ,
aus gr. σύνθεσις,
lat. synthesis,
f., '
zusammensetzung, zusammenstellung'
; im deutschen zunächst überwiegend in der gr.-lat. form synthesis
entlehnt, aber zugleich in der form synthese
aufgenommen, wohl nach franz. muster; vgl. franz. synthèse (17.
jh.) Gamillscheg 826,
aber engl. synthesis (
seit 1611) Murray 9, 2, 387.
im dt. namentlich als philosophischer terminus durch Kant
eingebürgert, der die form synthesis
bevorzugt; doch setzt sich synthese
als gebräuchliche form im 19.
jh. durch, besonders auszerhalb des philosophischen sprachgebrauchs; Campe
wb. z. erkl. (1801) 634, Heinsius 4 (1822) 940
b verzeichnen nur synthesis, W. Hoffmann 5 (1861) 566
auch synthese, Sanders 3 (1865) 1274
nur synthese. 11)
als philosophischer terminus '
die verknüpfung einer vielheit zu einer höheren selbständigen einheit',
namentlich (
wie schon bei Aristoteles)
von bewusztseinsinhalten; zur geschichte und ausdehnung des begriffs s. R. Eisler
wb. d. philos. begriffe3 3, 1473
ff.: die spontaneität unsers denkens erfordert es, dasz dieses mannigfaltige (
der reinen anschauung a priori) zuerst auf gewisse weise durchgegangen, aufgenommen und verbunden werde, um daraus eine erkenntnisz zu machen, diese handlung nenne ich synthesis. ich verstehe aber unter synthesis in der allgemeinsten bedeutung die handlung, verschiedene vorstellungen zu einander hinzuzuthun und ihre mannigfaltigkeit in einer erkenntnisz zu begreifen Kant
ges. schr. I 3, 91
akad.; diese synthesis des mannigfaltigen der sinnlichen anschauung, die a priori möglich und nothwendig ist, kann figürlich (synthesis speciosa) genannt werden zum unterschiede von derjenigen, welche in ansehung des mannigfaltigen einer anschauung überhaupt in der bloszen kategorie gedacht würde und verstandesverbindung (synthesis intellectualis) heiszt
ebda 3, 119; die reine synthesis, allgemein vorgestellt, giebt nun den reinen verstandesbegriff. ich verstehe aber unter dieser synthesis diejenige, welche auf einem grunde der synthetischen einheit a priori beruht; so ist unser zählen ... eine synthesis nach begriffen
ebda 3, 91; verstandesbegriffe sind keine todte gemählde, deren genesis ich ... durch spontaneität einer synthese begreiflich machen könnte Herder 22, 334
S.; die formen der empirischen materie scheinen raum und zeit zu sein. die formen des empirischen geistes synthesis und analysis Novalis
schr. 3, 140
Minor; die zwölf kategorien, die transcendentale synthesis der einbildungskraft, des innern sinnes, der transcendentalen einheit der apperception Schopenhauer
w. 1, 564
Gr.; insofern die psychische synthese in allen solchen fällen ein neues hervorbringt, nenne ich sie eben eine schöpferische W. Wundt
philos. studien 10 (1894) 113; die wahrhaft erzeugende methode der mathematik ist somit diejenige der synthesis W. Windelband
gesch. d. neuer. philos.2 1, 172; Klügel
math. wb. 4 (1823) 875
ff. 22)
allgemein '
die zusammensetzung, verbindung verschiedener erscheinungen zu einem einheitlichen ganzen': die synthese der neigung ist es eigentlich, die alles lebendig macht Göthe IV 19, 399
W.; die dramatische kunst ist eine synthesis der beiden künste, der poesie- und schauspielkunst O. Ludwig
ges. schr. 5, 439
E. Schm.; von diesem gesichtspunkte aus vollzieht Spinoza die letzte synthese seines denkens Windelband
gesch. d. neuer. philos.2 1, 233; denn, so unrecht man hat, in seiner (
Rodins) plastischen kunst eine art von impressionismus zu sehen, so ist doch die menge präzis und kühn erfaszter impressionen immer der grosze reichtum, aus welchem er schlieszlich das wichtige und notwendige auswählt, um es in reifer synthese zusammenzufassen R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 4, 345;
in der geistesgeschichtlichen forschung für die zusammenschau der wesenhaften kräfte und ihre darstellung in einem gesamtbilde; in der chemie die zusammensetzung von elementen oder ihren verbindungen zu komplizierter aufgebauten stoffen, namentlich solchen, die durch besondere künstliche verfahren hergestellt sind: sie (
galle, samen, milch) zeigen am offenbarsten, dasz der procesz, wodurch sie hervorgebracht werden, ... auf einer chemischen thätigkeit, ja in einer chemischen synthese beruht Sömmerring
menschl. körper (1939) 5, 12; theoretische chemiker sind durch praktische anwendung ihrer synthesen zu reichen männern geworden L. Boltzmann
popul. schr. (1905) 78. —