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strauche(n)

nhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

strauche(n) f.

Bd. 19, Sp. 976
strauche(n), f. , selten m., 'schnupfen, katarrh'. mhd. strûche; die verbreitung des wortes und das auftreten von formen mit gutturalem verschluszlaut machen entlehnung aus dem slawischen wahrscheinlich: ksl. struga 'fluctus', poln. struga 'bach', alttschech. strúha, neutschech. strouha, f. 'rinne, graben', vgl. Holub-Kopečný etym. slov. (1952) 355; sloven. struga 'rinnsal, wasserbett, kanal' usw. Trautmann ksl. wb. 280. abweichende auffassungen: ausgehend von der grundvorstellung 'rauheit (der stimme)' Adelung 4 (1780) 806 (lautmalend), Doornkaat Koolman 3, 344 (beziehung zur wurzel von strauch = 'sperrige, borstige, rauhe pflanze'), Lindqvist PBB 43 (1918) 113 (alte s-variante zu dem adjektivabstraktum mhd. riuhe, rûhe, nhd. räuhe, rauche), schweiz. id. 11, 2043 (zu strauch, adj. 'rauh', doch beachte die schwache bezeugung dieses wortes). andererseits ist verknüpfung mit an. strjúka 'streichen, streifen, hingleiten' sowie mit ahd. strûhhôn, strûhhên 'straucheln' erwogen worden, so Fick idg. wb. 3 (1874) 349, Schade altdt. wb. 2, 884 (die streifende, am menschen vorüberstreichende krankheit), Höfler krankheitsnamen 694 (strûhhên 'schlüpfrig sein'), H. Schröder indogerm. forsch. 18 (1905/06) 524 ('hinfälligkeit'). das verbreitungsgebiet des wortes in älterer zeit (obd. mit ausnahme des schwäb. und elsäss., vereinzelt schles.) deckt sich im wesentlichen mit dem in den neueren mundarten. belegt seit dem 12. jh. zunächst in arzneibüchern, literarisch seit dem Teichner ('der hofschnupfen'), lexikalisch vorwiegend in obd. vokabularen und wbb. seit dem 15. jh.; diphthongierte formen infolge der ostobd. verbreitung des wortes frühzeitig bezeugt: die strouchen (arzneibuch d. 12. jhs.) mhd. wb. 2, 2, 704a; arzneibuch des 13. jhs. 2, 17c Pfeiffer; randgebiete wie das schles. verharren noch in späterer zeit bei formen mit erhaltener länge die struche Bresl. arzneibuch (14. jh. anf.) 40; fundgr. 1, 321, 11; auffällig bei dem sonst bair.-österr. schreibenden Teichner (s. u.); ostalem. maa. haben die alte länge bis heute bewahrt (s. u.). inlautendes k(k) statt ch erscheint seit dem 15. jh. (nie in formen mit undiphthongiertem stammvokal): straukken, strauchken (15. jh. md.-obd.) bei Diefenbach gl. 106b; straucken voc. inc. theut. (1471) ee 5b; strauken Khüffner Celsus (1531) 16; vgl. ferner die belege bei Schmeller-Frommann 2, 806; auf lenisierung (s. u.) deutet die straugen Francisci trauersaal (1672) 3, 59. lexikalische bezeugung: catarrus, reuma, oxyregmia strauch, strauche, strauchen, coryza innerststrauch 'katarrh der inneren brustorgane' (k-formen s. o.) Diefenbach gl. 106b, 497b, 404c, 151c, nov. gl. 79b, 318b. strauchen Hulsius (1618) 2, 157b; der strauchen (Nürnberg), schnüpffen (Leipzig, Meiszen), pfnüsel (Straszburg, Schweiz) Güntzel (1648) 734b; strauchen, m. (voce non usata per tutto) Kramer t.-ital. 2 (1702) 998b; strauchen, m., strauche (im fränk. dialekt, Nürnberg) Frisch 2, 344b; der strauchen (obd.) Adelung 4 (1780) 806. hochsprachlich wird schnupfen (zur synonymik des wortes in den neueren maa. vgl. Mitzka s. u.); literarische belege des 19. jhs. stammen aus Österreich, meist volkssprachlich: Mozart br. 1, 31 Schiederm.; Bäuerle kom. theater (1820) 3, 37 u. 5, 8; Raimund w. (1881) 1, 68; Nestroy ges. w. (1890) 11, 39; Rosegger schr. (1895) III 5, 230. in den heutigen mundarten liegt das kerngebiet des wortes im bair.-österreichischen mit einschlusz eines teils des ostfränkischen und oberpfälzischen, greift jedoch nach westen auf ostalem.-schweiz. alpenmundarten, also auf gebiete jenseits der diphthongierungsgrenze über; nordöstlich des bair.-österr. begegnet das wort versprengt auf schles. boden (reste aus d. zeit der politischkulturellen bindung Schlesiens an den Habsburger staat?); vgl. dazu die karte schnupfen bei Mitzka dt. wortatlas, bd. 2. k-formen (strauka) in Österreich, in der Steiermark und in Tirol verbreitet neben straucha, im donauösterr. im zuge der binnendt. konsonantenschwächung weiterentwickelt zu straugga; ostfrk. (nach Mitzka a. a. o.) formen mit eingeschobenem n straung; vgl. zum vorausgehenden die obd. maa.-wbb.: strauchen, strauken Jakob Wien 185; strauche, strauke Unger-Khull steir. 582b; strauche, strauchn Lexer Kärnten 243; strauchen, straucken Schöpf Tirol 719; strauhhən, straukən 'bey gemeinen leuten' Schmeller-Fr. 2, 805; strauch'n Ruckert unterfränk. 177; strauche neben gesträuch (n.) und strauchet im südl. grenzgebiet Schwabens Fischer 5, 1833 f.; in der Schweiz strûchen neben weiterbildungen wie strûchel, strûcheten, strûchlen, strûchleten, gestrch schweiz. id. 11, 2043f., teils gleichzeitig bezeichnung einer euterkrankheit der rinder, teils mit allgemeinerer bedeutung wie auch sonst mundartlich, vgl. schon in einem Breslauer vokabular von 1422 pestis ein strûche 'ansteckende krankheit' mhd. wb. 2, 2, 703b; strauche 'eine anfallende seuche, eine staupe' Berndt sles. id. (1787) 136; strauchel 'plage, epidemische krankheit' Autenrieth pfälz. id. 138. nom. sg. des allgemein sw. f. die strauche, apokopiert strauch: mhd. erz. 522, 18 Euling; vocc. von 1429 und 1530 bei Diefenbach gl. 106b; voc. rer. (15. jh., md.) a. a. o. 497b. häufiger (mit eindringen der sw. endung aus den obliquen fällen in den nom.) die strauchen: arzneib. (12. jh.) mhd. wb. 2, 2, 704a; obd. voc. d. 15. jhs. Diefenbach nov. gl. 79b; H. Folz fastnachtsp. 3, 1256 Keller; Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 230b; die strau(c)ken: (1505) bei Schmeller-Fr. bair. 2, 806; voc. primo ponens dict. theut. (1515) b 3a; Khüffner Celsus (1531) 16; 14a. mundartlich stehen strauchen, straucken und strauche vielfach nebeneinander, südobd. erscheint die endung als -a, vgl. Mitzka a. a. o. insbes. lexikalisch (belege s. o.) begegnet ein sw. m. der strauchen, wohl nach dem vorbild maskuliner synonyma gebildet: Nestroy ges. w. (1890) 2, 266, vgl. 11, 39; mehrfach mundartlich, vgl. strûha, m., 'pferdekatarrh' Bühler Davos 1, 155, aber strûha, f. 'pfnüsal' 2, 27. dz straucken (wohl subst. inf.) Schmeller-Fr. 2, 806. bedeutung. 'schnupfen, katarrh', heilkundlich beschrieben: ettewenne rinnent von dem houpt durch diu nasluoger, dâ von ein siechtuom wirt, der heizet latin coriza, daz ist swem diu nasluoger rinnent unde im der mensche emzichlîchen sniutzet unde daz niht enhilfet. den selben siechtuom heizent die luit die strouchen (12. jh.) arzneibuch, s. mhd. wb. 2, 2, 704a; vgl.den selbin sichtum heizint di lute die struche Bresl. arzneib. 40 u. cgm. 724 (14. jh.) bei Schmeller-Fr. 2, 805; catarrus haizet ein fluz des hauptes und dy strawch ebda 2, 806; (fuszwaschen) treibt aus dy posen feucht, dy da haist dy straucken (1505) a. a. o.; schnupffen (schnaudern oder strauchen) ist insgemein eine verstopffung des haupts Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 230b. als krankheitsbezeichnung in allgemeinem schriftsprachlichen gebrauch; die besondere bedeutung 'schnupfen' ist oft nur zu erschlieszen: ime tuont die zende lîht wê unde gewint lîht die strouchen (13. jh.) arzneib. 2, 17c Pfeiffer; iz (das schneewasser) machit die strouchin (anf. 14. jh.) Breslauer arzneib. 19 Külz; di minne ist uzerhalp der nature, der di pflegin, di siech sint entweder an den sinnen ader an deme libe, also di da lungen sich sin, ader an der brust, ... vnde in dem magin sich sin vnde di struche habin (14. jh.) fundgruben 1, 321, 11; mittag schlaffen dü meiden solt, wir seucht darnach kümen gar polt: die kalte sucht und die träckeit, die strauch und auch des haupts leit (15. jh.) mhd. erz. 2, 522, 18 Euling; dem kalten hauptflus ist es (das bad) gut, die strauchen es vertreiben dut Hans Folz fastnachtsp. 3, 1256 Keller; (ein medikament) das macht dy strauchen zeitig in dem haubt das sy wirt flieszen (1505) bei Schmeller-Frommann 2, 806; chölkraut vertreibt die straukchen ebda; den stengel auffgedört vnd zu puluer gemacht, in die naszlöcher in den kopff gezogen, ist gut für die strauchen, macht einen geringen kopff Toxites horn d. heils (1576) D 1b; einem flusz oder der strauchen kan man wol mittel schaffen und die unreinen feuchtigkeiten ausführen Harsdörffer teut. secretar. (1656) 2, 695. mit angabe der krankheitssymptome: ez sint mer den zehen tag, das ich nicht gesmecken kan vor der struchen die ich han Heinrich d. Teichner ged. 3, 94 Niewöhner; dar umb wenn der mensch die strauchen hât, sô smekt er niht sô leiht sam ê Konrad v. Megenberg buch d. natur 12 Pfeiffer; riechestu hie nit der lugen gestanck, so hastu gewiszlich die strauchen oder schnuppen G. Scherer bapst zu Rom (1584) E 5a; so ich frage, ob einer lieber blind, oder taub, oder die strauchen haben und ohn geruch seyn, oder den geschmack verliehren, oder nichts betasten können solte? Harsdörffer frauenz. gesprächsp. 2 (1642) 160; er hätte schon über 8 tag die strauchen, könne dahero nichts riechen Abele künstl. unordn. (1669) 3, 91; so hr. M. nicht die strauchen hat, so wird er ja riechen den unleidenlichen gestanck (1687) bei Fischer schwäb. 5, 1833. strauche, gleichbedeutend mit schnupfen (teil 9, sp. 1387), steht oft neben diesem im doppelausdruck: auf dasz jn weder hitz noch kelten bewege, daraus dann vil beschwerlicher flüsz vnd strauken oder schnuppen ursach nemen (gravedines destillationesque) Khüffner Celsus (1531) 16; vgl.strauken oder niesung a. a. o. 14a; dieses rauchwerck solten die mönch teglich haben, so bekemen sie die schnuppen oder strauchen nicht Rauscher papist. lügen (1562) M 3b; wer wil mich da uberreden jhr hochgelehrte männer, dasz ewer einer die strauchen oder schnuppen so hefftig hab, der disen griff und schöne kunst nit schmecke? C. Vetter d. luth. schräckengast (1599) C 2a; denn frau Gregoria hatte den schnupffen (oder die straugen) kunnte und wolte nicht riechen, was er wünschete E. Francisci trauersaal (1672) 3, 59; wie offt stottert die zunge, und wird gehemmet, dasz sie die wörter nicht vernehmlich aussprechen kan, dasz die so genannte schnuppe oder strauche zuweilen unser geruch hemmet Volkamer nürnberg. hesperides (1708) 55. ich schreibe nur deszwegen, damit ich ... schreibe: mir ist es zwar ungelegen, weil ich einen starken kataarh und strauchen habe Mozart br. 1, 31 Schiederm. in der obd. volkstüml. literatur des 19. jhs. gern scherzhaft-ironisch: o geht's, vor weinen krieg ich die strauchen Bäuerle kom. theater (1820) 3, 37, vgl. 5, 8; diese nasen! wenn ich da die strauchen bekomm', das wird eine todskrankheit Raimund w. (1881) 1, 68; ein strauchen dauert drei wochen, ein krampfkatarrh ein vierteljahr Nestroy ges. w. (1890) 2, 266; vgl. 11, 39; im waldhause war immer jemand an etwas krank. halsweh, zahnweh, ... strauchen Rosegger schr. (1895) III 5, 230. als ausdruck der gemeinen sprache: (magd:) gnä frau, i hab 'ən katarr. (frau:) was, du bauerntrumpf, du willst gar den katarrh haben, dasz etwa die huesten und die strauchen nicht guet genueg ist für dich bei Schmeller-Fr. bair. 2, 805. derb, für den nasenschleim: matz, hast ein hemd an, so wisch mein schnuder vnnd strauchen dran Fischart Garg. 239 ndr. wortspielend, vgl. 1strauchen, vb.: artzt: frawen, kanst du mir nit bedeuten, ob dein bawer die strauchen hab? knecht: jo er fiel rechtn die stiegen ab Hans Sachs 21, 67 Keller; die strauchen 'rheuma' als vogelkrankheit: hat dein federspil eynen siechtumb, der do heyszt reuma, das ist wen er schnaubet, oder die strauchen buchlin v. d. beyssen (1510) E 4b bei H. Schmidt falknerei (1909) 134; die strauchen der raubvögel wird durch hitz und kälte, durch staub und rauch verursachet Hohberg georg. cur. 2 (1682) 664. in der zuss. hufstrauch bezeichnung einer pferdekrankheit (rheumatisches gliederreiszen): rheumatismus coxae equorum huftstrauch Coler v. d. pferden (1645) 371 bei Höfler krankheitsnamenb. 694b; vor den hufftstrauch stosse linsen, siede sie mit altem schmeer, vnnd binde es ihm (dem pferd) alle tag 2 mahl heisz auff die huffen Walther pferde- u. viehzucht (1658) 61.
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    Strauchen -ūx- Sg. u. Pl. Wurmgeb ., in der Bergmannspr. m.: Stempel auf den Eschweiler Gruben.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit strauchen

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von strauchen

strau + -chen

strauchen leitet sich vom Lemma strau ab mit Suffix -chen.

strauchen‑ als Erstglied (1 von 1)

Ableitungen von strauchen (1 von 1)

verstrauchen

DWB

verstrauchen , verb. , wie verhageln, verschlammen gebildet, intrans. resultativbildung; ' von strauchwerk durchwachsen, überwuchert und ges…

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Cotta, M. (2026). „strauchen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/strauchen/dwb?formid=S51223
MLA
Cotta, Marcel. „strauchen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/strauchen/dwb?formid=S51223. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „strauchen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/strauchen/dwb?formid=S51223.
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