strömlein,
n., '
kleiner (
wasser)
strahl; quelle; bach'.
deminutiv zu 1strom;
nur so lange möglich, als strom
jeden wasserlauf ohne rücksicht auf seine grösze bezeichnen konnte (
s. sp. 6; 7),
also im älternhd. bis zur mitte des 18.
jahrh. meist eigentlich: '
kleiner wasserlauf, bach': sie nach der mahlzeit sich im schatten da ergetzen im kühlen, und es flosz ein strömlein da vorbey Dietrich v.
d. Werder
rasender Roland, ges. 25,
str. 84; gleich wie die Catts-bach, die der Liegnitz feld benetzet, ihr schwaches strömlein nicht zu schenken scheut der Spreu E. Heermann
goldenes fliesz (1676)
vorr.; insbesondere für den kleinen seitenarm eines groszen flusses (
vgl. 1strom II A 4 a): wasser ... zum theil beweglich, dadurch etwan ein kleines bächlein fleust, oder ein strämlein von einem wasserstram Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 413.
unter bedeutungsvermischung mit stram '
strahl' (
vgl. 1strom II A 5,
sp. 16/7)
für einen nicht allzu kräftigen wasserstrahl, quellwasser: darein sprang auch mit süszem fall ein brünlin lauter wie kristall, sein silbers strömlin zwitzert rein gekrümmt uber die klaren stein Kasp. Scheit
fröhl. heimfahrt, v. 107
Strauch; dieweil nun (
Karl der Gr.) ergötzung schöpfte über der bequemlichkeit dieser warmen strömlein (
heisze quellen bei Aachen)
beschr. d. Rheinstroms (1686) 763; ein strömlein, so mit einem starken geräusch, längst einem steinigten busen herabfällt
M. Krämer
leben u. tapfere taten 202; wollen die lästerer das aus der quelle ausflieszende strömlein trübe machen Thierbach
diarium Herrnhuthiarum (1750) 2, 126.
auch übertragen auf andere flüssigkeiten: ein strömlein essig '
ein schusz essig' Ludwig
teutsch-engl. wb. (1716) 1902; das strömlein, so aus der seiten Jesu geflossen ist Scriver
seelenschatz 1, 67
b,
sogar wie das simplex auf gefühlsvorgänge, charakteristischer weise vornehmlich in der seelischen haltung des barock und pietismus: sieh, wie sein (
Jesu) ganzer leib verwundt: und dennoch läszt der süsze mund viel liebesströhmlein flieszen
V. Thilo
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 108; das elende ströhmlein ihrer geistlichen lust Scriver
seelenschatz 1, 398
a.
seit dem beginn des 19.
jahrh., da strom
lediglich den groszen flusz bezeichnet und für kleinere wasserläufe sachlich scharf unterschiedene worte zur verfügung stehen, nur scherzhaft-ironisierend im obd. möglich: bekannt ists in Jerusalem und Babylon geworden, dasz es sich wohnen läszt bequem an unsres strömleins borden (
der Lauer, nebenflusz der fränkischen Saale) Rückert
werke (1867
ff.) 2, 216.
vgl. strämlein; strömchen.