stoffartig,
adj. ,
von der art des stoffs,
nach der besonderen art des stoffs,
das schwergewicht im stoffe
findend usw. 11)
entsprechend der ursprünglichen bedeutung von stoff (II 1) stoffartige musterung eines gewandes,
d. h. nach art der seidenstoffe. 22)
entsprechend stoff II 2 b: (
er) stärkte sich mit einer mahlzeit, welche für den kleinen mageren mann auffallend stoffartig erschien Laube
schriften 11, 167; dasz das licht stoffartig sei Schopenhauer
werke 2, 370. 33)
besonders aber mit beziehung auf stoff II 3: stoffartige hülfe, die sich die poesie der letzten zeit gibt, durch bedeutende motive, religion und ritterwesen Göthe 42, 2, 523
Weim.; denn für die sprache ist nicht blosz die sinnliche erscheinung stoffartig, sondern auch das unbestimmte denken W. v. Humboldt
ges. schr. 5, 112; jene stoffe im divan lassen oft auf den studirenden dichter blicken ... jene formelle zierlichkeit ohne einen genügenden stoffartigen widerhalt auf den spielenden weisen, der die sprache der Perser nicht mehr lernen konnte, aber ihre schriftzüge nachmalte Gervinus
gesch. d. deutsch. dichtung 5, 649; während derselbe (
der rechtliche stoff) bisher als rein stoffartige substanz mit dem gedächtnis erfaszt werden muszte, geschieht das jetzt ver mittelst des juristischen anschauungsvermögens Jhering
geist des röm. rechts 2, 2, 409;
auch: die bildhauerkunst musz sich ... noch ein stoffartiges interesse suchen, und das findet sie in den bildnissen bedeutender menschen Göthe 48, 193
Weim. (
auch schriften der Göthegesellschaft 9, 160); übrigens kann man auf das stoffartige interesse doch etwas rechnen
an Schiller 830; da der gröszte theil des publicums mehr durch den stoff als durch die behandlung angeregt wird, so war die theilnahme junger männer an meinen stücken meistens stoffartig
werke 26, 206; während bei den andern völkern sich rasch das gefühl erzeugte, dasz die dichtkunst ... eine form sei, blieb bei uns vorwiegend der stoffartige antheil Immermann
werke 18, 159; weil es (
das ballet) eben nur den stoffartigen reiz und keinerlei befriedigung in sich trägt Strausz
werke 2, 378;
auch: soll man hoffen durch die nachgeahmten schmerzen die wahren zu lindern, oder soll man sich vor dem stoffartigen eindruck fürchten? Göthe
an Schiller 892; (
im compar.:) die wirkungen der musik sind stoffartiger 41, 2, 249
Weim. auf der zweiten grossen stufe des fortschreitens weicht die stoffartige bedeutung dem formalen gebrauch W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 18; vom stoffartigen auf das formale verdienst (
übergehen) Gervinus
gesch. d. deutsch. dichtung 5, 33. — im ersten falle wäre die katharsis blosz stoffartig, und der ermordete bösewicht z. b. schiene nur der ganz gemeinen justiz entgangen Göthe 41, 2, 249
Weim.; das gefühl der angst ist stoffartig und wird in jedem leser entstehen; die bewunderung aber entspringt aus der einsicht, wie vortrefflich sich der autor in jedem falle benahm
gespräche 6, 167; es wird sich zeigen, dasz das subject mit seinem gegenbilde sich zu einem stoffartigen knoten ... zusammenschlingt Vischer
ästhetik 1, 23 — die menge jedoch, welche immer stoffartig gesinnt ist, betrübte sich über den groszen, nach ihrer meynung verschwendeten aufwand Göthe IV 23, 244
Weim. —
sogar ein mehr oder minder stoffartiger antheilnehmer Kurz
an Mörike 19. —
als übergang zum folgenden: die art, das wie ist mehr als das blosz stoffartige was Grabbe
werke 4, 293. 44)
substantivisch: an einer organischen materie, und wenn sie noch so lebendig gedacht wird, bleibt immer etwas stoffartiges kleben Göthe II 7, 72
Weim.; je edler ein geschöpf ist, je mehr ist alles stoffartige in ihm verarbeitet II 1, 263
Weim.; die einzelnen theile gewannen ein unbeschreibliches leben, da die farbe ... in einer gewissen bewegung von hell und dunkel abwechselte und dadurch alles stoffartige verlor I 47, 222
Weim.; auch: durch eine solche behandlung (
des colorits) verliert sich freilich alles stoffartige, elementare, rohe, materielle 45, 308
Weim.; das stoffartige jeder sprache so wie die verstandsformen stehen so weit von der production ab, dasz man gleich, sobald man nur hineinblickt, einen so groszen umweg vor sich sieht, dasz man gern zufrieden ist, wenn man sich wieder herausfinden kann IV 15, 122
Weim.; das unmittelbarwirkende, stoffartige (
im schauspiel) musz hinweg fallen O. Ludwig 6, 34; der ideale dichter (
Schiller) fiel auf die gegenstände aus der thätigen und realen welt, in denen es so leicht war, dem stoffartigen zu verfallen Gervinus
gesch d. deutsch. dichtung 5, 473; (
rein naturwissenschaftlich:) bei dem stoffartigen, seinen geahneten umwandlungen und genetischen verhältnissen A. v. Humboldt
kosmos 1, 59. 55)
dazu stoffartigkeit, f. wie 4: allgemeinheit und individualitaet, geistigkeit und stoffartigkeit durchdringen einander im wort W. v. Humboldt
ges. schr. 5, 420; er (
Göthe) hatte im drama drei perioden durchgemacht: die erste rohere in moderner stoffartigkeit konnte eine vorschule heiszen Gervinus
gesch. d. deutsch. dichtung 5, 420; für uns aber, die wir nicht von der ersten läuterung jener gefühle (
furcht und mitleid) aus ihrer stoffartigkeit ... zu reden haben Fr. Vischer
ästhetik 1, 330 —