stadtpfeifer,
m. der zünftige musiker einer stadt, dasselbe wie oben stadtmusikus (
sp. 485).
vgl. Hildebrand
zum deutschen sprachunterricht 111; hochzeitpfeifer, stadtpfeifer, thurmpfeifer,
auloedi, buccinatores, aeneatores. Stieler 1437; stadtpfeiffer,
musico della città. Kramer
dict. 2 (1702), 902
b; stadtpfeiffer,
musicus civitatis publicus; tubicen in turribus; tibicen et fidicen in nuptiis. Frisch 2, 315
a;
in Augsburg stadtpfeiffer '
musikanten der stadt, besonders bei den geschlechtertänzen mitwirkend'. Birlinger 409
b; stadtpfeifer '
heiszen die musici, welche vom rat und gemeiner stadt besoldung bekommen, daher sie auch zu gewissen stunden vom rathhause abblasen'. Jacobsson 7, 419; stadtpfeifer, '
tonspieler, welche die in den kirchen gewöhnlichen tonspiele aufführen'. Campe; (
nachdem zur kenntnis gelangt ist,) das den gesellen, die ye zu zeiten von ainicher praw und lawtmerung (
verlobung) wegen nachts mit den stattpfeifern iren freunden hoffieren, mit sambt denselben hofierern vor oder nach volpringung des hoffierens köstliche mal gegeben worden seindt.
Nürnberger polizeiordn. 75; am andern tag macht man daz freudenfeur am mark zu Nurmberg: die statpfeifer stunden auf dem mark zu unser lieben frawen auf dem gang und musten pfeifen als lang als man alle die glocken leutet in Nurmberg.
d. städtechron. 11, 547, 8; darumb ... warden auf eines rats begeren, da es drei gen nacht schlug, hie in allen kirchen und clostern alle glocken geleutet und te deum laudamus gesungen, zwei freudenfewer, eines auf der vesten und das ander am marckt, angezunt und von den statpfeifern und trumetern, auf dem portal unser lieben frawen capellen gestanden, gehofieret. 717, 23; die Augspurger gaben 4 fl. in die kuochin und den stattpfeiffern 2 fl. 25, 166, 3; denn ehe sie zur antwort kömmt, so fängt der spielman an, doch botz tausend dasz ich die herren stadtpfeiffer, oder lateinisch musicanten genant, nicht erzürne, so fängt der herr musikante seinen tantz
an. Weise
erznarren 131
neudr.; als der brautzug in die kirche begann, und voraus von den stadtpfeifern drommetet und schalmeiet wurde, wimmerte und erseufzte sie wie in der unglücksstunde. Musäus
volksmärchen 2, 61
Hempel; ein feiger stadtpfeifer griff in die tasche und zog mittelstücke heraus, die er als feldstücke von ferne auf die besten köpfe warf. J. Paul
flegeljahre 2, 81; bei Gockels ankunft war das volk in einem weiten kreis unter dem baume versammelt, auf welchem die königlichen hofmusikanten und die Gelnhausener stadtpfeifer einen herrlichen tanz aufspielten, nämlich den eiertanz. Brentano 5, 141; die stadt ... brachte ihm (
dem gesundeten burgemeister) unter begleitung der kunstreichen stadtpfeifer ein freudiges lebehoch. Arnim 3, 176 (
kronenw.); hört nur, ich glaube die stadtpfeifer schlagen sich mit den fremden fiedlern, und sie haben doch alle zu essen. 353; vielmehr hetzten manche bürger die stadtpfeifer, die fremden meistersinger und die fiedler gegeneinander, weil sie sich in ihrer tücke so grundlächerlich darstellten. 355; (
als ich meistersinger wurde,) da gaben mir alle ratsherren ein groszes fest, und die stadtpfeifer bliesen vor meinem fenster. 360; ein ganzes eden erschlosz sich mir aber, wenn, wie es im winter zu geschehen pflegte, der stadtpfeifer mit seinen gesellen, unterstützt von ein paar schwächlichen dilettanten ein concert gab. E. T. A. Hoffmann 1, 58; der stadtpfeifer, dem Lauretta ein: asino maledetto, an den kopf geworfen, hatte die violine unter den arm genommen, und den hut trotzig auf den kopf geworfen. 61; ich warf mich dem stadtpfeifer in den weg, ... ich versprach ihm in der angst sechs neue menuetts mit doppeltem trio für den stadtball. 62; im zuge (
der schützen) schritten mehre der vornehmsten jungfrauen der stadt, festlich gekleidet, von rathsherren, stadtpfeifern und trabanten begleitet, auf den schützenplatz. Freytag 19, 338; der erste, welcher ein angebot auf ihre (
der Küngolt) gefangenhaltung that, war der stadtpfeifer, ein vertrunkener mann, der von seiner frau hergeschickt war, um mit dem erwerbe die zerrütteten umstände etwas zu verbessern. Keller 5, 229; 'willst du zum stadtpfeifer?' fragte Dietegen die Küngolt kurz, und sie sagte 'nein!' nachdem sie den besudelten und rotnasigen musikus angesehen.
ebenda; der stadtpfeifer,
titel einer 1847
von W. H. Riehl
geschriebenen novelle (
ges. nov. 1, 3
f.); er ist wohlbestellter stadtpfeifer zu Weilburg und bläst den bürgern morgens, abends und zu mittag ein geistlich lied, dasz sie wissen was an der zeit ist, und an unsern herrgott gedenken mö
gen. 6; bleib er ein stadtpfeifer und werde er keiner von denen, die oben hinaus wollen, kein geiger, kein notenfresser, oder wie man die vornehmen musikalischen lumpen sonst heiszt. 7; und der stadtpfeifer muszte zurück auf seinen turm. 11; die einrichtung der pfeiferstube, wie sie der stadtpfeifer von den eltern ererbt, war gediegen und gut. 18; der stadtpfeifer im ziegelroten staatsrock hatte dem zuge, dem fürsten selber, den marsch geblasen. 32; kirmesz war immer ein stolzer tag für einen stadtpfeifer.
ebenda; da erwiderte der witzige pater Placidus: 'der zum höchsten gesetzt ist unter den musikern der stadt, der stadtpfeifer oben auf dem schloszturm'. 43.